Rückwanderung: Warum jeder Auswanderer eine Exit-Strategie benötigt

Wer plant auszuwandern, braucht eine Exit-Strategie für den Fall, dass es nicht wie geplant laufen sollte oder man es sich schlicht und einfach anders vorgestellt hat. Eine gute Exit-Strategie kann Ihnen Rückenwind geben und lässt Sie sich voll und ganz auf Ihre Auswanderung konzentrieren, ohne sich ständig zu fragen: „Was mache ich, wenn ich scheitere?“ Diesen nagenden Hintergedanken können Sie verbannen, sobald Ihre Exit-Strategie steht. Viele Auswanderer scheitern, weil sie zu viel Angst davor haben, dass etwas nicht wie geplant laufen könnte.

Die Rückwanderung wird bei der Planung der Auswanderung als Worst-Case-Szenario bezeichnet und die Exit-Strategie ist der sogenannte Notfallplan, der eintritt, um dieses Worst-Case-Szenario anzupacken.

Eine schwere Entscheidung: Die Rückwanderung

Die Gründe für eine Rückwanderung können vielseitig sein. Jedoch hängen die meisten Gründe damit zusammen, dass die Auswanderung nicht richtig geplant wurde und dass man sich nicht genügend über das Auswanderungsland informiert hat. Hier sind die häufigsten Gründe im Überblick:

  • Finanzielle Gründe: Das Geld wird knapp und es kommt auch kein neues mehr rein. Wer die Kosten einer Auswanderung unterschätzt oder Schwierigkeiten hat, im Auswanderungsland einen Job zu finden, der kommt schnell in Geldnot.
  • Wirtschaftliche Gründe: Auch wer die richtigen Voraussetzungen mitbringt, kann Probleme haben, einen geeigneten Job zu finden, wenn der Arbeitsmarkt im Auswanderungsland schlecht aussieht.
  • Emotionale Gründe: Das Auswanderungsland war auf Urlaubsreisen immer rosarot. Die Realität sieht oftmals jedoch anders aus und plötzlich gefällt es einem im neuen Land nicht mehr. Eine Trennung vom Partner kann ebenfalls ein emotionaler Grund für eine Rückwanderung sein.
  • Sprachbarrieren: Selbst mit gutem Englisch kann man Probleme haben, sich im Ausland zu verständigen. Wer dauerhaft in einem Land leben möchte, muss die Sprache können.
  • Krankheitsfall: Nicht jedes Land hat so ein gutes Gesundheitssystem wie Deutschland, das einen im Krankheitsfall auffängt. Einige Auswanderer treten die Rückkehr an, da sie sich die Kosten für eine Behandlung nicht leisten können oder an der deren Qualität zweifeln.

Warum eine Rückwanderung nicht bedeutet, gescheitert zu sein

Viele Rückwanderer haben das Gefühl, gescheitert zu sein, wenn sie zurück in die alte Heimat ziehen. Deutsche TV-Shows zeigen gerne, wie andere Deutsche, selbst mit schlechten Sprachkenntnissen, es schaffen, sich im Ausland eine Existenz aufzubauen. So eine Darstellung in den Medien verzehrt die Vorstellung von Auswanderungen. Wer zurück nach Hause möchte, dem fällt es schwer sich und seinen Bekannten einzugestehen, dass es „nicht geklappt hat“. Eine Rückwanderung bedeutet nicht, dass Sie gescheitert sind. Niemand wird Sie verurteilen, wenn Sie wieder in Ihre alte Heimat ziehen möchten. Ihre Verwandten und Freunde werden sich wahrscheinlich eher freuen, wenn Sie wieder zurückkehren. Sich selbst ein schlechtes Gewissen einzureden bringt Sie also nicht voran.

Die Exit-Strategie: So bereiten Sie die eventuelle Rückwanderung schon vor der Auswanderung vor:

Finanzieller Notgroschen

Reizen Sie Ihre Ersparnisse nicht zu sehr aus. Geld für ein Rückflugticket und um die ersten Wochen nach der Rückwanderung über die Runden zu kommen, sollten Sie zur Verfügung haben. Die deutsche Botschaft finanziert keine Rückflugtickets für Auswanderer. Ansprüche auf Sozialleistungen haben Sie nur, wenn Sie in Deutschland gemeldet sind.

Unterkunft für die ersten Wochen

Klären Sie mit einem Familienmitglied oder einem Bekannten ab, ob Sie im Falle einer Rückwanderung für die ersten Wochen bei ihm/ihr unterkommen könnten. Ohne eine feste Adresse in Deutschland werden Sie es schwer haben, sich bei den deutschen Behörden anzumelden. Zudem ist die Unterbringung für die ersten Wochen im Hotel mehr als teuer und als Rückwanderer braucht man für den Neuanfang jeden Cent.

Behördengänge

Wer in Deutschland angekommen ist, muss zuerst zum Einwohnermeldeamt, denn ohne festen Wohnsitz können Sie keine anderen Behördengänge absolvieren. Anspruch auf Arbeitslosengeld hat man, wenn man in den letzten 24 Monaten mindestens 12 Monate sozialversichert beschäftigt war. Dies kann in einem EU-Land oder in einem Land gewesen sein, mit dem Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen geschlossen hat. Wer seinen Job in Deutschland gekündigt hat, erhält eine Sperrzeit von drei Monaten, welche ab dem Tag der Abmeldung zählen. Jeder, der vorhat auszuwandern, sollte einen Termin bei seiner örtlichen Agentur für Arbeit machen, um sich zu seiner persönlichen Situation beraten zu lassen.

Zurück zum Alten oder kompletter Neuanfang?

Die einfachste Lösung für Rückwanderer ist es, beim alten Arbeitgeber nach einem Job zu fragen. Auch wenn Ihre alte Position vergeben ist, kann es dennoch sein, dass Ihre Qualifikationen und Ihr Firmenwissen in einer anderen Abteilung gefragt sind. Immerhin kennt man Sie und weiß, wie Sie arbeiten. Diese ist allerdings nicht für jeden eine Option. Viele, die sich durch die Auswanderungszeit persönlich verändert haben, möchten nicht zurück in den alten Trott. Ganz egal, ob Sie zurück zum Alten oder wieder einen beruflichen Neuanfang wagen möchten, Ihre Erfahrung im Ausland sollten Sie auf keinen Fall unter den Teppich kehren. Selbst wer glaubt, im Ausland gescheitert zu sein, hat viel durch diese Erfahrung gelernt. Sie müssen nur wissen, wie Sie Ihre Auswanderungszeit geschickt verkaufen können.

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