Selbstständigkeit und Einsamkeit: Tipps für einsame Freiberufler, die im Home-Office alleine sind

Für viele ist das Arbeiten von Zuhause eine traumhafte Vorstellung. Den Job ausüben wann und wo man möchte, ohne festgesetzte Anfangs- oder Pausenzeiten, das klingt paradiesisch. Es hätte ein Ende, sich im täglichen Berufsverkehr zu ärgern und wertvolle Zeit zu verplempern. Und wie viel produktiver man doch wäre ohne den täglichen Smalltalk mit den Kollegen oder den lästigen Zwang, sich morgens tipptopp herrichten zu müssen. Während dies ohne Frage die positiven Faktoren eines Jobs im Home-Office sind, gibt es auch Kehrseiten. Kurz mal die Waschmaschine anstellen, sich ein Brot schmieren oder die Katze streicheln sind Ablenkungen, die letztendlich dazu führen, dass man wiederholt aus dem Trott kommt und weniger schafft. Niemand setzt ein zeitliches Limit, so dass einige Zuhause-Freiberufler manchmal noch spät abends an ihren Projekten sitzen, weil sie tagsüber ihre Zeit nicht gut eingeteilt haben. Eines der größten Probleme, die Arbeiten von Zuhause jedoch mit sich bringt, ist Einsamkeit.

Wenn das Home-Office zu sozialer Isolierung führt

Die zunächst so herrliche Freiheit hat seinen Preis: Es fällt einem schnell die Decke auf den Kopf, wenn man den ganzen Tag alleine am Schreibtisch sitzt und vor sich hin arbeitet. Wer nicht aufpasst, stellt als von Zuhause arbeitender Freiberufler womöglich plötzlich fest, dass er seit 3 Tagen mit niemandem mehr gesprochen hat. Nicht wenige Freelancer merken, dass ihnen der persönliche Austausch fehlt und sich die Gedanken im eigenen Sud festfahren. Man ist auf sich selbst zurückgeworfen, und dies ist der Produktivität nicht unbedingt nützlich. Während die einen sehr gut mit dem Alleinarbeiten zurecht kommen, belastet dies andere und sie fühlen sich isoliert. Wird dies so empfunden, kann die Einsamkeit ernste Konsequenzen haben; Süchte oder Depressionen zum Beispiel. Wer sich einsam fühlt, scheint der Meinung einiger Wissenschaftler zufolge sogar häufiger krank zu werden und öfter von einem Herzinfarkt oder Schlaganfall betroffen zu sein. Gründe mehr, dem Aufkommen von Einsamkeitsgefühlen im Zuhause-Büro aktiv entgegen zu wirken. Auslandskarriere hat Tipps zusammengestellt.

So werden Sie beim Arbeiten Zuhause nicht einsam

1. Morgendliches Achtsamkeitsritual befolgen

Machen Sie sich jeden Morgen klar, dass das selbständige Arbeiten im Home-Office ist, was Sie wollten. Es ist ein Privileg, sein eigener Herr zu sein und sich nicht mit Staus, Kollegen oder Vorgesetzten auseinandersetzen zu müssen. Legen Sie ganz bewusst das Ziel fest, diese Chance heute und in der Zukunft gut zu nutzen. Stellen Sie sich vor, wie Sie entspannt arbeiten, Ihre Unabhängigkeit genießen und am Ende des Tages Zeit für sich und andere haben.

2. Den Arbeitsplatz so angenehm wie möglich gestalten

Wenn machbar, richten Sie einen separaten Raum in Ihrer Wohnung als Büro ein. So assoziieren Sie das Betreten dieses Zimmers automatisch mit dem Arbeiten. Ihre neue Bürozentrale sollte zweckmäßig, aber gemütlich sein und Ablenkungsmöglichkeiten vermeiden (die haben Sie schon genug, in Form der allgegenwärtig lauernden Social Media-Accounts auf Ihrem Computer und Smartphone). Alles, was das Arbeiten angenehm macht, ist hingegen erlaubt: Eine Kaffeemaschine oder Teekocher, Knabberkram, warme Decken und leise Hintergrundmusik. Wenn Ihr Schreibtisch-Raum ein Fenster besitzt, umso besser. Der Blick hinaus suggeriert Verbundenheit mit der Außenwelt. Es kann ein heimeliges Gefühl verursachen, wenn Sie das geschäftige Treiben (oder den Lauf der Jahreszeiten in der Natur) verfolgen können, während Sie Ihrer Arbeit nachgehen. Wer sich wohlfühlt und produktiv ist, bei dem kommen Einsamkeitsgefühle weniger oft auf.

3. Einen Wochenplan mit Verabredungen anlegen

Planen Sie die Woche im Voraus und verabreden Sie sich an mindestens einem Werktag mit Bekannten oder Freunden. Dies kann ein Treffen auf einen Kaffee am Nachmittag, ein Abendessen oder Kinoabend sein. So gehen Sie schon am Anfang der Woche ganz sicher, dass Sie jemanden sehen werden. Sie können sich auch mit sich selber verabreden, beispielsweise auf einen Bummel über den Lieblings-Wochenmarkt oder eine Sportstunde. Wichtig ist, dass Sie unter Leute gehen. Das motiviert und steuert Sie auch in Ihrem Arbeitspensum auf die Verabredung hin.

