Praktikum in Südafrika

Atemberaubende landschaftliche Schönheit, ein facettenreiches Miteinander unterschiedlichster Kulturen, aber auch ein Leben voller gesellschaftlicher Kontraste: Das erwartet dich, wenn du am südlichsten Zipfel Afrikas ein Praktikum machen möchtest. Vor allem die Metropolen Kapstadt und Johannesburg sind attraktive Einsatzorte. Im Gegensatz zu den ländlichen, oft schlecht entwickelten Gebieten, ist dort ein nahezu westlicher Lebensstandard möglich.

Da die Hauptlandessprache Englisch ist, bietet sich ein Aufenthalt auch perfekt, um die Sprache zu verbessern.

Optionen für Praktika bestehen vor allem im Tierschutz, im Tourismus, im Kommunikationssektor und im sozialen Bereich. Freiwillige, unbezahlte Praktika sind dabei um einiges leichter zu bekommen als bezahlte Pflichtpraktika, für die man eine Genehmigung und ein Arbeitsvisum benötigt. Es macht die Sache nicht unbedingt einfacher, dass sich diese Visa-Bestimmungen von Zeit zu Zeit ändern und dann oft niemand so richtig Bescheid zu wissen scheint.

Hast du deinen Praktikumsplatz jedoch ergattert, wirst du deinen Aufenthalt in Südafrika so schnell nicht vergessen. Du wirst mit vielen unterschiedlichen Kulturen in Kontakt kommen. Du wirst lernen, mit widersprüchlichen Vorgaben zurecht zu kommen und trotzdem einen Weg zu finden. Du wirst lernen, wie das Alltags- und Berufsleben in einem (wenn auch teilweise fortgeschrittenem) Entwicklungsland funktioniert und deine Wahrnehmung unterschiedlicher Lebensbedingungen in eine andere Perspektive rücken.

Wie und wo finde ich ein Praktikum in Südafrika?

Südafrika ist ein Land, in dem in einigen Landesteilen erhebliche Armut und Unterentwicklung herrscht. Der Staat leistet keine große Hilfe. Daher suchen vor allem gemeinnützige Organisationen, wie Kindergärten, Schulen, Alteneinrichtungen und Umwelt- und Tierschutzorganisationen immer freiwillige Helfer. Freiwilligenarbeit oder freiwillige Praktika sind weit verbreitet, und um diese auszuführen, kann man mit einem normalen Touristenvisum einreisen. Ein gültiger Reisepass bei Vorlage am Flughafen reicht dafür aus. Das Touristenvisum wird für 3 Monate ausgestellt und lässt sich hier einmal um weitere 3 Monate verlängern. Rechtzeitige Beantragung ist hier gefragt, denn die Bearbeitungszeit beträgt bis 60 Tage.

Ein Weg, an ein solches freiwilliges Praktikum zu kommen, ist über Vermittlungsagenturen. Für mehrere hundert, in einigen Fällen sogar mehrere tausend Euro bereiten diese Firmen Bewerbern Vorschläge, bringen sie mit geeigneten Institutionen in Kontakt und betreuen sie über den gesamten Zeitraum hinweg. Berichte über die Qualität solcher vermittelten Praktikumsaufenthalte unterscheiden sich enorm, und am besten studiert man die Schilderungen ehemaliger Absolventen vorher ausgiebig. Ein nicht zu vernachlässigender Vorteil solcher Agenturen ist jedoch deren persönliche Betreuung (wenn sie funktioniert!). In einem Land mit vielen Unwägbarkeiten wie Südafrika kann es helfen, wenn einem bei Behördenchaos oder Problemen an der Arbeitsstelle jemand zur Seite steht, der sich auskennt. Allein ist dies um vieles schwieriger.

Nimmst du das Projekt „Freiwilliges Praktikum in Südafrika” hingegen selber in die Hand, so kannst du beispielsweise direkt auf Auslandskarriere Angebote finden. Meist arbeitest du unentgeltlich gegen Kost und Logis.

Eine andere Möglichkeit ist, gemeinnützigen Organisationen in deinem Wunschbereich direkt selber anzuschreiben. Hier heißt es googlen, googlen, googlen und Frustrationstoleranz entwickeln. Du musst damit rechnen, überhaupt keine oder sehr späte Antwort zu bekommen, da die Vereine oft sehr schlecht organisiert sind und keinen stabilen Email-Austausch leisten können.

Wie finde ich ein bezahltes Praktikum in Südafrika?

