Viele kennen den Begriff passive Jobsuche überhaupt nicht, denn die Jobsuche muss doch nach bestimmten Vorgaben erfolgen, oder? Schon im Kindesalter werden wir regelmäßig nach unseren späteren Berufswünschen gefragt, die man ausüben möchte, sobald man das Erwachsenenalter erreicht hat. Die beliebtesten Berufe bei Kindern sind oftmals Pilot, Feuerwehrmann oder Polizist. Viele Jahre später arbeiten dann nur die wenigsten in ihrem damals anvisierten Traumberuf.

Dennoch hat man bereits in jungen Jahren eine grobe Wunschvorstellung von der späteren Berufswahl. Diese Wunschvorstellung ist es, die uns fast unser ganzes Berufsleben lang begleitet. Jeder wünscht sich einen Job, der einen erfüllt und herausfordert. Zudem soll dieser auch noch angemessen vergütet werden und gute Leistung entsprechend anerkennen lassen.

In der Realität sind allerdings die wenigsten von uns 100 prozentig mit unserer Anstellung zufrieden und der geheime Wunsch nach einem besseren Job schlummert in uns. Die Mehrheit aller Mitarbeiter möchte sich im Laufe der Karriere beruflich stetig verbessern und an den Aufgaben wachsen. Dabei ertappen wir uns, dass wir uns trotz einer rein objektiv gesehen zufriedenstellenden Anstellung hin und wieder einen Blick in die Stellenanzeigen riskieren, um zu sehen, ob nicht doch eine berufliche Verbesserung oder Neuorientierung in greifbarer Nähe ist. Bei einer aktiven Jobsuche würde man sich dann gegebenenfalls auf eine der ausgeschriebenen Stellen bewerben und auf Antwort des Unternehmens hoffen.

Die passive Jobsuche: Modernes Modell der Jobsuche

Heute ist aktive Jobsuche zwar nach wie vor die am häufigsten genutzte Wahl für Bewerber, die ihre Jobsuche selbst in die Hand nehmen möchten. Doch in den vergangenen Jahren hat sich dank der weltweiten Vernetzung mit Hilfe des Internets der Trend zur passiven Jobsuche ergeben. Dabei befindet sich der Arbeitnehmer in einem Angestelltenverhältnis, er ist neuen Karrierechancen gegenüber jedoch aufgeschlossen. Allerdings bewirbt er sich nicht aktiv auf ausgeschriebene Stellen, sondern wartet darauf vom potenziellen neuen Arbeitgebern kontaktiert zu werden. Selbst wenn du zur Zeit nicht mit den Gedanken spielst deine Kündigung bei deinem Arbeitgeber einzureichen, so ist es dennoch hilfreich stets darauf vorbereitet zu sein, den nächsten Schritt zu gehen, falls unternehmensbedingte Änderungen dies erfordern würden.

10 Tipps für die passive Jobsuche

1Xing & LinkedIn

Soziale Netzwerke wie Xing und LinkedIn sind webbasiert und dienen der Pflege bereits bestehender Geschäftskontakte sowie der Knüpfung neuer geschäftlicher Kontakte. Während Xing eher im deutschsprachigen Raum verbreitet ist, agiert LinkedIn international. Bei der passiven Jobsuche solltest du darauf achten, dass das eigene Profil stets aktuell und detailtreu  gehalten wird. So kann sich der potenzielle neue Arbeitgeber ein genaues Bild von dir verschaffen und dir eine passende vakante Stelle in seiner Organisation anbieten. Das Profil sollte sehr aussagekräftig und deine Ausbildung, Berufserfahrung, Fähigkeiten und Zertifikate in den Vordergrund stellen. Nachdem du dein Profil auf den neuesten Stand gebracht haben, ist es wichtig sich mit den Leuten zu vernetzen, die du kennst und die dir in deiner Branche von Nutzen sein könnten.

2Gruppen

Es ist immer hilfreich Gruppen von Berufsverbänden oder Gruppen zu bestimmten beruflichen Themen beizutreten. Zum einen hältst du dich dadurch selbst auf dem neusten Stand über Trends in deiner Branche und zum anderen ist dies eine weitere Möglichkeit interessante Kontakte herzustellen. Außerdem solltest du relevanten Gruppen auf den sozialen Netzwerken beitreten, da diese gute Quellen für Netzwerkkontakte darstellen können.

3Networking-Events

Für jede Branche werden diverse Events in Form von Kongressen, Konferenzen und Messen veranstaltet. Auf diesen Networking-Events kannst du dich selbst präsentieren und hilfreiche Kontakte in deiner Branche knüpfen, die vielleicht nicht unbedingt zur Zeit, aber eventuell zu einen späteren Zeitpunkt nützlich sein könnten. Netzwerke wie Xing und LinkedIn bieten viele Informationen über anstehende Events, die zu deinem Profil passen.

