“Erzählen Sie etwas über sich” – Kurz vorstellen im Vorstellungsgespräch

Erzählen Sie etwas über sich
"Erzählen Sie doch etwas über sich selbst" (Foto: Shutterstock)
In fast jedem Vorstellungsgespräch hört man gleich zu Beginn “Erzählen Sie etwas über sich”. Bei manch einem Bewerber sitzt jetzt schon der Kloß im Hals.

Mit einem stumpfen “Hallo nochmal, mein Name ist Jürgen und ich bin 42 Jahre alt und Bauingenieur” wirst du keinen Personaler vom Hocker hauen.

Das Vorstellungsgespräch nimmt mit einem schlechten Einstieg meist kein gutes Ende mehr. Der Bewerber merkt selbst, dass er bei der ersten Frage bereits ins Stottern geraten ist und der Personaler versucht sich den ersten schlechten Eindruck nicht anmerken zu lassen.

Dabei sollte absolut jedem Bewerber klar sein, dass diese Frage bei absolut jedem einzelnen Vorstellungsgespräch gefragt wird. Ganz am Anfang. Dies ist kein Grund zu verzweifeln, weil man ja nicht weiß, wie man sich verkaufen soll – sondern ein Grund zur Freude, weil man sich auf diese Frage zu 100 Prozent perfekt vorbereiten kann.

Erzählen Sie etwas über sich – mit dem Elevator Pitch

Bei dem amerikanischen Model “Elevator Pitch” geht es darum, sich kurz und prägnant vorzustellen. Die Idee kommt daher, dass man für den Fall, dass man im Aufzug mit einer einflussreichen Person ist, genau weiß was man sagen soll.

Dieser Pitch soll nicht länger als eine Minute dauern und dem gegenüber klar machen, was man beruflich macht und wo es in Zukunft für einen gehen soll. Den Elevator Pitch kann man auch für ein Treffen auf der Messe, auf einem Networking-Event oder das Treffen mit einem Investor verwenden.

Mit diesen fünf Punkten wird deine Vorstellung im Vorstellungsgespräch ganz sicher zum Erfolg:

„Erzählen Sie etwas über sich“

1Einen guten Einstieg finden

Angefangen bei einer neuen namentlichen Vorstellung über den kompletten Werdegang der Schulzeit bis zum ersten Praktikum: Ohne Struktur hangelt man sich im Vorstellungsgespräch nur so durch.

Die Frage “Stellen Sie sich doch bitte kurz vor” kommt erst auf, wenn du bereits ein wenig Small Talk mit dem Personaler geführt, dich hingesetzt und gegebenenfalls ein Wasser angeboten bekommen hast.

Du solltest dich also bei dieser Frage nicht noch einmal namentlich vorstellen oder dem Personaler erzählen welchen Beruf du ausübst.

Es geht vielmehr darum, dass du den Weg und das wieso beschreibst, wie du zu deinem jetzigen Job gekommen ist. Sicherlich bist du nicht eines Tages aufgestanden und hast gedacht: “Ich werde Key Account Manager”.

Viel interessanter sind doch die Geschichten, die deine Leidenschaft für den Beruf rüberbringen. Was ist deine Story?

2Die Gliederung muss stimmen

Sobald die richtige Gliederung für deinen Pitch oder deine Vorstellung steht, kannst du den Inhalt minimal abändern und musst den ganzen Text nicht stur auswendig lernen.

Die einfachste Struktur hat sich bekanntlich als die beste bewährt. Einige Ideen für eine passende Gliederung sind:

Past-Present-Future: Stelle dir die Fragen: Was habe ich zuvor gemacht? oder Wie bin ich dahin gekommen wo ich bin? Wo befinde ich mich jetzt beruflich? Wo möchte ich in Zukunft hin?

Golden Circle (Why-How-What): Warum hast du dir diesen Beruf ausgesucht? Wie machst du aus deinem Beruf etwas besonderes? Was genau machst du in deinem täglichen Job?

3Auf dem Punkt bleiben

Was gibt man von sich Preis und was eher nicht? Wie hinterlässt man am besten einen guten Eindruck? Viele plappern einfach drauflos ohne einen Bezug zu dem Job, auf den sie sich gerade bewerben, zu stellen. Andere kommen ins stammeln und reden von ihren Interessen und wie toll der Job den in die eigene Laufbahn passen würde. 

