Auswanderung planen: 10 Fragen, die man sich stellen sollte, bevor man auswandert

People at a modern airport, departure lounge

Bevor man seine Koffer packt und alles liegen lässt, sollte man sich über die Beweggründe und Ziele im Klaren sein, um seine Auswanderung richtig zu planen. Auswanderer-TV-Shows zeigen allzu gerne gescheiterte Auswanderer, die es im Ausland nicht geschafft haben und zurück nach Deutschland gehen. Oftmals sind Sprachbarrieren, keine ausreichenden Informationen über das Zielland, falsche Erwartungen, sowie fehlende finanzielle Rücklagen für die ersten Monate und für unvorhersehbare Notlagen Gründe für eine Rückwanderung in die Heimat. Auswandern ist mit viel Papierkram, Zeit und Geld verbunden.

Im nachfolgenden Text sind zehn Fragen aufgelistet, die man sich selbst stellen sollte, bevor es ans Koffer packen geht.

1.Was sind Ihre Beweggründe fürs Auswandern?

Diese Frage wird von den meisten entweder sehr oberflächlich oder sehr komplex beantwortet. Leute, die zum Beispiel wegen der Liebe oder aufgrund eines Jobangebots auswandern möchten, haben meistens keine anderen Gründe. Bei Leuten, die absolut keine Perspektive mehr in ihrem Heimatland sehen, häufen sich die Beweggründe zum Auswandern. Um sich über seine Motive im Klaren zu sein, sollte man sich zudem fragen, ob die Antworten auch noch in den nächsten fünf bis zehn Jahren aktuell sein werden.

2. Haben Sie finanzielle Rücklagen für den Anfang und für Notfälle?

Diese Frage ist ganz besonders wichtig für diejenigen, die ohne Jobangebot in die Ferne ziehen. Sie sollten genügend Geld für die ersten paar Monate zur Verfügung haben sowie Erspartes für Notfälle. Um finanziell abgesichert zu sein, sollte man mit dem Schlimmsten rechnen. Ohne finanzielle Rücklagen werden Sie sich nicht auf Ihre Auswanderung konzentrieren können. Empfohlen wird deshalb das Startkapital und die Kosten für die ersten Monate zu berechnen. Falls Sie bereits ein Jobangebot haben, müssen Sie natürlich auch mit anfänglichen Kosten rechnen, bevor Sie Ihr erstes Gehalt erhalten. Planen Sie ebenfalls für den Notfall, falls der neue Job doch nicht alles hält, was er zunächst versprochen hat und Sie sich schnell einen neuen Job suchen müssen.

3. Verfügen Sie über ausreichende Sprachkenntnisse?

Auch wenn Sie über ausreichende Englischkenntnisse verfügen und in Ihrem zukünftigen Job die Arbeitssprache Englisch sein wird, sollten Sie unbedingt versuchen, die Grundkenntnisse der Landessprache zu lernen, falls Sie diese noch nicht können. Die Landessprache zu können wird alles vereinfachen und Ihnen auch bei der Integration im Land helfen. Planen Sie also genügend Zeit ein, um die Sprache zu lernen.

4. Was sagt Ihre Familie zu den Plänen?

Viele Expats nehmen ihre Familie gleich mit. Ein Auslandseinsatz über mehrere Jahre muss daher gründlich geplant werden. Wenn Ihr Partner mitkommt, muss geklärt werden, ob diese/r auch eine Arbeitsgenehmigung mit ihrem Visum erhält und ob es geeignete Arbeitsmöglichkeiten im Zielland gibt. Kleinen Kinder macht das Auswandern nicht so viel aus wie Teenagern, die viel eher an ihre Freunde und gewohnte Umgebung gebunden sind. Wenn Ihre Kinder mitkommen, muss geklärt werden, wo diese zur Schule gehen können. Im Ausland legt man viel mehr Wert auf Privatschulen, um den Kindern eine gute Schulausbildung zu bieten. Privatschulen können teuer sein und Sie sollten diese Ausgaben vorab in Ihrem Budget kalkulieren.

Auch wenn Sie noch keine eigene Familie haben, sollten Sie beim Auswandern an Ihre Familie Zuhause denken. Wenn Sie auswandern, muss Ihnen bewusst sein, dass Sie in Zukunft nur per Skype oder Telefon Kontakt haben werden und dass Besuche sich vielleicht auf nur einmal im Jahr reduzieren werden.

5. Haben Sie bereits ein Visum oder wissen Sie, für welches Sie sich qualifizieren?

Die Visumsfrage ist eine der wichtigsten Fragen, wenn es um die Organisation der Auswanderung geht. Ohne ein geeignetes Visum dürfen Sie oftmals gar nicht erst ins Land oder benötigen eine zusätzliche Erlaubnis, um arbeiten zu können. Für längerfristige Visa müssen Sie unbedingt genügend Zeit für die Bearbeitungsdauer einplanen.

