Stewardess und Flugbegleiter: Voraussetzungen, Airlines und Ausbildung

Stewardess, Flugbegleiter, Cabin Crew, Saftschubse: Die Namen für diesen Beruf sind genauso vielseitig wie der Job selbst. Kein Tag ist wie der andere, denn einen Tag kann man in Paris verbringen und den nächsten schon in Dubai. Dazwischen liegen unendlich viele Flugstunden, bei denen man sich nicht ausruhen kann. Stattdessen muss man Passagiere bedienen und zudem auch noch für die Sicherheit sorgen. Dennoch ist der Beruf des Flugbegleiters ein absoluter Traumberuf.

Voraussetzungen um Flugbegleiter zu werden

Die Voraussetzungen um Flugbegleiter zu werden sind bei den meisten Fluglinien sehr ähnlich. Sehr gute Englischkenntnisse muss man selbstverständlich bei jeder Airline unter Beweis stellen können. Interkulturelle Kompetenzen muss man für den Job mitbringen beziehungsweise offen für neue Kulturen sein. Du wirst nicht nur mit Leuten aus anderen Nationen zusammenleben und arbeiten, sondern diese auch bedienen und deren Fragen beantworten.

Gesundheitlich Fit muss man für den Job des Flugbegleiters sein, denn man muss in der Lage sein im Notfall Passagiere und natürlich sich selbst zu retten. Darüber hinaus ist der Beruf körperlich sehr anstrengend und man muss sehr belastbar sein. Die Lufthansa sieht zudem Diabetes Mellitus als ein Ausschlusskriterium für den Job als Flugbegleiter an. Außerdem fordert sie, dass man in der Lage sein muss, um die Voraussetzungen für das Jugendschwimmabzeichen „Bronze“ zu erfüllen. Nach erfolgreichem Bestehen der ersten Bewerbungsrunden, muss man sich bei allen Airlines einem Gesundheits-Check unterziehen. Dies beinhaltet auch mehrere Impfungen wie MMR, Gelbfieber oder auch Hepatitis B.

Auf ein gepflegtes Äußeres wird zudem ebenfalls großen Wert gelegt: Vom Lippenstift, über die Nägel und bis hin zum Parfüm. Vor jedem Flug werden alle Flugbegleiter überprüft, ob diese denn auch dem Image der Airline entsprechen. Hierzu gehört auch, dass man zum Beispiel beschnuppert wird. Wer nicht dem Image entspricht, weil er zum Beispiel unangenehm riecht, unhygienische Nägel hat oder etwa ein sichtbares Tattoo, der wird wieder nach Hause geschickt. Wer zu einem Open Day gehen möchte, der sollte sein Äußeres dem von der Cabin Crew der jeweiligen Airline anpassen. Bei Emirates bedeutet dies zum Beispiel roter Lippenstift, Haare in einem Dutt verpackt, eine schlichte weiße Bluse sowie ein Rock, der über das Knie geht. Im Airline Vergleich weiter unten werden alle Voraussetzungen der einzelnen Airlines nochmals genausten für jede Fluggesellschaft aufgezählt.

Ausbildung zum Flugbegleiter

Die Ausbildungsdauer für Flugbegleiter ist in der Regel nur 8-12 Wochen lang. In dieser Zeit muss man konzentriert alles lernen, was die Fluggesellschaft einem im Training beibringt, denn zum Ende der Ausbildung gibt es eine Abschlussprüfung. Einige Airlines kündigen das Arbeitsverhältnis, wenn man nach dem dritten Versuch die Prüfung nicht besteht, denn diese muss sichergehen, dass alle Flugbegleiter im Notfall bestens wissen, was zu tun ist. Der wichtigste Teil der Ausbildung ist die Sicherheit, denn Flugbegleiter sind an erster Stelle für diese zuständig und nicht nur um Essen auszugeben, wie manch einer fälschlicherweise meint.

Gehalt und Airline

Wer Flugbegleiter werden möchte, der hat die Qual der Wahl. Wer schlau ist, bewirbt sich bei mehreren Fluggesellschaften zugleich. Es empfiehlt sich zuerst für die zweite Wahl zu bewerben, damit man ein Gefühl für den Bewerbungsprozess bekommt und kurz danach für seinen Favoriten, damit noch genügend Zeit verbleibt, um eventuell zwei Zusagen zu bekommen. Wer bei Lufthansa fliegt hat in vielen Fällen nicht allzu lange Strecken. Dies kann entspannter sein, jedoch sieht man dann nicht viel von der Welt. Wer jung und ungebunden ist und sich traut in ein anderes Land zu ziehen, dem wird viel geboten. Dubai, Doha und Abu Dhabi sind exotische Städte in denen sich die Zeit zwischen den Flügen durchaus aushalten lässt. Dubai ist besonders bei jüngeren Menschen sehr beliebt, da hier das Leben tobt und man zu jedmöglichen Parties gehen kann. Doha und Abu Dhabi bieten wie Dubai auch unzählige Möglichkeiten zum Shoppen und Essen gehen, jedoch geht es hier um einiges ruhiger zu.

