Warum intelligente Menschen im Job unterdurchschnittlich abschneiden

Wer pfiffig ist, der schafft auch etwas, so denkt man allgemein. Leider ist dies nicht immer der Fall. Es gibt talentierte und clevere Arbeitnehmer, die trotz ihrer Intelligenz Unterdurchschnittliches leisten und weit hinter ihrem Potenzial zurückbleiben. Dies kann mehrere Gründe haben. Dieser Artikel befasst sich mit zwei von ihnen:

Chronischer Langeweile und übermäßigem Beschäftigsein

Ein neuer Begriff hat sich für die eben genannte konstante Langeweile im Job etabliert, man spricht vom “Boreout-Syndrom”. Dies kann sogar krank machen und zu Depressionen und Schlafstörungen führen. Doch während die einen sich am Arbeitsplatz zu Tode langweilen, gibt es auf der anderen Seite immer mehr Berufstätige, die so beladen mit Aufgaben sind, dass sie gar nicht wissen, wo sie zuerst anfangen sollen und sich völlig überfordert fühlen.

Wie man mit beidem zurechtkommt und seine Produktivität erhöht, dazu hat Auslandskarriere Tipps.

Was ist Boreout?

Unter dem “Boreout-Syndrom” versteht man eine konstante und monströse intellektuelle Langeweile im Beruf, die den Arbeitnehmer permanent unterfordert. Und von dieser Unterforderung sind nicht wenige betroffen. In einer Studie des Personaldienstleisters Randstad geben 31 Prozent der Befragten an, den Job deswegen wechseln zu wollen. Zu wenige oder falsche Aufgaben, oft in Verwaltungs- und Dienstleistungsjobs anzutreffen, sind Hauptauslöser vom Boreout.

Boreout kann belastender als Burnout sein

Boreout-Betroffene werden von ihrem Umfeld häufig nicht ernst genommen, da zu viel Langeweile von normal ausgelasteten Menschen als Luxusproblem betrachtet wird. Viele Gestresste hätten gern weitaus weniger zu tun und können nicht verstehen, wie Nichtstun bei (oft) guter Bezahlung ein Problem darstellen kann. Wenig zu leisten und dafür entlohnt zu werden, führt bei den Leidtragenden jedoch zu großen Schuldgefühlen. Hinzu kommt, dass das Selbstwertgefühl stetig abnimmt, da Menschen Herausforderungen und Anerkennung brauchen, die hier ausbleibt. Ärzte berichten von Bagatellerkrankungen, die Boreout-Betroffene entwickeln, um der Langeweile-Situation für eine Weile zu entkommen. Wenn die Langeweile so weit geht, dass sie das Lebensgefühl bestimmt und zu psychischen Problemen führt, sollte man ihr tatkräftig entgegenwirken.

Warum nicht einfach den Job wechseln?

Für Außenstehende scheint die Lösung einfach. Gelangweilte Arbeitnehmer müssten sich doch einfach einen neuen Job suchen, der sie mehr fordert. Es scheint unverständlich, warum man sich trotzdem täglich zur Arbeit schleppt und die Zeit totschlägt. Dabei verhält es sich oft so, dass ein gutes Gehalt und ein sicherer Job die Betroffenen davon abhält, sich anderweitig umzuschauen. Berufsfelder, in denen dies manchmal der Fall ist, sind beispielsweise Non-Profit-Organisationen, der öffentliche Dienst oder Konzerne mit großem Kündigungsschutz nach langer Betriebszugehörigkeit. Gerade wenn womöglich noch ein Haus abbezahlt werden muss oder die Ausbildung der Kinder finanziert wird, scheint es Boreout-Betroffenen zu riskant, eine weniger sichere Tätigkeit anzunehmen. Und Risiken eingehen, das ist nicht etwas, was viele Arbeitnehmer je gelernt haben. Langweilige Sicherheit in spannende Unsicherheit einzutauschen, das ist eine Hürde, die sich viele nicht zu überwinden trauen.

Auswege: Mut zum Jobwechsel oder Gespräch mit dem Chef

In manchen Betrieben ist es möglich, sich neben der Arbeit innerhalb der Firma zu engagieren. Zum Beispiel kann man im Betriebssport aktiv werden, Artikel zur Mitarbeiterzeitung beisteuern oder in Theatergruppen oder Bands mitspielen. Wer Glück hat, kann hier einige seiner Stärken einbringen und wieder aufblühen. Eine andere Möglichkeit ist es, seinem Vorgesetzten arbeitsbezogene Projektvorschläge zu machen, von denen die Firma profitiert (und an denen man selbst Spaß hätte). Dazu gehört selbstverständlich, ehrlich zu sein, da nun erkenntlich wird, dass die jetzigen Aufgaben den Arbeitsalltag nicht ausfüllen. Wenn beides nicht möglich ist, hilft nur, sich eine andere Arbeitsstelle zu besorgen, die heraus aus der Langeweile-Sackgasse führt. Wer einen Partner an der Seite hat, der über temporäre finanzielle Einbußen im schlimmsten Fall hinweghelfen kann, ist hier im Vorteil. Es kann ebenfalls helfen, vor einem Jobwechsel mit seiner Bank zu sprechen, damit die Angst vor unüberbrückbaren finanziellen Engpässen genommen wird. Denn meistens ist dem nicht so, und Lösungen können gefunden werden. Coaches und Lebensberater können ebenfalls neue Denkanstöße geben und Wege aus der Situation zeigen. Also, adé zur Langeweile und auf ins Gefordertsein!