6. Sind Sie gesund und krankenversichert?

Eine Auswanderung kann Sie an die Grenzen Ihrer Belastbarkeit stoßen lassen. Auch wenn Sie glauben, alles bis ins kleinste Detail geplant zu haben, kann immer noch etwas schiefgehen, was Sie zur Verzweiflung bringen kann. Seien Sie sich bewusst, dass eine Auswanderung anstrengend sein kann und dass die Uhren im Ausland anders ticken. Es ist zu empfehlen, sich gründlich untersuchen zu lassen, bevor es losgeht, denn im neuen Land müssen Sie erstmal Vertrauen zu einem neuen Arzt aufbauen. Falls Sie Medikamente nehmen, sollten Sie unbedingt prüfen, ob es diese auch in Ihrem Zielland gibt und wenn ja, wie Sie diese erhalten können. Eine Krankenversicherung ist für jede Stufe Ihrer Auswanderung angebracht, denn an Ihrer Gesundheit sollten Sie auf keinen Fall sparen. Bedenken Sie auch, dass Sie für einige Visas eine Gesundheitsuntersuchung machen und/oder eine Krankenversicherung vorzeigen müssen.

7. Wie stehen Ihre Job-Chancen im Zielland?

Auch wenn Sie sich für ein geeignetes Arbeitsvisum qualifizieren, ist dies noch keine Garantie, dass Sie Ihren Traumjob bereits nach ein paar Tagen bekommen. Recherchieren Sie den Jobmarkt in Ihrem Zielland und schauen Sie nach offenen Stellen, auf die Sie sich eventuell bewerben können. Vernetzen Sie sich auch mit anderen Auswanderern – im Internet gibt es zahlreiche Foren zum Thema Auswandern und vielleicht finden Sie jemanden über Xing oder LinkedIn, der bereits in Ihrem Traumland in derselben Branche wie Sie arbeitet. Schreiben Sie ein paar Leute an und fragen Sie diese nach Tipps. Auch wenn einige Leute nicht antworten, sollte Sie das nicht daran hindern, Kontakt zu anderen aufzunehmen.

8. Was geschieht mit Ihrer Wohnung oder Ihrem Haus, Ihren Möbeln, Gegenständen und wo möchten Sie in Zukunft wohnen?

Wenn Sie bereits eine Wohnung oder ein Haus haben und vorhaben, für immer auszuwandern, müssen Sie sich überlegen, ob Sie verkaufen oder vielleicht vermieten möchten. Wenn Sie sich noch nicht zu 100 Prozent sicher sind, was Sie mit Ihrem Eigenheim machen möchten oder der Immobilienmarkt gerade nicht gut aussieht, sollten Sie nichts überstürzen, was Sie später vielleicht bereuen werden. Wer seine Wohnung oder sein Haus vermieten oder als Ferienwohnung über Airbnb anbieten möchte, benötigt natürlich eine Vertrauensperson, die ab und an nach dem Rechten schauen kann. Von alten Ikea-Möbeln können Sie sich getrost trennen. Diese können Sie in der neuen Heimat neu kaufen. Falls Sie dennoch an Ihren Möbeln hängen und diese in die neue Heimat mitnehmen möchten, sollten Sie sich vorher informieren, ob diese auch in Ihre neue Wohnung passen werden. Um eine Sache werden und sollten Sie nicht herumkommen: ausmisten – jeder von uns hat unnötige Kleidung, Magazine, Bücher usw. rumstehen, die man sowieso nicht mehr braucht. Solange Sie nicht den Überblick über Ihre Gegenstände haben, sind Sie nicht Herr der Dinge.

9. Sind Sie sich im Klaren darüber, was Sie zurücklassen und was Sie vermissen werden?

Natürlich werden Sie mit der neuen Erfahrung mehr gewinnen als verlieren. Allerdings sollten Sie sich bewusst sein, dass sich die anfängliche Neugierde und Begeisterung auch irgendwann mal abschwächt und Sie dann einen ganz neuen Alltag haben. Es sind oft die kleinen Dinge, die uns Freude machen und die Sie vermissen werden.

10. Haben Sie eine Exit-Strategie?

Jeder Businessplan sollte eine sogenannte Exit-Strategie haben, falls die Dinge nicht mehr so klappen, wie sie sollten. Als Auswanderer brauchen Sie ebenfalls eine Exit-Strategie. Auch wenn Sie ganz euphorisch in der Planung Ihrer Auswanderung stecken, sollten Sie nicht vergessen, auch für den Notfall zu planen. Eine Rückkehr muss nicht bedeuten, dass Sie im Ausland „versagt“ haben. Niemand wird Sie verurteilen, wenn Sie wieder zurück in Ihre Heimat kommen. Den Kontakt zu den Daheimgebliebenen sollten Sie nicht abbrechen und eine mögliche Rückwanderung niemals ausschließen.