Vor- und Nachteile des Berufes

Um die Weltreisen und einen multikulturellen Freundeskreis zu haben hört sich zunächst sehr romantisch an, jedoch hat jeder Beruf so seine Schattenseiten. Auf YouTube findet man einige Flugbegleiter, die einen eignen Kanal haben und über ihren Alltag erzählen.

Turnaround vs. Layover

Abhängig von der Fluggesellschaft für die man arbeitet wird man monatliche für eine bestimmte Anzahl an Layover und Turnaround Flüge eingeteilt. Turnaround Flüge sind meistens Kurzstrecken bei denen man zu einem Ziel hinfliegt, dort ganz kurz stoppt und dann wieder zurückfliegt. Dies bedeutet, dass man in eigentlich nichts von dem Land gesehen hat, in welches man geflogen ist. Wer für Emirates als Flugbegleiter oder Stewardess arbeitet, der fliegt im Durchschnitt 35% aller Flüge als Turnaround. Dies sind in der Regel Flüge ins benachbarte Katar, nach Indien oder Pakistan. Interessanter sind dann schon die Layover Flüge. Bei diesen Flügen fliegt hat man einen gesetzlich vorgeschriebenen Aufenthalt von mindestens 24 Stunden, um sich auszuruhen. Natürlich muss man sich nach einem langen Flug ausruhen, allerdings hat man in den 24 Stunden ebenfalls Zeit, um sich die Stadt anzuschauen.

Körperliche Anstrengungen und Ruhephasen

Bei Langstreckenflügen muss man sich mit den anderen Flugbegleitern absprechen, was das Pause machen angeht. Dies bedeutet, dass du dann keine geregelten Pausen hast. Schnell tun einem dann natürlich die Füße weh. Rückenprobleme können auch den ein oder anderen Flugbegleiter plagen, da man während dem Arbeiten sich viel bücken muss. Hinzukommt, dass sich die Uhren für Flugbegleiter anders drehen. Ein Flug kann morgens um 8 Uhr losgehen und man muss dann schon um 5 Uhr aufstehen. Der nächste Flug kann dann schon wieder ein Nachtflug sein. Dies bringt natürlich die innere Uhr durcheinander und Ruhephasen sind daher ein absolutes Muss. Es kann daher auch gut vorkommen, dass man ab und an einfach so fünf Tage am Stück frei hat. In dieser Zeit sollte man wirklich versuchen Energie zu tanken, da man sonst ganz schön schnell unter einem Burnout leiden kann.

Feiertage vs. die schönsten Orte der Welt

Egal ob Wochenende, Silvester, Weihnachten, Ostern oder der Geburtstag der besten Freundin: als Flugbegleiter kann man sich nicht aussuchen, wann man arbeiten möchte. Wer an Weihnachten nach Hause fliegen möchte, der muss dafür natürlich Urlaub nehmen. Da diese Zeit sehr beliebt ist, ist dies nicht für jeden in der Flugbranche möglich. Dafür kann man sich aber eine schöne Zeit in London, Hong Kong, Sydney, Kapstadt oder sonst wo die Airline hinfliegt, machen.

Nette Menschen kennenlernen vs. mit unfreundlichen Passagieren umgehen

Als Flugbegleiter ist man dauern unter Menschen und dies hat natürlich so seine Vor- und Nachteile. Wer für Emirates, Etihad oder Qatar Airlines arbeitet, der lebt zudem mit einem Mitbewohner in einer gestellten Wohnung entweder in Dubai, Abu Dhabi oder Doha. Das tolle an dem Beruf ist, dass man ab Beginn des Trainings mit Gleichgesinnten und Gleichaltrigen zusammenarbeitet. So entstehen ganz von alleine viele Freundschaften und man ist in der Regel nie alleine. Auf der anderen Seite muss man im Job immer einen kühlen Kopf bewahren, denn im Flugzeug kann man unfreundlichen Passagieren nicht so schnell aus dem Weg gehen. Leider benehmen manche Passagiere sich gegenüber Flugbegleitern nicht wirklich gut und werden auch mal lauter, wenn sie mit dem Service nicht zufrieden sind.

