Auswandern: Leben und Arbeiten in Schweden

Gastbeitrag:

Wer davon träumt, sein Leben in Skandinavien zu bestreiten und kein Problem mit der dunklen Jahreszeit hat, ist im bezaubernden Schweden gerade richtig. Es ist nicht so schwer dort Fuß zu fassen, und vor kurzem wurde auch der bürokratische Aufwand noch einmal deutlich reduziert. Dennoch sollte man sich alles vorher gut überlegen und sich mit der Sozialversicherung, der Job- und Wohnungssuche und natürlich der Sprache beschäftigen. Übrigens: Schweden gehört zwar zur EU, hat aber als Währung immer noch die Schwedische Krone.

Unternehmen und Jobs für Deutsche

Das A und O im neuen Land ist natürlich der Job. Der Arbeitsmarkt in Schweden ist recht stark, die Arbeitslosenquote lag 2015 mit 7,1% unter dem europäischen, aber etwas über dem deutschen Durchschnitt. Deutsche gelten als zuverlässige, gute Kräfte und werden gern genommen. Die Hürden sind also vergleichsweise niedrig. Obwohl das Land mit unter 10 Millionen Einwohnern nur dünn besiedelt ist, wartet es mit weltweit führenden, global aufgestellten Unternehmen quer durch alle Branchen auf: Informationstechnologie, Biotechnik, erneuerbare Energien, Holz-, Zellstoff- und Papierindustrie, verarbeitende Industrie wie Fahrzeugbau, Elektrotechnik, Bauwirtschaft, Pharmaindustrie. Zu den größten Arbeitgebern gehören Volvo in Göteborg, der Telekommunikationsriese Ericsson, das Haushaltswarenunternehmen Electrolux und die CA Svenska Cellulosa in Stockholm, Skanska in Solna, sowie die zur Volkswagen AG gehörende Scania in Södertälje, die Nutzfahrzeuge, Busse aber auch Schiffs- und Industriemotoren herstellt. Weithin bekannt sind natürlich Ikea, H&M, AstraZeneca und Wasa.

Arbeitsmöglichkeiten gibt es aber nicht nur in diesen Branchen. Gesucht wird unter anderem auch im Gesundheitswesen, in der Forschung, im Handwerk und im Bildungssektor, vor allem auf dem Gebiet der Sonderpädagogik.

Arbeitserlaubnis für Schweden

Als EU-Bürger muss man keine Arbeitserlaubnis beantragen: Man hat sie automatisch und darf gleich nach der Ankunft im Land eine Beschäftigung aufnehmen. Voraussetzung: ein gültiger Reisepass oder Personalausweis. Allerdings müssen sich Familienmitglieder, die nicht aus einem EU-Land kommen, beim Migrationsverket, der schwedischen Einwanderungsbehörde, anmelden, um das Aufenthaltsrecht zu erhalten.
Wichtig: Auch wenn man keine Arbeitserlaubnis braucht, sollte man sich bei der Finanzbehörde Skatteverket melden, die zugleich als Einwohnermeldeamt fungiert, und dort eine eigene Personennummer beantragen. Diese Nummer setzt sich aus dem Geburtsdatum und vier weiteren Ziffern zusammen und wird für so gut wie alles gebraucht, vom Zugang zur schwedischen Sozialversicherung bis hin zum Festnetzanschluss.

Bildung

Bildung und Ausbildung haben in Schweden, wie in vielen anderen skandinavischen Ländern auch, einen hohen Stellenwert. Bereits mit dem Besuch der förskola, der Vorschule, erhalten Schweden und Schwedinnen einen hervorragenden Start ins Leben. Mit sechs Jahren beginnt die anschließende Schulzeit, die neun Jahre dauert. Ein Großteil der Kinder besucht dann das Gymnasium, bei dem die Hochschulreife erlangt wird. Denn nun stehen den Abiturienten die gut ausgestatteten Universitäten und Hochschulen Schwedens offen. Die 1477 gegründete Universität von Uppsala ist übrigens die älteste Universität Skandinaviens. Aber selbst wer nicht alle Voraussetzungen erfüllt, kann in der Universität einen einjährigen Vorbereitungskurs belegen und die Qualifikation für das Studium nachholen. Auch Inklusion ist in Schweden sehr wichtig. Daher sind bereits während der Schulzeit Kinder mit Behinderungen Teil der Klassengemeinschaft, damit sie später im Studium umso weniger Schwierigkeiten haben werden.