Ständiges “unter Strom sein” führt ebenfalls zur Unterdurchschnittlichkeit

Viel zu sehr gefordert zu sein, das ist wiederum gleichermaßen ein Zustand, der lähmen kann und zur Unproduktivität führt. Wenn alles auf einen hereinprasselt und man unglaublich busy mit vielerlei verschiedenen Dingen ist, die scheinbar alle auf einmal und JETZT erledigt werden wollen, verliert man leicht den Überblick. Übermäßig Beschäftigte fühlen sich wie vom Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom betroffen. In ihrem stressigen Alltag fluten die Reize nur so auf sie ein, und keiner von ihnen erlaubt eine komplette Fokussierung. Obwohl man unglaublich beschäftigt ist, wird nichts komplett erledigt und zurück bleibt ein Gefühl der Erschöpfung und Leere.

Dem übermäßigen Beschäftigtsein begegnen

Unsere heutige Welt, in der man scheinbar ständig erreichbar sein muss, fordert dem modernen Menschen viel ab. Viele befinden sich in einer nicht enden wollenden Hetze, die sie niemals wollten und von der sie nicht wissen, wann sie begonnen hat. Der Psychiater und Buchautor Dr. Edward Hallowell beschäftigt sich seit Jahren damit, wie man inmitten der Flut der Reize nicht den Kopf verliert. Er hilft extrem beschäftigten Menschen, ihre Aufgaben zu managen und ihr Leben unter Kontrolle zu halten. Sein Buch “CrazyBusy” liefert Strategien, wie man ein temporeiches Dasein im Griff behält.

Tipps, die extrem Beschäftigten Struktur geben

  1. Ziele setzen
    Um im Aufgaben-Wirrwarr nicht den Überblick zu verlieren, ist es essenziell, sich Ziele zu setzen. Drei Ziele pro Tag sind zu bewältigen und helfen, dass man zumindest das Wichtigste erledigt bekommt. Dabei ist es entscheidend, auf keinen Fall mehr als drei Ziele zu definieren. Neben diesen drei Zielen pro Tag sollten auch mittelfristige Pläne (etwa pro Woche oder pro Jahr) festgehalten werden. Diese Zielstruktur ist ungemein hilfreich, weil man Prioritäten setzt und diese abarbeitet. Und anstatt alles nur alles ein bisschen anzureißen, schafft man das Wichtigste und ist Herr der Lage.
  2. Zeiten festlegen
    In den Bildschirm “hineingesogen” zu werden ist unbedingt zu vermeiden. Wer kennt nicht die Situation, in der man “nur einmal kurz” seine Emails checken wollte und im Endeffekt zwei Stunden damit verbringt. Denn Emails checken beinhaltet oft, Antworten zu verfassen oder sich in Links zu verlieren. Dr. Hallowell rät, eine bestimmte Zeit zum Beantworten von Emails zu reservieren und das Email-Programm dann auszuschalten. Ähnlich verhält es sich mit Social Media-Konten und dem Telefon. Innerhalb einer Stunde müssen Arbeitnehmer heutzutage oft bis zu 20 Minuten mit ungewollten Unterbrechungen rechnen. Wo immer möglich, sollte man daher Zeiten setzen, in denen man erreichbar und nicht erreichbar ist.
  3. Später darauf zurückkommen
    Bevor übermäßig Beschäftigte zu allem Möglichen zustimmen und zu viele Aufgaben annehmen, sollten sie bei Anfragen zunächst antworten “Ich komme später darauf mit einer Antwort zurück.” Viele der Anfragen lösen sich daraufhin von alleine oder verlieren an Dringlichkeit. Zudem hat man Zeit, sich zu überlegen, ob man die Verpflichtung tatsächlich übernehmen möchte oder eine andere Lösung gefunden werden kann.
  4. Sorgen mit jemandem teilen
    Es kann ungemein helfen, Stress mit jemandem zu besprechen – dies können Arbeitskollegen, Freunde oder Familienangehörige sein. Wer sich seine Arbeitsfrustrationen auf diese Weise von der Seele redet, sollte sich darauf konzentrieren, die Fakten zusammenzutragen und am Ende des Gesprächs mit einem irgend gearteten Plan herauszukommen. Statt endlosem Jammern sollte der Austausch zielgerichtet sein.
  5. Sich auf Projekte konzentrieren, die es wert sind
    Oft haben übermäßig Beschäftigte zu viele verschiedene Projekte am Laufen. Von diesen vielen Projekten geht für gewöhnlich keines so richtig gut, da der Fokus fehlt. Ein konsequentes Aussieben der Projekte, die es nicht wert sind, weiter verfolgt zu werden, führt hier zur Entlastung. Zudem zwingt dies Leidtragende dazu, sich darüber Gedanken zu machen, was man wirklich verfolgen möchte – im Leben und im Arbeitsleben.