Die Arbeitslosenquote in Südafrika beträgt über 27%. Sämtliche Jobs werden daher bevorzugt mit Einheimischen besetzt. Ein bezahltes Praktikum zu finden ist unheimlich schwierig. Wie schon erwähnt, sind generell nur freiwillige und Pflichtpraktika möglich.

Da eine Bezahlung für Praktika für Ausländer dem Anschein nach per Gesetz auch nicht erlaubt ist, werden die meisten “bezahlten” Praktika in Form von Kost und Logis und kleinen Entgelten vergütet, die manchmal unter der Hand laufen. Für ein Pflichtpraktikum gelten ferner bestimmte Kriterien, und es ist ein Arbeitsvisum nötig. Wie man das am besten beantragt, wird im nächsten Abschnitt erläutert. Viele deutsche Konzerne haben in Südafrika Niederlassungen. Es lohnt sich also bei diesen Firmen nach Möglichkeiten zu fragen.

Voraussetzungen für ein Auslandspraktikum in Südafrika

Englischkenntnisse sind unabdingbar. Obwohl Südafrika elf Landessprachen hat, ist Englisch die Hauptsprache, mit der sich sämtliche Kulturen im Land verständigen. Auch auf Ämtern und Behörden wird Englisch gesprochen.

Möchtest du ein freiwilliges, selbst organisiertes Praktikum absolvieren, so reist du am Besten mit einem ganz normalen Touristenvisum ein. Vermeide es bei Fragen, die Worte „Arbeit“ oder „Praktikum“ zu erwähnen, das könnte kompliziert werden. Besser ist es zu erläutern, dass man bei einem Hilfsprojekt unentgeltlich mithilft, jemanden besucht oder einfach ausgiebig reist.

Gehörst du zu den Glücklichen, die eine Stelle für ein längeres Pflichtpraktikum an Land ziehen konnten, so musst du ein Arbeitsvisum beantragen, für das in der Regel folgende Dokumente benötigt werden:

  • Bestätigung des Pflichtpraktikums:
    Deine Hochschule muss bestätigen, dass du Student bist und ein Pflichtpraktikum fester Bestandteil deines Studiums ist.
  • Übereinkommen oder Programm:
    Eine höhere Bildungseinrichtung in Südafrika muss bestätigen, dass ein Übereinkommen oder Programm mit deiner Hochschule besteht. Zusätzlich müssen die Kontaktdaten einer Person vor Ort, die während des Praktikums für dich verantwortlich ist, und deine zukünftige Anschrift in Südafrika mitgeteilt werden.
  • Unternehmen: Ein südafrikanisches Unternehmen muss die Dauer, das Verhältnis zur Bildungseinrichtung und deine Aufgaben im Praktikum bestätigen.
  • Erklärung: Du musst in einem Schreiben erklären, nur der Arbeit nachzugehen, die dein Arbeitgeber für dich angegeben hat. Bezahlte oder unbezahlte Arbeit, die von der Beschreibung des Arbeitgebers abweicht, ist nicht zulässig.
  • Gesundheitsnachweis: Ein medizinisches Attest und ein Röntgenbericht müssen eingereicht werden.
  • Krankenversicherungsnachweis: Du musst in englischer Sprache nachweisen, dass du im Ausland krankenversichert bist.
  • Polizeiliches Führungszeugnis: Dies kannst du in Deutschland bei der Gemeinde oder beim Bürgerbüro beantragen.
  • Nachweis ausreichender finanzieller Mittel

Während deiner Praktikumstätigkeit werden dir chaotische Organisationsstrukturen, Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit begegnen. Darauf solltest du dich einstellen.

Die Schere zwischen Arm und Reich ist ferner sehr groß, was zu einer hohen Kriminalitätsrate führt. Dementsprechend vorsichtig solltest du dich vor allem abends bewegen. Den aktuellen Sicherheitstipps der Einheimischen sollte man immer Gehör schenken: Sie wissen am Besten Bescheid. Auch die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes geben hilfreiche Informationen, was zu vermeiden und zu beachten ist.

Praktikum in Südafrika: Kosten

 Ein zur Zeit günstiger Kurs zwischen Euro und südafrikanischen Rand macht Südafrika generell zu einem preiswerten Land für Deutsche. Vor allem die Kosten für Restaurantbesuche und für Sprit sind im Vergleich niedrig. In Kapstadt sind die Lebenshaltungskosten jedoch vergleichbar mit denen in einer deutschen Großstadt, und die Mieten für eine Ein-Zimmer-Wohnung in der Innenstadt sind ungeheuer hoch.