4Verfassen von Fachliteratur oder Artikeln

Durch das Verfassen von Fachliteratur oder von Artikeln in Print- oder Onlinemedien können Unternehmen auf dich aufmerksam werden und erhalten direkt einen guten Einblick in deine Fähigkeiten. Speziell auf branchenspezifischen Blogs, für die man einen Gastartikel verfasst, kann sich deinen Beitrag rasant schnell verbreiten und dadurch auch eventuell das Interesse eines Unternehmens an deinem Berufsprofil wecken. Durch regelmäßige Artikel auf dem eigenen Blog oder externen Seiten kann man sich innerhalb kürzester Zeit eine Fangemeinde aufbauen. Mit steigender Bekanntheit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, von einem neuen potenziellen Arbeitgeber gefunden zu werden.

5Persönlicher Webauftritt

Ein eigener Webauftritt in Form einer Webseite oder eines Blogs ist eine im Vergleich eher aufwändigere Methode, um sich zu präsentieren. Dafür ist dies aber auch eine sehr wirksame Methode, speziell für Berufssparten die Kreativität erfordern. Der passive Bewerber kann sich hier persönlich darstellen und das eigene Profil in das gewünschte Licht rücken. Die einzige Schwierigkeit besteht darin, den Webauftritt bei den Unternehmen oder Personalvermittlern bekannt zu machen. Auf jeden Fall solltest du deinen Webauftritt auf all deinen sozialen Netzwerkprofilen verlinken und auch in deinem Lebenslauf vermerken.

6Jobbörsen

Bei der passiven Jobsuche kannst du auch Jobbörsen für dich suchen lassen. Die meisten Jobbörsen bieten an, dass man ein Suchprofil nach bestimmten Suchbegriffen anlegt. Bei einem passenden Treffer wirst du dann umgehend per E-Mail benachrichtigt. Dies geschieht sobald eine vakante Stelle, die zu deinem Bewerberprofil passt, ausgeschrieben wurde.

7Soziale Netzwerke

Die Zeiten, in denen soziale Netzwerke rein für private Zwecke genutzt worden sind, sind längst vorbei. Facebook, Twitter und LinkedIn sind hilfreiche Tools zur Erweiterung des eigenen Netzwerkes für berufliche Zwecke. Je stärker dabei deine soziale Präsenz in diesen Netzwerken ist, desto höher die Chance, dass passendes Unternehmen durch soziale Rekrutierung auf dich aufmerksam werden.

8Aktueller Lebenslauf in Webformularen von Unternehmen

Über ein Webformular können die Daten deines Lebenslaufes in ein Suchprofil eingetragen werden. Dies hat den Vorteil, dass alle Lebensläufe ohne jegliche grafische Gestaltung beim mitarbeitersuchenden Unternehmen eingehen. Wenn du deinen Lebenslauf für ein Suchprofil im Internet nutzt, so achtest du immer darauf, dass dieser auch aktuell ist. So vermeidest du, dass Personalvermittler auf Lebensläufe zugreifen, die nicht mehr dem neuesten Stand entsprechen.

9Gemeinnützige Arbeiten

Unternehmen können auch auf dich aufmerksam werden, indem sie einen sozialen Beitrag leisten. Je nach Branche solltest du dich nach den verfügbaren Möglichkeiten erkundigen. Damit tust du dir nicht nur selbst etwas Gutes, sondern du leistest einen wertvollen Beitrag zur sozialen Gesellschaft.

10Interne Stellenvergabe

Auch im eigenen Unternehmen kannst sich eine interessante Stellen für dich ergeben. Lasse dies deinen Vorgesetzten oder die Personalabteilung wissen, dass du an einem beruflichen Vorankommen interessiert sind. Auch für dein Unternehmen hat es den Vorteil in den eigenen Reihen zu rekrutieren. Dadurch verkürzt sich die die Einarbeitungszeit erheblich, da dir die Unternehmensstruktur bereits bekannt ist. Außerdem bringt diese Art der Stellenvergabe die Wertschätzung der geleisteten Arbeit am besten zum Ausdruck.


Es ist unumstritten, dass Bewerber die passive Jobsuche bevorzugen und möchten. Es ist natürlich entspannter, wenn ein interessiertes Unternehmen dich kontaktiert, als sich selbst direkt auf eine ausgeschriebene Stelle aktiv zu bewerben. Zum einen streichelt es etwas das eigene Ego und zum anderen bietet es dem passiven Bewerber auch einen ganz anderen Verhandlungsspielraum. Hast du also die Hoffnung auf eine neue berufliche Herausforderung, obwohl du dich zurzeit in einer festen Anstellung befindest? Die passive Jobsuche sollte auf jeden Fall nicht außer Acht gelassen werden.

Melanie Holland-Nell hat BWL mit Fachrichtung Tourismus studiert und arbeitete nach ihrem Studium für knapp 10 Jahre in namenhaften Luxushotels am Roten Meer in Ägypten. Seit 2016 schreibt sie für Auslandskarriere.