Warum es völlig egal ist, wie viele Jahre Berufserfahrung man hat

In der Consulting-Branche ist es absolut üblich bereits nach zwei Jahren einen Senior-Titel zu erhalten. Dies hat keinesfalls etwas damit zu tun, dass Berater schneller lernen als andere Berufsgruppen. Viel mehr hat es etwas damit zu tun, dass die Berater-Unternehmen mehr Geld berechnen können, wenn ein Senior Consultant am Werk war und nicht bloß ein Consultant mit zweijähriger Berufserfahrung. In anderen Branchen muss man teilweise Jahre verweilen, um die erste Beförderung zu erhalten.

Viele Arbeitgeber fordern zudem in Stellenanzeigen eine bestimmte Anzahl von Berufsjahren, damit man überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird. Dies siebt natürlich auch Bewerber aus, die womöglich qualifizierter wären, aber nicht die geforderte Mindestanzahl an Berufserfahrung vorweisen können.

Qualität oder Quantität

Wer den Großteil seiner Arbeitszeit mit E-Mails, Meetings oder Gesprächen mit Kollegen verbringt, der ist nicht mehr qualifiziert als der Praktikant oder Werkstudent, der das neueste Wissen aus der Universität mitbringt. Jeder kennt mindestens einen Vorgesetzten, der anscheinend weniger Ahnung von der Materie hat, in dem Unternehmen allerdings höhergestellt ist. Die Frage „Wie viele Jahre Berufserfahrung benötigt man, um gute Arbeit zu leisten?“ steht also im Raum. Da man Bewerber vor Arbeitsantritt nicht wirklich „testen“ kann, müssen gewisse Anforderungen an den Bewerber gestellt werden. In den meisten Fällen ist dies nun man die Quantität an Berufserfahrung.

Bei 5 Jahren Berufserfahrung wird schon irgendetwas hängengeblieben sein.

Für begabte und qualifizierte Arbeitnehmer kann dies natürlich nicht nur bei einer Bewerbung frustrierend sein, sonder auch ziemlich demotivieren, wenn ein weniger talentierter Kollege die Beförderung nur bekommt, da er lange genug „ausgeharrt“ hat.

Jeder neue Arbeiter muss neu angelernt werden

Sicherlich bringt eine gewisse Anzahl an Arbeitserfahrung so seine Vorteile. Mitarbeiter mit mehrjähriger Arbeitserfahrung sind mit den Prozessen und alltäglichen Arbeitsabläufen vertraut, können im Team zusammenarbeiten und haben mehr Einblicke in die verschiedensten Problemlösungs- und Entscheidungsmethodiken. Zudem wird darauf gepocht, dass die Einarbeitungszeit verkürzt wird.

Viele Arbeitgeber übersehen jedoch, dass absolut jeder neue Mitarbeiter neu angelernt werden muss – absolut egal wie viele Jahre Berufserfahrung man hat. Jedes Unternehmen hat andere Abläufe, Prozesse und Handhabungsrichtlinien, die der neue Mitarbeiter erst einmal erlernen muss.

Wann Arbeitserfahrung wirklich essentiell ist

In einigen Berufen bedarf es zweifelsfrei Erfahrung und nicht nur Qualifikation. Besonders bei Berufen im medizinischen Bereich kann man vor Talent nur so strotzen – ohne mehrere Jahre an Berufserfahrung wird es schwer sein in bestimmten Situationen die Ruhe zu bewahren oder das nötige Feingefühl aufzubringen, um Patienten zu beruhigen oder Abläufe zu erläutern.

Was tun bei keiner oder nur wenig Berufserfahrung?

Absolventen haben es nicht einfach. Viele Trainee-Stellen sind in vielen Fällen bereits für Werkstudenten reserviert, die bereits ihren Fuß in der Tür haben. Es kann also sehr schwer werden, sich beweisen zu wollen, wenn man kaum eine Chance bekommt. Im Grunde wird Arbeitserfahrung nur als „Beweis“ dafür verlangt, dass man den Job tatsächlich machen kann. Wer über keine beziehungsweise nur sehr wenig Berufserfahrung verfügt, der muss diese Beweise anders liefern. Hierzu können kleiner Uni-Projekte, ehrenamtliche oder freiberufliche Tätigkeiten gehören. Dir Ergebnisse und Erfolge kann man dann in einem sogenannten Portfolio dem Arbeitgeber präsentieren. Wer also seine bisherigen Projekte aufzählen kann, die Vorgehensweise und Erfolge daraus schließen kann, der wirkt um einiges qualifizierter als jemand, der nur schreibt, dass er von dann bis dann in einer Position gearbeitet hat.

Mehr Informationen zu Bewerbungsunterlagen und wie man sich auch mit wenig Arbeitserfahrung positioniert, finden Sie hier.