Behalte immer deine Gliederung im Hinterkopf. Diese bringt dich ebenfalls davon ab vom Thema abzuschweifen. Dennoch ist es wichtig noch einmal zu betonen, dass der Elevator Pitch nicht länger als eine Minute dauern sollte.

Es geht im Elevator Pitch darum, dass man Interesse weckt. Nach einer kleinen Vorstellung kann der Personaler auf einige Punkte zurückkommen, die er interessant fand. Zerbrechen dir also nicht den Kopf darüber, was der Personaler fragen könnte. Du musst nicht alle Punkte in deinem Lebenslauf erwähnen, sondern nur einen kurzen Einblick zu deiner Person liefern.

4Vorteile betonen

Viele Bewerber hassen es etwas über sich zu erzählen. Bei dieser Frage bleibt die Kontrolle jedoch bei dir. Denke erst gar nicht an deine Schwächen und Nachteile. Beim Pitchen geht es darum dich richtig verkaufen zu können.

Hier kannst du wunderbar einbringen, warum man dich einstellen sollte. Verwende Beispiele, um deine Behauptungen zu untermauern. Dies kann auch ganz natürlich wirken wie in diesem Beispiel:

Durch mein Nebenfach in Philosophie habe ich gelernt strategisch zu denken und zu handeln. Dies hat sich bereits in meinem letzten Projekt gezeigt als ich die Idee zu XY hatte.

5Call to Action nicht vergessen

Im klassischen Elevator Pitch geht es darum ein Ziel zu verfolgen. Du willst zum Beispiel einen Investor von einer Idee begeistern oder bewirbst dich um einen neuen Job. Dein Schlusssatz am Ende deiner Vorstellung gibt den weiteren Ton an.

Du kannst also mit ein wenig Geschickt das Vorstellungsgespräch in die richtige Richtung lenken. Somit kannst du dich besser auf das Vorstellungsgespräch vorbereiten. Und wir wissen ja, dass eine gute Vorbereitung die halbe Miete wert ist.

Muster für den Klassiker “Erzählen Sie etwas über sich”

Erstes Beispiel: Kurz und knackig

Ich bin gelernte Industriefachfrau, habe aber schnell gemerkt, dass dieses Gebiet ein wenig zu Einseitig für mich ist, weshalb ich mich entschieden habe nebenbei Wirtschaftspsychologie zu studieren.

Nach meinem Abschluss habe ich dann auch gleich einen Job im strategischen Marketing gefunden. Hier habe ich wirklich meine Berufung gefunden. Im vergangenen Jahr habe ich auch zwei Preise für die Marketing-Strategien erhalten und so eine Bestätigung treibt mich natürlich an, jetzt den nächsten Schritt anzustreben.

Die ausgeschriebene Stelle interessiert mich besonders, da ich hier nicht nur meine fünfjährige Berufserfahrung im Marketing einfließen lassen kann, sondern auch meine bisherigen Kenntnisse aus dem Wholesale-Bereich, welche noch aus meiner Industriefach-Lehre stammen.

Zweites Beispiel: Mit Storytelling sich vorstellen

Im Herzen bin ich ja eigentlich Psychologin. Das bedeute, dass ich Dingen gerne auf den Grund gehe und Menschen verstehen möchte. Im strategischen Marketing kann ich dieser Leidenschaft absolut nachgehen.

Um Menschen wirklich zu erreichen und zu überzeugen, muss man wirklich seine eigene Zielgruppe verstehen. Ich bin deshalb Verfechterin der direkten und einfachen Kommunikation.

Mit meiner Ausbildung als Industriekauffrau und meiner fünfjährigen Erfahrung im strategischen Marketing verstehe ich den B2B Bereich sehr gut. Obwohl es im Wholesale manchmal pragmatischer zugeht, denke ich dass man hier sich mit einer guten Marketingstrategie von der Konkurrenz absetzen kann.

Dies konnte ich bereits in meiner letzten Position unter Beweis stellen und habe im vergangenen Jahr zwei Marketingpreise erhalten.

Marlene Schimanski ist die Gründerin und Chefredakteurin von Auslandskarriere. Sie lebte bereits in fünf verschiedenen Ländern (Portugal, Island, Österreich, Irland und Australien) und ist 2013 nach Australien ausgewandert. Sie hat bei PwC und KPMG im Global Mobility gearbeitet, bevor sie sich als Englisch-Übersetzerin und Karrierecoach selbstständig machte. Sie hat einen Masterabschluss in International Business Administration.