Assessment Center, Vorstellungsgespräch & Open Day

Flugbegleiter ist ein echter Traumberuf, doch nicht jeder schafft es das Assessment Center erfolgreich zu bestehen. Bei einigen sind es die Englischkenntnisse, bei anderen die Nerven und wiederum andere bereiten sich schlicht einfach nicht vor.

Wie ist der Ablauf eines Flugbegleiter-Vorstellungsgesprächs bei Emirates, Etihad und Qatar Airways?

Der Bewerbungsprozess für Flugbegleiter dieser drei Fluggesellschaften läuft in der Regel sehr ähnlich ab. Hier sind die einzelnen Schritte:

Schritt 1: Die Online-Bewerbung

Zunächst muss überprüft werden, ob der Bewerber alle Voraussetzungen für den Beruf eines Flugbegleiters erfüllt. Hierzu füllt man ein Online-Formular aus und lädt seinen englischen Lebenslauf, ein Anschreiben sowie Profil- und auch Ganzkörperfotos hoch. Wahlweise muss man sich auch nur online registrieren lassen und bringt die Bewerbungsunterlagen sowie Fotos ausgedruckt zum ersten Tag des Open Day mit.

Zu den Allgemeinen Voraussetzungen gehört:

  • Das Alter: Man muss mindestens 21 Jahre alt sein bei Jobantritt (Bewerben kann man sich meist ein halbes Jahr früher)
  • Einen High School Abschluss haben: Fachabitur, Abitur oder Matura
  • Arm-Reichweite von ca. 212cm (auf Fußspitzen stehend)
  • Mindestgröße von 1,60m

Tipp: Lege großen Wert auf gute Fotos. Nicht nur die Personaler vor Ort am Open Day entscheiden, ob du weiterkommst oder nicht, sondern auch die Entscheidungsträger im jeweiligen Land. Diese beurteilen dich aufgrund der geschriebenen Beurteilung durch das HR-Team am Open Day und deine Fotos. Investiere also ruhig in ein Fotoshooting bei einem Fotografen deiner Wahl. Gefordert werden Profilfotos sowie Fotos von deinem ganzen Körper. Mache dich zurecht, aber wirke natürlich. Hier geht es nicht um Spaß- oder Modelfotos, sondern darum was wie eine Haltung du machst. Männer sollten einen Anzug und Frauen Rock, Bluse und Blazer anziehen. Vergesse zudem nicht zu lächeln!

Schritt 2: Open Day – Erster Tag

Assessment Center: Jetzt geht es ans Eingemachte. Beide Bewerbungstage sind in den meisten Fällen auf das Wochenende gelegt, damit arbeitende Bewerber ebenfalls teilnehmen können. Der Open Day fängt je nach Ort meist ganz früh morgens an (ca. 7 Uhr). Zu spät kommen musst du unbedingt vermeiden, denn wer nicht einmal zum Vorstellungsgespräch pünktlich sein kann, der wird vermutlich auch Flüge verpassen und scheidet ohne sich überhaupt vorstellen zu können, sofort aus. Das wichtigste also: gehe früh ins Bett und versuche dich am Tag zuvor auszuruhen. Der erste Tag ist am anstrengenden und kann locker mehr als 12 Stunden dauern. Die meiste Zeit wirst du mit warten verbringen, sei aber auch hier wachsam, denn man beobachte dich auch in dieser Zeit. Unterhalte dich ruhig mit den Mitstreitern, aber sei bloß nicht zu laut oder stören sogar die anderen Bewerber.

Was sollte man anziehen:

  • 🚹 Herren: Kommt im Anzug, rasiert, mit sauberen Nägeln und benutz etwas Parfüm
  • 🚺 Damen: Eine weiße Bluse, Rock der über das Knie geht und ein Blazer, minimales Make-Up und die Haare zurück, Nagellack in einer neutralen Farbe und etwas Parfüm. Orientiere ich an dem Stil der Flugbegleiterinnen

Wie läuft der erste Tag ab:

