Strategien für arbeitslose Geisteswissenschaftler

Im Germanistikstudium eine 1,7 und drei tolle Praktika bei renommierten Verlagen hat Sabina vorzuweisen. Sieben Monate nach Studiumsabschluss und 110 Bewerbungen später ist sie frustriert, demotiviert und mit den Nerven am Ende. Hat sie das falsche Fach studiert? Sie hat sich auf Stellenanzeigen beworben, die auf ihr Profil gepasst haben und auf welche, die sie interessant fand, die man allerdings auch mit einem Ausbildungsberuf machen könnte. Bis jetzt hat es nur Absagen gehagelt und bei den zwei Vorstellungsgesprächen auf die sie eingeladen wurde, scheinen alle Bewerber eingeladen worden zu sein. Ein sechsmonatiges Praktikum hat sie angeboten bekommen, unbezahlt versteht sich. Hätte sie es annehmen sollen? Noch schlimmer als die Geldnot ist der Frust.

Schon wieder eine Absage – was stimmt den nicht mit mir?

Wer schon seit Monaten erfolglose Bewerbungen schreibt, stellt sich die Frage, woran es liegen könnte. Obwohl die Bewerbungsunterlagen hin- und her geprüft wurden und man vergebens am Telefon wartet, rührt sich nichts.

Vor Studiumsabschluss schon einen festen Job zu ergattern, gelingt nur den wenigsten Studenten. Nach dem Abschluss fängt die Bewerbungsphase erst richtig an und viele Studenten bemerken jetzt, dass der Ernst des Lebens begonnen hat. Geisteswissenschaftler trifft es besonders schwer, da sie oft nicht wissen, wie und wo sie sich auf dem Arbeitsmarkt platzieren sollen.

Es kann unzählige Gründe für Absagen geben. Einer der häufigsten Gründe für eine Absage ist leider, dass die Bewerbung erst gar nicht gelesen wird. Unternehmen werden regelrecht mit Bewerbungen überschüttet und schaffen es daher nicht alle Bewerbungen zu prüfen. Gerade bei Bewerbungen über Onlinemasken lassen sich Bewerber schnell aussortieren ohne auch nur ein Blick auf die Bewerbung zu werfen. Mit Hilfe der Online-Bewerbungsmaske kann der Personaler schnell einstellen, dass ihm nur Bewerbungen mit einer Durchschnittsnote von 1,5 und besser angezeigt werden oder, dass ihm zuerst alle Wirtschaftswissenschaftler angezeigt werden. Absagen sollten deshalb nicht persönlich genommen werden, auch wenn dies einem schwer fällt.

Unbezahlte Praktikum oder Volontariat nach dem Studium: Ja oder Nein?

Wer als Geisteswissenschaftler nicht arbeitslos sein will, nimmt auch schon mal ein unbezahltes Volontariat oder Praktikum nach dem Bachelor- oder Masterstudium an. Doch nicht jeder will oder kann sich das kostenlose Arbeiten leisten, zudem man für Fahrtkosten selbst aufkommen muss. Ganz zu schweigen von der bürotauglichen Kleidung, die man sich jetzt neu anschaffen muss.

Ein unbezahltes Praktikum oder Volontariat sollte nur angenommen werden, wenn dieses eine Aussicht auf eine Festanstellung stellt. Wer die Zeit während der Jobsuche produktiv nutzen will, kann natürlich auch ein Praktikum oder Volontariat machen. Dabei sollte man allerdings achten, dass man eine kürzere oder gar keine Kündigungsfrist hat. Wer ein unbezahltes Praktikum annimmt kann die Kündigungsfrist natürlich mit dem Personalverantwortlichen verhandeln. Die Arbeitszeiten können Sie natürlich auch verhandeln und das Praktikum auf 3-4 Tage die Woche reduzieren. Aus der Anstellung lässt es sich oft einfacher bewerben als aus der Arbeitslosigkeit heraus.

Lösung 1: Ab ins Ausland

Der heutige Absolvent muss flexibel sein, wenn es um den ersten Job nach dem Studium geht. Wer nur in einer Kleinstadt nach Jobs sucht, sollte sich nicht wundern, wenn man nichts Geeignetes findet. Schauen Sie deshalb über die Landesgrenzen hinaus. Erweitern Sie Ihre Suche über die Landesgrenzen hinaus. Die meisten Deutschen fühlen sich im deutschsprachigen Ausland am wohlsten, wer aber über Fremdsprachen verfügt, sollte diese Länder ebenfalls in der Suche miteinbeziehen und sich auf Englisch bewerben. Das Ausland scheint Geisteswissenschaftler mehr zu schätzen als man das hier in Deutschland tut. Mehr Infos zum Thema „Nach dem Studium im Ausland arbeiten“.

Lösung 2: Bei einem Startup Unternehmen arbeiten

Startups sind flexibler als große Unternehmen und nehmen gerne Geisteswissenschaftler, die schnell lernen können. Die Konkurrenz an Bewerbern fällt ebenfalls weg, da viele Startups nicht in den gängigen Jobbörsen inserieren, sondern auf ihren Webseiten oder auf Startup-Jobbörsen. In einem Startup ist es außerdem nichts Ungewöhnliches alle drei Monate befördert zu werden und einen neuen Jobtitel zu bekommen. Startups suchen oftmals Alleskönner, die sich schnell in die Materie einarbeiten können und hinter der Mission des Startups stehen.

Lösung 3: Selbstständig machen

Warum darauf warten für jemand anderen zu arbeiten, wenn Sie für sich selbst arbeiten können? Zugegeben, der Sprung in die Selbstständigkeit braucht Zeit bis Sie von Ihren Aufträgen leben können, es kann sich aber durchaus lohnen. Mit einer eigenen Webseite können Sie Ihre Fähigkeiten anpreisen. Zudem können Sie sich direkt auf ausgeschriebene Jobs auf Freelancer-Portalen bewerben.

Lösung 4: Influencer werden

Als Geisteswissenschaftler hat man den größten Teil seines Studiums mit dem Recherchieren eines bestimmten Gebietes verbracht. Warum sollte dieses Wissen jetzt flöten gehen? Influencer spezialisieren sich auf eine bestimmte Nische und werden somit Experten in ihrem Bereich. Sie wollen in der PR-Branche arbeiten, aber finden keinen Job? Starten Sie doch einen Blog und teilen Sie Ihr Wissen mit der Welt. Dadurch werden auch Arbeitgeber auf Sie aufmerksam. Erfolgreiche und etablierte Influencer werden zudem von Magazinen und Verlagen angeschrieben, um einen Artikel zu einem bestimmten Thema zu schreiben. Influencer schreiben Blogs, Bücher oder drehen Videos und veröffentlichen dies entweder über Verlage oder selbst.

Lösung 5: Berufsbezogene Qualifikationen erlernen

Viele geisteswissenschaftliche Studiengänge sind nicht berufsbezogen und daher bewerben sich viele auf artverwandte beziehungsweise Quereinsteiger Jobs. Auch wenn der Wille da ist neues zu lernen, Personaler sortieren alles aus, was nicht die notwendigen Schlüsselwörter im Lebenslauf haben, um für den Job als qualifiziert zu gelten. Ein spezifisches Training oder ein Online-Kursen kann Ihnen die fehlende fachliche Qualifikation geben. Kurse im Social Media, User Experience Design, Content Management, SEO, Six Sigma oder Big Data sind nur einige Beispiele, die Ihren CV um einiges aufwerten können.