Business-Knigge USA: Von Kokosnüssen und Pfirsichen

Die Frage „How are you?“ beantwortet der Deutsche gerne mit seinen Leid- und Krankheitsgeschichten, während die amerikanische Standartantwort doch „Fine, thank you!“ lautet. Denn die Amerikaner möchten niemanden mit ihren Problemen und ihrer schlechten Laune belasten. Dies stößt bei den Deutschen jedoch auf Unverständnis. Wenn man sich schlecht fühlt, wieso soll man dies nicht offen zeigen können? Interessiert der Amerikaner sich gar nicht für mich? Wieso fragt er überhaupt?

Durch den starken amerikanischen Einfluss in der Medienwelt mag man kaum denken, dass es einen kulturellen Unterschied zwischen den USA und dem deutschen Kulturraum gibt. Doch es gibt ihn und die meisten Deutschen tappen gerne in das ein oder andere Fettnäpfchen während ihres Amerika-Besuchs. Dies sind die wichtigsten Punkte des USA-Business-Knigges:

Kokosnüsse und Pfirsiche

Das Kokosnuss-Pfirsich-Model stammt von dem deutsch-amerikanischen Psychologen Kurt Lewin, der Kulturen in zwei Gruppen unterteilt hat: Kokosnüsse und Pfirsiche. Pfirsiche haben eine weiche Schale, sind sofort freundlich und hilfsbereit, aber wenn man ihnen zu nahe kommt, stößt man schnell auf den inneren harten Kern, der das Innere der Pfirsiche beschützt. Kokosnüsse hingegen haben eine harte Schale und es ist sehr schwer an sie heranzukommen. Wenn man es jedoch geschafft hat, die Kokosnuss zu knacken und in das Innere zu gelangen, bleibt man erst mal im vertrauten Kreis. Nach diesem Modell werden Amerikaner als Pfirsiche bezeichnet und Deutsche als Kokosnüsse. Die Deutschen sind aber nicht alleine mit diesem Vergleich, Russen und Franzosen sollen ebenfalls zu den Kokosnuss-Kulturen gehören. Dieser Vergleich wird vor allem in Bezug auf Freundschaften gemacht. Während die Amerikaner jede Bekanntschaft schon als „new best friend“ bezeichnen, sind die Deutschen eher zurückhaltend.

Privatleben, Business und Arbeitsverhalten

Der Deutsche schätzt sein Privatleben und trennt dieses von seinem Berufsleben. Die Amerikaner hingegen gehen sehr öffentlich mit ihrem Privatleben um. Die Deutschen werden von den Amerikanern als introvertiert, hartarbeitend und unflexibel angesehen. Bei Projektarbeiten sollten Deutsche darauf achten, dass sie die amerikanischen Geschäftspartner regelmäßig über die Fortschritte auf dem Laufenden halten. Den Amerikanern ist es sehr wichtig, dass man schnell Ergebnisse sieht, dabei ist es jedoch nur zweitrangig, dass diese perfekt und komplett ausgearbeitet sind. Die Deutschen hingegen liefern Ergebnisse ab, ohne alle fünf Minuten von ihren Fortschritten berichten zu müssen. Dies kann natürlich zum Problem werden, wenn ein deutsches Unternehmen etwas für ein amerikanisches Unternehmen herstellt und die Amerikaner nicht in den kompletten Prozess einweihen. Zum Reporting und zum Arbeitsprozess gehört in den USA natürlich auch das Feedback. Wer seine Sache gut gemacht hat, wird mit Komplimenten gelobt.

Networking

Je mehr Leute man kennt, desto besser. Nirgendwo sonst ist Networking so wichtig wie in den USA. Ins Gespräch kommt man schnell, da die Amerikaner sehr kontaktfreudig sind und Small Talk lieben. Stürzen Sie aber nicht gleich mit der Tür ins Haus, wenn Sie eine neue Bekanntschaft gemacht haben, sondern lassen Sie der Beziehung etwas Zeit. Mit einer Kontaktanfrage auf LinkedIn können Sie problemlos in Kontakt bleiben.

Trinkgeld

Ganz gleich ob im Taxi, im Restaurant, in der Bar oder im Lokal, es wird ein Trinkgeld von rund 15 bis 20 Prozent von Ihnen erwartet. Auch wenn Sie mal nicht mit dem Service zufrieden gewesen sein sollten, gar kein Trinkgeld geben ist für die Amerikaner mehr als unhöflich. Die US-amerikanischen Kellner leben von dem Trinkgeld, welches den größten Teil ihres Einkommens ausmacht. Versicherungen, die bei uns vom Arbeitgeber bezahlt werden, muss man in den USA selbst finanzieren. In der Regel wird das Trinkgeld in bar auf dem Tisch hinterlassen oder man notiert den Betrag auf der Rechnung und er wird Ihnen mit der Gesamtsumme von der Kreditkarte abgezogen. Achten Sie hierbei aber auf eine leserliche Handschrift. In den USA schreibt man die Zahl 1 wie einen Strich und lässt dabei den oberen Strich weg, damit man dies nicht mit der Zahl 7 verwechselt.

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