  • Anmeldung/Registrierung: Stelle dich bei dem HR-Team der jeweiligen Fluggesellschaft vor. Dort musst du dann deinen CV, gegebenenfalls ein Anschreiben sowie die geforderten Fotos vorlegen
  • Die erste Beurteilung: Ganz kurz wird gefragt, warum du Flugbegleiter werden möchtest und warum du dich ausgerechnet für diese Fluglinie entschieden hast (Bei Qatar Airways wird aufgrund dieser beiden Fragen schon entschieden, ob du zum nächsten Tag eingeladen wirst oder nicht)
  • Armreichweiten-Test und Mindestkörpergröße: Es wird überprüft, ob du tatsächlich eine Reichweite von 212cm hast und ob du mindestens 1,60m groß bist
  • Englisch Test: Alle Nicht-Muttersprachler müssen einen Englisch-Test absolvieren
  • Gruppendiskussion: Man bekommt ein bestimmtes Thema vorgestellt über welches man reden muss. Hierbei geht es nicht darum, wer am meisten weiß, sondern wie du kommunizierst und ob du gut mit Menschen umgehen kannst (Teamwork). Falle niemandem ins Wort oder werde lauter nur um deinen Senf dazuzugeben. Jede Fluglinie möchte Flugbegleiter haben, die gut mit Leuten reden können, sich aber nicht unnötig aufspielen. Lobe zum Beispiel deine Mitstreiter, wenn diese eine gute Idee einbringen konnten und verwende zudem deren Namen. Hierbei ist ebenso wichtig: Erst denken, dann reden
  • Rollenspiele: Sinn des Rollenspiels ist es zu sehen, wie du in bestimmten Flugsituationen reagieren würdest. Entweder übernimmt einer des HR-Teams die Rolle des Passagiers oder ein Bewerber. Der andere übernimmt die Rolle des Flugbegleiters und dieser muss ein Problem lösen. Die folgende Formel kann dir helfen ein Problem mit einem Passagier zu lösen: 1. Zeige Verständnis und entschuldige dich; 2. Mache einen Lösungsvorschlag; 3. Versicher dem Passagier, dass du noch einmal bei ihm nachschauen wirst, um zu sehen, ob das Problem tatsächlich gelöst wurde

Beispiel Gruppendiskussion

  • 🚣🏽 „Du bist einer von 12 Leuten, die auf einem sinkenden Schiff sind. Es gibt nur ein Rettungsboot, welches nur für 8 Leute Platz hat. Entscheide innerhalb von 15 Minuten, wer gerettet werden soll.“

Tipp 1: Der Open Day findet nur in bestimmten Städten statt. Wer also nicht im Radius von einer Stunde wohnt, der sollte sich für die Nacht davor ein Hotelzimmer in der Nähe buchen.

Tipp 2: Während der Wartezeit kannst du nicht einfach so Mal nach draußen und sich etwas zum Essen kaufen. Die Gefahr, dass du deinen Einsatz verpassen ist viel zu groß. Nehme dir deshalb eine große Flasche Wasser und etwas zu Essen mit.

Schritt 3: Face-to-Face Interview – Zweiter Tag

Bei Qatar Airways musst du erst am zweiten Tag den Englisch-Test, die Gruppendiskussion und das Rollenspiel machen. Bei Emirates und Etihad Airlines gehört der zweite Tag dem Face-to-Face Interview. Wer es bis hierhin geschafft hat, bekommt eine Uhrzeit für sein Vorstellungsgespräch am Tag davor zugeteilt. Jetzt wirst du nicht mehr aus nächster Nähe beobachtet, sondern musst handfeste Fragen beantworten. Das Vorstellungsgespräch mit dem HR-Team dauert meist nicht länger wie eine halbe Stunde, kann aber wie eine halbe Ewigkeit dauern, wenn man zu nervös ist. Bleibe deshalb ruhig, denn du hast es schon so weit geschafft. Vorbereitung ist alles.

Tipp: Bleibe in Kontakt mit den Mitbewerbern. Es kann gut sein, dass du später mit diesen arbeiten oder zumindest das Training absolvieren wirst. Mit einer WhatsApp oder Facebook Gruppe kannst du zudem erfahren, wer bereits weiß, ob er es geschafft hat Flugbegleiter zu werden oder nicht. Das schafft Gewissheit.

Schritt 4: Abwarten

Wenn du es bis hierhin geschafft hast, dann kannst du dich schon einmal auf die Schulter klopfen: Gut gemacht! Da die Beurteilungen und deine Bewerbungsunterlagen zu dem Headquarter der jeweiligen Airline übergeben werden, kann es etwas dauern bis du Bescheid bekommst, ob du den Job hast oder nicht. Bedenke, dass man im Headquarter nicht nur die Bewerbung deines Standortes, sondern alle Bewerbungen für Flugbegleiter der Fluggesellschaft weltweit überprüft – übe dich also in Geduld.

Photo Credits: The Emirates Group, Qatar Airways

Marlene Schimanski ist die Gründerin und Chefredakteurin von Auslandskarriere. Sie lebte bereits in fünf verschiedenen Ländern (Portugal, Island, Österreich, Irland und Australien) und ist 2013 nach Australien ausgewandert. Sie hat bei PwC und KPMG im Global Mobility gearbeitet, bevor sie sich als Englisch-Übersetzerin und Karrierecoach selbstständig machte. Sie hat einen Masterabschluss in International Business Administration.