Das Studium ist durch Kurse gekennzeichnet, die meist nacheinander während des Semesters besucht werden und nicht, wie in Deutschland üblich, parallel zu einander. Dadurch können sich die Studenten besser auf das Thema des Kurses konzentrieren und den Kurs abschließen, bevor der nächste beginnt. Die Hochschulausbildung endet in der Regel mit einem von sechs unterschiedlichen Examen. Das Diplom erlangt, wer zwei Jahre studiert hat. Nach drei Jahren erhält man den Bachelor, nach vier den Magister und nach fünf den Master. Nach einer Forscherausbildung erreicht man das Lizentiat und das Doktorat nach vier Jahren Forscherausbildung und dem Schreiben einer Dissertation. Die meisten Universitäten bieten englische Kurse an, an denen auch internationale Studenten teilnehmen können. Als EU-Bürger ist das Studium für Deutsche, ebenso wie für Schweden selbst, kostenlos. Wer ein Bachelor- oder Masterstudium in Schweden absolvieren will, muss ausreichende Englischkenntnisse nachweisen. Anerkannt werden TOEFL, IELTS oder auch das Cambridge Certificate. Das Niveau der benötigten Englischkenntnisse legt die Universität fest, ebenso zusätzliche Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen. Wer Kurse in der schwedischen Sprache belegen will, muss einen Test ablegen, um Schwedischkenntnisse nachzuweisen (TISUS).

Sprache und Handelsbeziehungen

Schwedisch ist seit 2009 Amtssprache des Königreiches Schweden und wer dort leben und arbeiten will, sollte zumindest Grundkenntnisse in dieser Sprache mitbringen. Zwar kann man anfangs einiges über das Deutsche oder das Englische regeln, aber wenn man vom Chef und den Kollegen anerkannt werden möchte, ist Schwedisch ein Muss. Anerkannte Minderheitensprachen sind zudem das an der schwedisch-finnischen Grenze gesprochene Tornedalfinnisch oder Meänkieli, Samisch, Jiddisch, Romani sowie die schwedische Gebärdensprache Svenskt teckenspråk.

Dennoch ist auch Deutsch in Schweden sehr gefragt, oft ist es sogar der entscheidende Pluspunkt für eine Einstellung. Das liegt an den traditionell ausgezeichneten Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Schweden. Viele schwedische Firmen sind export-orientiert und haben deutsche Kooperationspartner. Dazu kommen zahlreiche Tochterfirmen, Beteiligungen und Filialen deutscher Unternehmen in Schweden, die vor allem in Stockholm, Göteborg und Malmö/Helsingborg angesiedelt sind.

Akademiker und Facharbeiter, aber auch erfahrene Arbeiter ohne Abschluss haben auf dem schwedischen Arbeitsmarkt gute Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten. Bei Bewerbungen ist es wichtig, die eigenen Qualifikationen mit der in Schweden üblichen Berufsbezeichnung anzugeben und das Abschlusszeugnis zusätzlich zu erläutern. Hilfreich für Akademiker ist der Internationale Hochschulvergleich der EU, das European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS), bei dem Abschlüsse in Punkte (Credits) umgerechnet werden.

Wohnen und Gesellschaft

Anders als in Deutschland mit seinem Trend zum ländlichen Eigenheim ziehen in Schweden immer mehr Menschen vom Land in die drei großen Städte. Entsprechend schwieriger ist es folglich, dort eine Wohnung zu finden, zumal traditionell nur relativ wenige Mietwohnungen gebaut werden. Zuständig dafür sind zumeist die kommunalen Wohnungsbaugesellschaften, die eine Warteliste führen. Es kann also lange dauern, in Stockholm, Göteborg oder Malmö eine Mietwohnung zu finden. Etwas Positives gibt es aber doch: die schwedische Gesellschaft legt Wert auf Gleichheit, auch auf dem Wohnungsmarkt. Für gleiche Standards gelten überall gleiche Mieten, die Wohnlage spielt keine Rolle.

Eine Alternative bietet die Zweitehandvermittlung. Man wohnt dann auf Zeit zur Untermiete. Weitere Möglichkeiten, zu einer Unterkunft zu kommen, bieten Wohnvereine, in die man sich einkaufen kann, um das bostadsrätt, ein dauerhaftes Wohnrecht an einer Wohnung zu erlangen. Ein echtes Eigentum wird jedoch nur durch den Kauf einer Immobilie begründet.

Deutsche in Schweden

Dank des ungebremsten Trends nach Schweden auszuwandern, hat sich dort seit längerem eine deutsche Community etabliert. Wer seine Wurzeln nicht völlig kappen will, hat es leicht, den Kontakt zu anderen Deutschen zu pflegen. Einige haben auch Vereine gegründet, die beim Einleben in Schweden hilfreich sein können.

Gastbeitrag von Workwide.de:

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