Verzweifelte Jobsuche im Ausland: Hauptsache Job oder lieber weiter suchen?

Die Idealvorstellung vieler Auswanderer ist es, den eigenen Traumberuf im Traumland ausüben zu können und auch weiterhin Sprosse für Sprosse die Karriereleiter zu erklimmen. Doch in der Realität sieht es meist nicht ganz so idyllisch aus. Je nach Berufsbranche und Abschluss kann es im Ausland schwierig sein, eine vergleichbare Anstellung wie in der Heimat zu finden. International gute Jobchancen haben Fachkräfte auch in Führungsebene in den Bereichen Tourismus, Hotellerie und Gastronomie sowie aus pädagogischen und medizinischen Berufsgruppen wie auch IT-Fachleute und Ingenieure. In anderen Berufssparten kann es im Ausland mit der Jobsuche schon schwieriger werden. Dann muss sich der Bewerber entscheiden, ob sich ein langer Atem bei der Suche nach der geeigneten Anstellung lohnt, oder ob man sich nach erfolgloser Suche auch mit einem Job zufrieden gibt, für den man eigentlich überqualifiziert und vielleicht auch ungeeignet ist.

Eine nicht unerhebliche Anzahl an Auswanderern hat mit dieser Problematik zu kämpfen und wenn man einige von ihnen fragt, aus welcher Berufsgruppe sie eigentlich ursprünglich kommen, ist man oftmals über ihre aktuelle ausgeübte Tätigkeit im Ausland überrascht. Je nach finanzieller Lage kann man also schnell vor der kniffligen Entscheidung stehen einen Job anzunehmen, der weder den Vorstellungen, noch den eigenen Qualifikationen entspricht. Bevor diese wichtige Entscheidung gefällt wird, sollte man jedoch einige Punkte im Hinblick auf seine eigene berufliche Zukunft beachten.

Die berufliche Zukunft im Auge behalten

Wer sich in einem finanziellen Engpass befindet und schnell auf ein geregeltes Einkommen angewiesen ist, kann schnell in die Versuchung kommen im Ausland irgendeinen verfügbaren Job anzunehmen, um sich vorerst über Wasser zu halten. Dabei haben die Jobsuchenden meist nur die finanzielle Situation im Blick und denken nicht an die langfristigen Auswirkungen, die diese Entscheidung auf den weiteren beruflichen Lebensweg haben wird. Andere Jobsuchende möchten längere leere Lücken im Lebenslauf vermeiden, die ebenfalls nicht förderlich für die weitere Jobsuche sind. Denn während die Annahme eines temporären Jobs vielleicht kurzfristig eine Tür öffnet, könnten sich dadurch langfristig andere Türen schließen. Warum? Die lückenfüllende Stelle, die eventuell nur als Notlösung gedacht war, wird ihren Stempel im Lebenslauf hinterlassen und bei weiteren Bewerbungen den ein oder anderen Arbeitgeber stutzig machen. Jobannahmen, die dem ursprünglichen Werdegang abweichen können für Zweifel an der Zielstrebigkeit und Ernsthaftigkeit des Bewerbers bei Personalleitern sorgen. Sollte es daher die finanzielle Situation zulassen, sollte vor der Annahme irgendeines Jobs gründlich abgewogen werden, ob sich dies auch mit zukünftig geplanten Anstellungen vereinbaren lässt.

Beträgt die Jobsuche nach einer geeigneten Stelle länger als gewohnt, sollte unbedingt der Grund diesbezüglich abgeklärt werden: Liegt es an den Bewerbungsunterlagen? Zweifeln die ausländischen Personaler an Ihren Studienabschlüssen oder beruflichen Qualifikationen? Bewerben Sie sich einfach zur falschen Zeit?

Wenn die Suche nach einem passenden Job im Ausland weiterhin vergeblich ist, empfiehlt es sich ebenfalls darüber nachzudenken das Land wieder zu verlassen. Wenn es einem langfristig keine entsprechende berufliche Perspektive bieten kann, könnte man eine Rückkehr in die Heimat oder die Wahl eines anderen Landes für die berufliche Verwirklichung in Betracht ziehen. Denn nicht immer ist es ein Auslandsaufenthalt um jeden Preis wert, seine berufliche Zukunft aufs Spiel zu setzen.

Andere Länder, andere Chancen

Nur weil es vielleicht im Heimatland oder im ausgewählten Zielland nicht mit einem passenden Job geklappt hat, heißt das nicht, dass es auch in anderen Ländern ähnlich verlaufen muss. Doch bevor man voller Eifer die Koffer packt und sich direkt in neue Abenteuer stürzt, sollte man gründlich die eigenen beruflichen Chancen im ausgewählten Land für den Neustart prüfen. Bewerbungen auf online ausgeschriebene Stellen können bereits einen guten Einblick der Reaktion der Arbeitgeber und die Chancen im lokalen Arbeitsmarkt bieten. Idealerweise schließt man bereits vorab einen Vorvertrag ab, damit man vor der Abreise auf der sicheren Seite ist. Dank der Möglichkeit von Online Videokonferenzen sind Bewerbungsgespräche vor dem Bildschirm heute keine Seltenheit mehr. Auf diese Weise bleibt man sich und seinem eingeschlagenen beruflichen Weg treu, auch wenn das gewählte Land vielleicht nur die Alternative darstellt.

Umgang mit einem schlechten Job

Falls doch Gründe dazu geführt haben, dass ein für das eigene Profil unpassender Job im Hinblick auf die Position und die Hierarchieebene angenommen wurde, kommen einige Faktoren zusammen, die man auf Dauer nicht unterschätzen sollte. Zum einen ist es das eigene Selbstwertgefühl, dass an einem nagt. Sehr wahrscheinlich wird man sich mit tendenziell weniger Motivation in die Aufgabe stürzen und täglich daran erinnert werden, dass diese Anstellung eigentlich gar nicht den eigenen Qualifikationen und Vorstellungen entspricht. Darunter kann dann trotz Überqualifizierung die Arbeitsleistung leiden, was auch dem Arbeitgeber nicht verborgen bleiben dürfte. Zudem ist die Frustration nicht zu unterschätzen, die sich dann auch vermehrt im Privatleben ausbreitet. Wer also bewusst die Entscheidung für die Annahme eines solchen Jobs getätigt hat, sollte die Zähne zusammenbeißen und sein Bestes geben. Diese Situation bedeutet keinesfalls, dass man nun in dieser Tretmühle gefangen ist. Parallel kann weiterhin kontinuierlich nach einer beruflichen Verbesserung gesucht werden, um schnell wieder eine passende Stelle, die dem eigenen Bewerberprofil entspricht, zu finden. Wie auch in vielen anderen Bereichen des Lebens sind gute Kontakte dabei unerlässlich und besonders im Ausland ist Networking sehr wichtig, wenn es um die Jobsuche geht. Sind nützliche Kontakte im eigenen Freundes- oder Bekanntenkreis verfügbar, sollte man sich nicht davor scheuen diese auch zu nutzen. Schließlich geht es hier um die eigene Zukunft.

Ausnahmen und Sprungbrett-Optionen

Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Für den Fall, dass Ihr gelernter Beruf vielleicht so speziell ist, dass Ihnen kein anderer Ausweg bleibt als sich einen fachfremden oder nur teilweise ähnlichen Job zu suchen, dann sollten Sie gezielt nach Quereinsteiger-Positionen suchen. Wer weiß, dass der Job als Sprungbrett genutzt werden kann, der sollte die Aufstiegschancen in dem Unternehmen genausten unter die Lupe nehmen.