4. Die “3 Aufgaben-Formel” einhalten

Es gibt Tage, da kommt es einem so vor, als hätte man nichts geschafft. Man hat Stunden am PC verbracht, über ein kniffliges Problem nachgedacht oder über einer schwierigen Aufgabe gebrütet, und herausgekommen ist scheinbar wenig. Um solche Frustrationen zu vermeiden, legen Sie jeden Tag vor Beginn der Arbeit drei Aufgaben fest, die Sie heute fertigstellen möchten. Die erste erledigen Sie zuerst, ohne Email- oder Social Media-Konten auch nur angefasst zu haben. Das bereitet schon mal ein erstes Erfolgserlebnis und gibt mehr Schwung für die restlichen Aufgaben. Alles, was an positiven Gedanken erzeugt wird, vermindert negatives Empfinden, wie beispielsweise sich allein fühlen. Erst wenn die drei Aufgaben erledigt sind, verlassen Sie den Schreibtisch. Sollten Sie eher fertig sein als angepeilt: Super! Zeit, die Sie nun haben, um einkaufen oder spazieren zu gehen – auf jeden Fall raus, unter Menschen.

5. Cafés mit WLAN besuchen

Dass Sie sich als Freiberufler manchmal einsam fühlen, damit sind Sie ganz und gar nicht allein. In vielen Städte arbeiten Menschen daher statt im Home-Office in Cafés mit Gratis-WLAN. Einige Lokale sind geradezu bekannt dafür, dass sich dort stets viele Freelancer treffen, um zu arbeiten. Diese arbeitsame Atmosphäre, in der man mit Gleichgesinnten in einem Raum an seinen Projekten tüftelt, kann sehr anspornend und beruhigend sein. Sie fühlen sich unverzüglich nicht mehr allein. Es gibt sogar eine App, die geeignete WLAN-Cafés in 70 Ländern auflistet: Bei “Work Hard Anywhere” stellen Nutzer Informationen über die Schnelligkeit des Internetzugangs, das Vorhandensein von Sitzmöglichkeiten und Steckdosen sowie über Preise für Getränke und Speisen bereit.

6. Coworking Spaces nutzen

Eine Alternative zum WLAN-Café bieten sogenannte Coworking Spaces, eine Art Gemeinschaftsbüro, in dem man einen Schreibtischplatz für bestimmte Zeit mietet. Die Ausstattung dieser großen, offenen Arbeitsorte reicht von 24h-Zugang und WLAN über Drucker, Beamer, Telefon, Besprechungsräume bis zu Küchenräumen und Kickern. Der Vorteil liegt auf der Hand: Man arbeitet mit unterschiedlichen Freiberuflern unter einem Dach und kann sich gegebenenfalls unverbindlich austauschen. Die produktive Atmosphäre wirkt inspirierend, und die saubere Trennung von Arbeit und Privatem ist auch gegeben. Coworking Spaces existieren mittlerweile in vielen Städten, mit ein wenig Recherche finden Sie einen in Ihrer Nähe.

7. Festen Hobbies nachgehen

Hat man vor dem Dasein als von Zuhause arbeitender Freiberufler vom Ausleben diverser Hobbies geträumt, ist das Verwirklichen nun jederzeit möglich. Nutzen Sie dies! Tanz-, Koch- oder Fotokurse geben Ihnen neuen Input und bringen Sie unter Leute. Egal, was Sie tun: Machen Sie es regelmäßig und zusammen mit Menschen.

8. Pausen aktiv gestalten

Legen Sie in Ihrem Arbeitsalltag feste Pausenzeiten fest. Gehen Sie in diesen Pausen vor die Tür, auf einen kleinen Spaziergang oder auf einen Kaffee in der Nähe. Die eigenen Wände zu verlassen und etwas anderes zu sehen ist hilfreich für die Kreativität und Produktivität – und es beugt Einsamkeitsgefühlen vor.

9. Sich mit Gleichgesinnten vernetzen

Fehlt Ihnen der fachliche Austausch mit Personen aus Ihrer Berufssparte, finden Sie heraus, ob es in Ihrer Nähe Stammtische oder Workshops gibt. Sich mit Menschen auszutauschen, die täglich mit denselben Problemen zu tun haben, wirkt befreiend.

Mission “Home-Office” erfolgreich meistern

Das Arbeiten von Zuhause will gelernt sein. Es erfordert gutes Zeitmanagement und Disziplin, seine Aufgaben aus dem Home-Office heraus zu erledigen und dabei soziale Kontakte nicht zu kurz kommen zu lassen. Doch wem es gelingt, seine Energien aus eigenem Antrieb dementsprechend einzusetzen, der ist für zukünftige Herausforderungen gewappnet und fühlt sich erfüllt und nicht allein.