Die berufliche Neuorientierung kann Spaß machen, wenn man diese strategisch angeht. (Foto: Shutterstock)
Die ersten Schritte zur beruflichen Neuorientierung sind sehr aufregend. Für fünf Minuten jedenfalls, dann prasselt es langsam, dass so eine berufliche Veränderung auch Überwindung, Zeit und vielleicht sogar jede Menge Geld kosten kann.

Eine berufliche Neuorientierung muss durch gewisse Prozesse und Stationen, um völlig ausgereift zu sein, damit du am Ende vollkommen glücklich mit deiner Entscheidung bist. Auch wenn es so erscheinen mag: Der Gedanke seinen Beruf zu ändern, kommt nicht über Nacht und hat sich in den meisten Fällen schon langsam angebahnt. Meistens ist man schon monatelang unzufrieden im Job.

Um dir zu helfen, in die Startlöcher zu kommen und deinen Traum zu verwirklichen, solltest du folgende Schritte, einer nach dem anderen, befolgen:

1Rückblick und Inventur: Warum ist man unzufrieden im Job?

Blicke auf deine bisherige Karriere zurück. Wie und warum bist du dort gelandet, wo du jetzt bist. Beleuchte auch die Art deiner Arbeit, das Umfeld und die beruflichen Verbindlichkeiten. Die meisten, wissen gleich, warum du in deinem jetzigen Job unzufrieden bist. Andere denken, sie sind mit der Gesamtsituation unzufrieden. Beide Gruppen sollten jedoch tiefer in diese Frage eingehen und sich wirklich eingestehen, warum man eine Veränderung sehnt. Es kann natürlich auch sein, dass es bei dir nicht am Beruf selbst sondern an deinem jetzigen Job liegt. In diesem Fall ist ein Jobwechsel und nicht eine berufliche Neuorientierung angebracht.

2Probieren geht über studieren – ist man glücklicher im neuen Job?

Nicht jeder hat ein profitables Hobby. Hinter vielen der „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht“-Geschichten stecken Jahre. Auch wenn du Spaß an einer bestimmten Sache hast, würdest du diese auch 8 Stunden am Tag mit Freude machen? Würde es dir ebenso was ausmachen, wenn du gegebenenfalls einen finanziellen Schritt zurück machen musst? Probiere deinen Traumjob aus – für einen Tag, mehrere Tage oder sogar mehrere Monate.

Das geht aber nicht, oder? Hier ist natürlich Kreativität gefragt. Auf Plattformen wie Upwork, Freelancer, Twago oder Fiverr kannst du auf ausgeschriebene Jobs in deiner favorisierten Branche bewerben. Viele der Jobs richten sich auch an Studenten und Anfänger. Denke daran: jeder fängt klein an, wenn er etwas Neues startet. Die berufliche Neuorientierung sollte sich aber langfristig lohnen. Du kannst auch ein Probetag bei jemanden machen, der deinen Traumjob hat. Die besten Erfolgschancen hast du, wenn du dich nicht an ein großes Unternehmen wendest, da man denken könnte, du bist nur zum Ausspionieren gekommen, sondern bei einem selbstständigen Freiberufler, der womöglich einmal in deinen Schuhen steckte und den Schritt gewagt hat.

3Hacke nach: Andere Leute über den Traumjob interviewen bevor man in die berufliche Neuorientierung investiert

Jemanden zu befragen, der aktuell in deinem ausgewählten Traumjob arbeitet ist pures Gold wert. Man sollte versuche so viele Informationen über eine mögliche berufliche Neuorientierung herauszufinden, wie nur möglich. Hierbei kann man natürlich direkt bei der Bundesagentur für Arbeit nach Informationen fragen.

Idealerweise befragst du mehrere Leute und kannst dir so ein gutes Bild über den neuen Job machen. LinkedIn hat sich bewährt, um die geeigneten Kontakte zu finden. Mit der Suchfunktion bei LinkedIn findest du in null Komma nichts Personen in deiner unmittelbaren Umgebung, die du auf einen schnellen Kaffee treffen kannst. Die meisten Menschen sind bereit zu helfen und solltest du auf jemanden treffen, der es absolut liebt über sich selbst zu sprechen: Bingo, hier ist deine Informationsquelle.

4Einfach losstarten oder Qualifikationen erlangen

In vielen Fällen verfügst du bereits über die notwendigen Qualifikationen. Selbst wenn du bei einem neuen Job von vorne anfängst. Transferierbare Fähigkeiten aus deinem alten Job lassen sich in vielerlei Hinsicht anwenden. Hierbei musst du dich nur schlau verkaufen. Eine berufliche Neuorientierung setzt dich nämlich nicht mit einem Schulabgänger gleich.

Wer sich dennoch unsicher fühlt oder in dem Traumjob eine besondere Qualifikation sogar notwendig ist, muss abwägen ob ein ganzes Studium tatsächlich benötigt wird. Überprüfe ob ein Intensivkurs dir ebenso die benötigten Kenntnisse beibringen kann. Mittlerweile findet man alle möglichen Kurse online, bei denen man ebenso ein Zertifikat erhält. Ein guter Anbieter kann dir am Ende eines Kurses auch wertvolle Kontakte vermitteln, die dir helfen können, den Karrieresprung schnell über die Bühne zu bringen. Wer in einem größeren Unternehmen arbeitet, kann die HR-Abteilung auch fragen, ob du an einem Weiterbildungskurs teilnehmen kannst. Schließlich würde das Unternehmen dann von deiner zusätzlichen Qualifikationen profitieren.

5Zeit einplanen für die berufliche Neuorientierung

Für eine komplette berufliche Neuorientierung solltest du schon etwas Geduld einplanen. Wenn es nicht gleich mit den Bewerbungen klappt, dann kann dies vielerlei Gründe haben und sollte dich nicht demotivieren oder dazu bewegen die Flinte ins Korn zu werfen. Wie bei den meisten Dingen im Leben, ist es auch hier wichtig, ein Gleichgewicht zu finden.

Kein Job ist ein perfektes Spiegelbild seiner Stellenbeschreibung, und du kannst eine wirklich interessante Job-Möglichkeit verpassen, wenn du dich nur auf ein paar Keywörter konzentrierst. Der berufliche Wechsel sollte als Reise betrachtet werden, bei der du unterwegs viel für die Zukunft lernen kannst. Nehme die unerwartete Herausforderungen an. Sollte eine coole Position auch teilweise aus ein bisschen Kundenservice besteht so ist dies kein Grund sich nicht für die Position zu bewerben, auch wenn du dies vielleicht nicht unbedingt machen möchtest.

Auch, wenn du nach nur wenigen Monaten oder nach 10 Jahren den Kurs erneut wechseln und über eine erneute berufliche Neuorientierung nachdenkst, denke daran, dass du die Fähigkeiten und das Köpfchen dazu hast, in einem völlig neuen Bereich erfolgreich zu sein. Sich dazu zu zwingen in einer Branche oder einem Job zu arbeiten, indem du absolut unglücklich wärst, erspart dir womöglich ein Burnout und hilft dir auf deinem Weg, dorthin zu gelangen, wo du sein möchtest.

Marlene Schimanski ist die Gründerin und Chefredakteurin von Auslandskarriere. Sie lebte bereits in fünf verschiedenen Ländern (Portugal, Island, Österreich, Irland und Australien) und ist 2013 nach Australien ausgewandert. Sie hat bei PwC und KPMG im Global Mobility gearbeitet, bevor sie sich als Englisch-Übersetzerin und Karrierecoach selbstständig machte. Sie hat einen Masterabschluss in International Business Administration.