  • Flüge für die An- und Abreise: Abhängig von Fluggesellschaft, Jahreszeit und zeitlichem Abstand zu Abflugtermin kostet ein Hin- und Rückflug nach Kapstadt oder Johannesburg zwischen 550 und 900 Euro.
  • Miete für ein Zimmer: Für ein WG-Zimmer in Kapstadt musst du ungefähr 180 bis 300 Euro einkalkulieren. Ein Mehrbettzimmer in einem Hostel kostet um 10 Euro pro Nacht.
  • Öffentliche Verkehrsmittel pro Monat: Busse und Bahnen sind mitunter nicht zuverlässig und als nicht sicher einzustufen. Die meisten Firmen organisieren daher einen eigenen Transport für ihre Angestellten. Der modernste, sicherste und verlässlichste Busunternehmer in Kapstadt ist MyCiTi. Eine MyCiTi-Monatskarte kostet um 52 Euro.

Bewerbung in Südafrika: Formelle Unterschiede

Man bewirbt sich in Südafrika auf englische Weise. Wie eine englische Bewerbung aufgebaut werden sollte, dazu findest du auf Auslandskarriere ausführliche Tipps.

Wo wohne ich während meines Praktikums in Südafrika?

Die Mietpreise gerade in Kapstadt sind enorm hoch. Wohngemeinschaften, Backpacker-Hostels und Gastfamilien sind daher sehr populäre Wohnformen. Auf der Online-Plattform Gumtree wird der Großteil des Mieter-Vermieter-Austauschs abgewickelt, und hier findest du eine Vielzahl an WG-Zimmern, Cottages und Mitwohngelegenheiten.

Leben in Südafrika während des Praktikums

In deiner Freizeit warten tolle Strände, wunderschöne Wanderwege und Safariparks darauf, dass du ihnen einen Besuch abstattest. In Kapstadt sind der Tafelberg und das Kap der Guten Hoffnung sind beliebte Ausflugsziele, die in der Hochsaison jedoch sehr überlaufen sein können. Wer sich gern sportlich im oder auf dem Wasser betätigt, der kann schnorcheln, surfen, kitesurfen und paddeln. Wenn es dich zum Praktikum nach Johannesburg verschlägt, lohnt sich ein Abstecher in den berühmten Krüger-Nationalpark. Dort siehst du mit ein wenig Glück Elefanten, Löwen und Giraffen in freier Wildbahn.

In den Stadtzentren sollte man sich in gewissen Straßenzügen nach Geschäftsschluss nicht mehr aufhalten. Aus Sicherheitsgründen unternimmt man abendliche Aktivitäten mit dem Auto oder Taxi und geht nicht zu Fuß. Wohngebäude haben oft Pförtner und Sicherheitspersonal, die rund um die Uhr präsent sind. Häuser sind eingezäunt und alarmgesichert.

 Wie finde ich Freunde in Südafrika?

Südafrikaner sind freundliche, aufgeschlossene sehr kommunikative Menschen. Es ist an der Tagesordnung, dass du ohne besonderen Anlass mit Fremden auf der Straße in ein kurzes Gespräch kommst. Die Menschen sind generell sehr viel entspannter als in Deutschland und lassen sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen. Das bedeutet jedoch auch, dass vieles sehr viel langsamer geschieht. Die Kassiererin in einem Supermarkt muss mitunter noch erst ihr Privattelefonat beenden, bevor sie sich dir als Kunden widmet.

Über die WG, das Hostel oder deine Praktikumsstelle findest du garantiert schnell Anschluss. Doch Achtung: Verabredungen werden nicht unbedingt immer eingehalten. Wer dich heute überschwänglich morgen zum Kaffee treffen möchte, taucht morgen nicht unbedingt zum verabredeten Zeitpunkt auf. Mit kurzfristigen Absagen muss man ebenfalls rechnen.

In ländlichen Gebieten sind die Menschen sehr gastfreundlich und laden Fremde mitunter ohne Vorbehalte in ihr Haus ein.

Wenn du Gleichgesinnte zum Verarbeiten der gemachten Erfahrungen benötigst, kannst du dich der weltweit bekannten Expat-Plattform Internations anschließen. Sie bringt dich in Kontakt mit anderen Deutschen oder Ausländern in Südafrika, die in diversen Gruppen aktiv sind.