Startkapital zum Auswandern: Wieviel Geld benötigt man zum Auswandern?

Wieviel Startkapital braucht man zum Auswandern?

Sobald man den Entschluss gefasst hat, über kurz oder lang ins Ausland zu gehen, kommt auch der Zeitpunkt, an dem man sich über die monetären Aspekte der Auswanderung Gedanken machen sollte. Zu Beginn sei vorweggenommen, dass es keine kostenfreie Auswanderung gibt. Das benötigte Startkapital hängt von diversen persönlichen und landestypischen Kriterien ab und daher ist eine pauschale Aussage über die benötigte Höhe des Startkapitals entsprechend unmöglich.

Bevor man sich also mit gepackten Koffern und voller Vorfreude auf dem Weg zum Zielort macht, sollte vorab eine detaillierte Kalkulation aufgestellt werden, um böse Überraschungen im Traumland zu vermeiden. Denn bei vielen Auswanderern scheiterte der Traum binnen kürzester Zeit an finanziellen Mitteln und die Rückkehr ins Heimatland stand ungewollt unmittelbar bevor. Eine genaue Planung, die diverse Faktoren berücksichtigt, ist daher essentiell und ein wichtiger Grundstein für eine erfolgreiche Auswanderung. Folgend werden die Faktoren im Detail aufgezeigt, die es bei der finanziellen Planung zu berücksichtigen gilt:

Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten?

Dies variiert natürlich stark von Land zu Land. In europäischen Ländern sind die Kosten für die Lebenshaltung meist vergleichbar mit den Kosten in Deutschland, wogegen außerhalb von Europa, speziell in südamerikanischen, afrikanischen und asiatischen Ländern, die Lebenshaltungskosten oftmals um ein Vielfaches niedriger sind. Dagegen sind diese in Metropolen um ein Vielfaches höher. Über die regelmäßig anfallenden Fixkosten wie Strom und Wasser sollte man sich am besten vor der Auswanderung informieren. Auch die Preise für Lebensmittel sollten vorab in Erfahrung gebracht werden. Die lokalen Produkte sind meist erschwinglicher, doch als Auswanderer möchte man hin und wieder auch auf die vertrauen, importierten Produkte zurückgreifen, was sich in deren Preisen bemerkbar macht.

Um einen groben Überblick über die anfallenden Lebenshaltungskosten zu erhalten, empfiehlt sich der Blick auf den Rechner von Numbeo. Dabei handelt es sich um Durchschnittswerte, die eine gute Orientierung bieten. Der Rechner gibt einen guten Überblick über die Durchschnittspreise der Grundnahrungsmittel, die Preise für Mieten und öffentliche Verkehrsmittel sowie Restaurantbesuche und Freizeitaktivitäten.

Als Faustregel gilt, dass man im Zielland mindestens sechs Monate, besser noch neun bis zwölf Monate ohne geregeltes Einkommen mit dem Startkapital über die Runden kommen muss. Gerade wenn man noch keine feste Anstellung in Aussicht hat oder wenn man ein eigenes Projekt vor Ort in Angriff nehmen möchte, sollten die Lebenshaltungskosten für sechs Monate bis zu einem Jahr gedeckt sein. In diesem zeitlichen Fenster stehen die Chancen gut, eine passende Anstellung zu finden oder sich mit einem eigenen Projekt am lokalen Markt selbstständig zu machen und dort zu etablieren. Es gibt viele Geschichten von Auswanderern, die diesen Puffer nicht einkalkuliert und somit bereits die Reserven nach kurzer Zeit aufgebraucht hatten und sich dadurch keine weitere Existenz im Ausland sichern konnten.

Wie sieht Ihre Wohnsituation aus?

Je nach Ausgangslage in der Heimat kann es eine Überlegung wert sein, die eigene Wohnung oder das Haus zu vermieten und sich somit Monat für Monat zusätzliche Einnahmen zu sichern. Wird eine langfristige oder dauerhafte Auswanderung in Betracht gezogen, so kann es auch von Vorteil sein, die eigene Unterkunft zu verkaufen. Wohnt man selbst zur Miete, sollte der Mietvertrag fristgerecht gekündigt werden. Möchte man sich allerdings ein Hintertürchen offenhalten, so kann es auch eine Überlegung wert sein, die Wohnung vorübergehend unter zu vermieten.

