Selbstständig machen: Ein Wegweiser für angehende Freelancer

Die Wienerin Monika Kanokova ist selbst viel herum gekommen. Sie hat an einem Kunstkolleg in England studiert, bevor sie in Österreich ein Innenarchitekturstudium absolvierte, gefolgt von einem Master in Fashion Communication Design an der Open University. Danach ging’s nach Salzburg zu einer Agentur. Wie’s nun kommen musste, war die Kleinstadt einfach zu klein und Monika brach nach Berlin auf, um bei einem Berliner Startup als Community Managerin zu arbeiten.

In 2014 entschied sie sich, Dinge selbst in die Hand zu nehmen und sich selbstständig zu machen. Doch da kamen viele Fragen auf. Da sie wusste, dass sie nicht alleine mit diesen Fragen ist, beschloss sie selbstständige Frauen zu interviewen und das Ganze in einem Buch zu veröffentlichen. Ihre beiden Bücher This Year Will Be Different und My Creative (Side) Business wurden beide erfolgreich mit Hilfe von Kickstarter finanziert und nehmen uns auf die Reise in die Selbstständigkeit mit.

An welchem Punkt in deinem Leben wusstest du, dass du dich selbstständig machen willst?

Bei dem Startup in Berlin ging es oft drunter und drüber und danach hatte ich eigentlich keine Lust jemandem anderen mit meinen Finanzen zu vertrauen und habe mich äußerst kurzentschlossen selbständig gemacht. Doch Selbständigkeit ist nicht so einfach und daher habe ich This Year Will Be Different geschrieben um vor allem mir selbst zu helfen; und veröffentlicht, damit jeder, der wissen möchte, was zu tun ist, von meiner Recherche profitieren kann.

Wenn man sich als Kreativer selbständig macht, stehen einem erstmals alle Türen offen und deshalb habe ich mit Frauen aus allen Bereichen der Kreativindustrien gesprochen. Die Vielfalt der Möglichkeiten und auch alle Vor- und Nachteile bestimmter Jobs werden in This Year Will Be Different aufgearbeitet.  

Heute, mehr als eineinhalb Jahre später weiß ich, dass jeder Schritt, den man macht, zum nächsten Abenteuer führt und so kam es auch, dass ich nach meiner ersten erfolgreichen Kickstarter Kampagne Kickstarter als Kunden gewinnen konnte. Anfangs habe ich den Launch in Deutschland mitbetreut und arbeite auch heute noch eng mit lokalen Projektgründern am Community Aufbau und representiere Kickstarter bei Events in Deutschland, Österreich und den Niederlanden.

In deinem Buch „My Creative (Side) Business“ geht es darum sein kreatives Hobby zum Beruf zu machen. Wie vereinbart man am besten die Übergangszeit zwischen einem normalen Beruf und dem Sprung in die (kreative) Selbstständigkeit bzw. das eigene Business?

Ich glaube, dass Hobbies meist Aktivitäten sind, die man auch macht, wenn man kein Geld dafür bekommt. My Creative (Side) Business ist nur ein Denkanstoß, wie man mit dem, was man gerne macht, auch Geld verdienen könnte und das über die Jahre aufbaut, sollte man sich entscheiden, es Vollzeit machen zu wollen.

Allerdings ist das Buch aus einer anderen Motivation entstanden. Ich habe mich gefragt, wie man es als Selbständiger schafft etwas mehr Sicherheit zu haben. Bei My Creative (Side) Business wollte ich wissen, wie man kontinuierliches und vor allem skalierbares Einkommen aufbaut. Erst im Laufe des Schreibens bin ich draufgekommen, dass das, was die vielen Interviews gemeinsam haben, ist die Tatsache, dass viele der befragten Frauen ihr Hobby umwandeln konnten.

Networking ist besonders wichtig in der Selbstständigkeit. Wie hast du dein Netzwerk erweitert als du angefangen hast?

Ich hatte das Glück, dass das was man als Community Manager/Strategist macht, ist vor allem das eigene Netzwek aufzubauen. Daher würde ich die Frage gerne anders beantworten und sagen, worauf es ankommt:

Ich denke, es geht vor allem darum, dass man sich für Themen interessiert und dann nach anderen sucht, die sich für die gleichen Themen interessieren. Das funktioniert bei mir vor allem auf Instagram sehr gut, aber ich habe auch einige richtig tolle und nette Leute über Twitter kennengelernt.  

Viele Expat-Partner haben in dem Expat-Land, in dem sie leben nicht immer eine Arbeitserlaubnis oder finden keinen passenden Job. Was würdest du jemandem in dieser Situation raten – was sind drei Dinge, die du machen würdest, um zum Beispiel eine digitale Freelancer-Karriere zu starten?

Wenn man digital und ortsunabhängig arbeitet, kann man entweder in ein Land gehen, wo man weniger Geld braucht und anderen zuarbeitet, oder man kann über Jahre seine Reputation aufbauen und zeigen, was man richtig gut macht. Ich persönlich würde empfehlen einen Blog zu starten: nicht, damit man Leser gewinnt, sondern damit man einen digitalen Platz schafft, wo man über die Themen, die einen bewegen, berichtet und so Vertrauenswürdigkeit aufbaut.

Warum hast du dich dazu entschieden, deine Bücher und deinen Blog auf Englisch zu schreiben?

Da alle Interviews auf Englisch geführt wurden, habe ich mir die Übersetzung der ganzen Texte schlicht und einfach durch das Publizieren auf Englisch erspart. Ich habe natürlich mit einer Lektorin zusammengearbeitet, die auf die richtige Grammatik geachtet hat.

Was würdest du einem Freelancer raten, der momentan eine schlechte Auftragslage hat?

Es hängt davon ab, wie kritisch es ist. Ich würde My Creative (Side) Business lesen, damit man aufhört, über sich als Freelancer zu denken und statt dessen sich selbst als “Creative Entrepreneur” tituliert. Das ist deutlich nachhaltiger. Als kreativer Unternehmer baut man ein System auf, als Freelancer läuft man Aufträgen nach. In meinen Augen ist das der grundlegende Unterschied.

Was ist das Beste an der Selbstständigkeit?

Man muss niemanden um Erlaubnis bitten. Mich hat immer das fehlende Vertrauen und die Angst vor Eifersucht zwischen Kollegen gestört. Wenn die Mission des Unternehmens und des Angestellten übereinstimmen, arbeitet doch jeder gerne und viel. Doch so sehen es die wenigsten Unternehmer. Nichtsdestotrotz muss jeder für sich abwägen, was einem wichtig ist, und danach auch den richtigen Weg entscheiden. Für manche ist es die Selbständigkeit, für andere eine Mischform und für viele dann doch eine Anstellung. In meinen Augen ist es gleichwertig, solange es das Richtige für die jenige Person ist.