Fallen beim Auswandern: Vorsicht vor Betrügern im Ausland

Das Eheleute Katharina und Tom wollten zusammen nach Tunesien auswandern. Die Sonne, die niedrigen Lebenshaltungskosten und der Strand lockten sie aus dem kalten Deutschland heraus. Beide arbeiteten freiberuflich von Zuhause aus und dies bedeutet, dass sie eigentlich von überall aus der Welt arbeiten können. Warum also nicht da leben und arbeiten, wo andere Leute ihren Urlaub verbringen? Die erste Wahl fiel deshalb auf Spanien, allerdings schreckten sie von den hohen Preisen in den beliebten Urlaubsgebieten zurück.

„Warum eigentlich nicht Tunesien?“ dachte sich Tom. Beide waren dort bereits drei Mal im Urlaub, sie kannten sich also dort viel besser aus als in Spanien und niemals haben sie sich dort unsicher gefühlt. Voller Vorfreude machten sie sich an die Organisation der Auswanderung. Vor Ort mussten sie sich nur eine Wohnung suchen und die Visumsfrage klären.

Nicht jeder war von dieser Idee begeistert. Katharinas Mutter warnte die beiden ausdrücklich davor aufzupassen und nicht gleich alles in Deutschland aufzugeben. Diese Unsicherheit nagte an Katharina, weshalb sie sich in einem Forum für Auswanderer anmeldete. Wie das Schicksal so wollte, lernte sie einen Deutschen kennen, der bereits seit mehreren Jahren dort lebte. Er schien sehr hilfsbereit zu sein und sagte ihnen, dass er ihnen bei dem ganzen Papierkram helfen wird.

In Tunesien angekommen lernten sie den Deutschen auch am ersten Tag kennen. Er schien sehr nett zu sein, allerdings hatten die beiden ein komischen Gefühl als Jürgen ihnen die Preise für seine „Berater-Tätigkeit“ mitteilte. Das anfängliche Misstrauen wusste Jürgen aber geschickt zu maskieren: „Damit ich es richtig mache, muss ich mir natürlich viel Zeit für euch nehmen und ihr könnt euch sicher sein, dass Ihr von meiner Erfahrung hier profitieren könnt“ versicherte er dem Ehepaar. In der nächsten Woche fuhr Jürgen die beiden zu unzähligen Wohnungsbesichtigungen und half ihnen bei der Kommunikation mit den Hauseigentümern. Hierfür waren die beiden sehr dankbar, dass Jürgen ihnen zur Seite stand. Als sie sich für eine Wohnung entschieden, schlug Jürgen ihnen vor sich um die Renovierungsarbeiten zu kümmern. Er kenne Einheimische, die das super machen. Bis die Renovierungsarbeiten vorbei seien, sollten die beiden in einem gemieteten Ferienhaus wohnen, welches ebenfalls von Jürgen organisiert wurde. Woche für Woche verging und der Fortschritt der Renovierung war ein Skandal. Jürgen verschob den Einzugstermin immer wieder für eine weitere Woche und die beiden zahlten nicht nur für die Renovierungsarbeiten, sondern ebenso für die Miete des Ferienhauses.

„Wir wollten doch hier hin auswandern, damit wir billigere Lebenshaltungskosten haben und uns nicht dumm und dämlich zahlen“ weinte Katharina ihrer Mutter vor. Tom hatte ebenso die Nase voll und wollte Jürgen endlich zur Rede stellen. Sie nahmen sich vor noch diese Woche einzuziehen, egal wie weit die Renovierung sei. Als die beiden in der neuen Wohnung ankamen forderte der Hausbesitzer noch die Kaution. „Aber Jürgen hat Ihnen diese doch gegeben?“ fragten sie ihn, dieser schüttelte aber nur mit dem Kopf. Ein letztes Telefonat gab es mit Jürgen. Er leugnete alles und versicherte, dass bald alles fertig sei. Die beiden wussten, dass sie ihn nie wieder sehen werden und auch nichts machen können, da es keinen Vertrag mit ihm gab. Traurig, gestresst und fast blank packten die beiden deshalb alle ihre Sachen und flogen zurück nach Deutschland.


So wie Katharina und Tom ergeht es vielen Auswanderern, die in der Euphorie ihren Menschenverstand ausschalten und blind anderen glauben. Damit Ihre Auswanderung problemlos verläuft, sollten Sie auf folgende Tipps achten:

1. Seien Sie nicht naiv

Wer seine Hausaufgaben nicht macht und sich nicht gründlich über das neue Land informiert, indem er später einmal leben möchte, der geht früher oder später Halunken auf den Leim. Gefahren lauern deshalb schon vor der Auswanderung und Sie sollten sicherstellen, dass Sie die wichtigsten Fragen zum Thema „Auswanderung“ auch beantworten können.

2. Auf die Intuition hören

Ignorieren Sie Ihre innere Stimme nicht. Wenn ein selbsternannter Berater Ihnen im neuen Land alles organisieren möchte, sie aber ein schlechtes Gefühl bei der Sache haben, dann sollten sie freundlichst absagen. Niemand zwingt Sie dazu, jemanden zu bezahlen, damit dieser Ihr Visum organisiert, Ihnen eine Unterkunft sucht oder mit Ihnen eine Rundreise macht.

3. Hören Sie sich um und vergleichen Sie Preise

Wer im Ausland zu viel für eine Dienstleistung, eine Wohnung oder ein Produkt bezahlt, die eigentlich im Vergleich dort relativ billig sind, dann liegt dies daran, dass keine Preise verglichen wurden. Bevor Sie Verträge unterschreiben oder jemanden für etwas engagieren, müssen Sie sicher sein, dass alles stimmt. Kommt Ihnen jemand komisch vor, dann können Sie ebenso nach Referenzen fragen oder die Person einfach googeln.

4. Lassen Sie sich niemals drängen

Wenn Ihr Geschäftspartner versucht einen Vertrag möglichst schnell über die Bühne zu bringen, dann müssen Sie sich fragen, ob hinter dem Drängen ein anderer Grund liegt.

5. Verlassen Sie sich nicht blind auf eine einzige Person

Wer alleine auswandern möchte, der ist im Ausland zunächst auf sich alleine gestellt und nimmt deshalb auch unter Umständen eher Hilfe von Fremden an. Auch wenn Ihnen eine Person sympathisch vorkommt, sollten Sie sich Fragen, wieso sie Ihnen helfen möchte. Vorsicht ist ebenso geboten, wenn Sie nicht wissen, wo diese Person wohnt, die Ihnen Hilfe anbietet und sich nur mit Ihnen alleine trifft. Bei Stammtischen oder Internations-Treffen können Sie sich ebenso mit anderen Auswanderern austauschen ohne sich gleich irgendwelche Dienstleistungen aufzubinden oder sich zu weiteren Treffen zu verpflichten. Achtung ist ebenso geboten, wenn jemand Ihnen zu allen Themen einen Service anbieten möchte, denn niemand ist Experte auf allen Gebieten.