Vor der Auswanderung sollte man sich bereits Gedanken über die zukünftige Unterkunft in der neuen Wahlheimat gemacht haben. Dabei sollte entschieden werden, ob eine Wohnung oder ein Haus gemietet werden soll und ob die Unterkunft bereits möbliert gemietet wird oder ob man sich die Möbel selbst vor Ort kauft. Außerdem sollten auch die anfallende Mietkaution und eventuelle Kommission für den Makler mit in die Kalkulation eingezogen werden. Für den Fall, dass ein leerstehendes Objekt gemietet werden soll, empfiehlt es sich auch, die Preise vor Ort zu vergleichen und zu prüfen, ob eine Anfertigung durch einen lokalen Schreiner günstiger und optisch ansprechender ist als der Kauf der Möbel in einem Möbelhaus, wie beispielsweise bei Ikea. Neben den Möbelstücken werden auch weitere Utensilien, wie zum Beispiel für die Küche, benötigt, um den Alltag bewerkstelligen zu können. Hier empfiehlt sich auch beim geplanten Kauf ein Blick ins Internet auf Verkaufsseiten oder Online-Flohmärkten in der Region, bei denen man das ein oder andere Schnäppchen machen kann. Viele Auswanderer trennen sich nur ungern von ihrem Hab und Gut und planen daher, die Möbel und privaten Besitztümer mit einem Container in die neue Heimat schiffen zu lassen. Auch für diese Option sollten Preise verschiedenster Speditionen verglichen werden; oftmals ist dies jedoch eine sehr kostspielige Angelegenheit. Bevor jedoch diese Option in Betracht kommt, sollte eine Inventur der Möbel und des Besitzes gemacht werden und alles, was man nicht mehr im neuen Land gebrauchen kann, sollte ausgemistet werden. Nur das notwendigste sollte mit in die neue Heimat transportiert werden.

Wie sieht der Job- bzw. Arbeitsmarkt aus?

Um sich eine langfristige Existenz im Ausland zu sichern, ist ein Job unabdingbar. Im Idealfall hat man sich bereits vor der Auswanderung um eine Anstellung bemüht und den Arbeitsvertrag schon unterschrieben. Sollte dies nicht der Fall sein und es wird erst vor Ort nach einem passenden Job gesucht, so sollte man vorab die Aussichten auf einen neuen Job realistisch prüfen. Dabei sollte die aktuelle Wirtschaftslage im Zielland geprüft werden. Wenn die Arbeitslosigkeit dort bereits relativ hoch ist und die Arbeit eventuell oft nur saisonbedingt ist, kann sich die Suche nach einer passenden Anstellung schwieriger als gedacht erweisen. Viele Auswanderer arbeiten daher auch im Ausland in Berufen, die nicht ihren ursprünglichen Qualifikationen und Ansprüchen entsprechen.

Außerdem sollte für den Fall der Fälle ein Plan B geschmiedet werden, der die Situation absichert, falls keine Arbeit vor Ort gefunden wird. Je nach Zielland gilt auch hier zu bedenken, dass eventuell ein Arbeitsvisum vonnöten sein kann, bevor man eine Stelle antritt.

Wandern Sie alleine oder mit der ganzen Familie aus?

Die Gesamtsituation einer Auswanderung hängt natürlich auch stark davon ab, ob man alleine und ungebunden auswandert oder ob man diesen Schritt zusammen mit der Familie plant. In diesem Fall ist Bedarf an größerem Wohnraum für die ganze Familie vorhanden. Für schulpflichtige Kinder sollte zeitnah nach einer passenden Schule gesucht werden. Je nach vorhandenen Kenntnissen der Fremdsprache kann auch dies anfänglich zu Komplikationen führen und man sollte gegebenenfalls in einen Sprachkurs oder sogar in einen Privatlehrer investieren. In diesem Zusammenhang sollten die Kosten für die Schule oder den Kindergarten sowie für öffentliche Verkehrsmittel vorab geprüft werden. Mit mehreren Personen im Haushalt sind die Kosten für die Lebenshaltung entsprechend höher.

Weitere Faktoren, die es zu beachten gilt

Um auch vor Ort mobil zu sein, ist in den meisten Fällen ein Auto notwendig. An dieser Stelle muss entschieden werden, ob dies eventuell aus der Heimat mitgeführt wird, was stark von der Entfernung und den Einfuhrbestimmungen des Ziellandes abhängt. Plant man in der neuen Wahlheimat die Anschaffung eines PKWs, so sollten auch die notwendigen Dokumente dafür geprüft werden und natürlich auch, ob die Fahrerlaubnis im Zielland gültig ist oder ob man sich eine internationale Fahrerlaubnis in der zuständigen Verkehrsbehörde ausstellen lassen sollte. In einigen Ländern wie zum Beispiel in den USA kann es notwendig sein, eine erneute Fahrprüfung vor Ort abzulegen, um den dortigen Führerschein zu erwerben.

Um auch medizinische Versorgung in Anspruch nehmen zu können, sollte für alle an der Auswanderung beteiligten Familienmitglieder eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen werden. Dabei lohnt es sich, die Angebote verschiedenster Anbieter zu vergleichen. Da es jederzeit zu unvorhergesehenen Ereignissen kommen kann, sollte immer eine Reserve für Notfälle vorhanden sein. Mindestens der Betrag für Flugtickets in die Heimat sollte als Notgroschen eingeplant werden. Die Flugtickets zurück in die Heimat werden nämlich weder von der Agentur für Arbeit noch vom deutschen Konsulat getragen. Außerdem ist das Arbeitsrecht im Ausland oft nicht so streng wie im Heimatland und es kann jederzeit dazu kommen, dass man unverhofft den Job verliert und damit das eingeplante feste Einkommen wegfällt. In dieser Situation ist ein finanzielles Polster notwendig, um sich für eine Weile über Wasser zu halten.

Wenn eine Auswanderung entsprechend mit einem gut kalkulierten Startkapital geplant wird, steht ihrem Erfolg nichts mehr im Wege und der Auswanderer kann sich mit vollem Elan in das Abenteuer Auswanderung stürzen.