Auswandern: Leben und Arbeiten in Südkorea

Gastbeitrag:

Jobs für Deutsch-Sprechende

Der Großteil der Deutschen, Österreicher und Schweizer ist als Entsandter eines Unternehmens aus der Heimat oder als Sprachlehrer in Korea tätig. Sie kommen entweder aus Abenteuerlust und beruflicher Perspektive oder der Liebe wegen. Nur wer sehr gut mit Sprache und Kultur zurecht kommt, kann einen weiteren Schritt setzen und zum Beispiel die Selbstständigkeit wagen. Ich kenne zwei Personen, bei denen das sehr gut funktioniert hat – einmal als Unternehmensberater, einmal als Life Coach.

Ähnlich wie Japan tendiert auch Korea aktuell etwas dazu sich abzuschotten. Anfang 2018 wurde eine Schulreform verabschiedet, die Englischunterricht erst ab der dritten Schulstufe vorsieht (anstatt ab dem Kindergarten). Das kostete hunderten muttersprachlichen Englischlehrern den Job. Die Einreise als Lehrer wird somit insgesamt schwerer, ist jedoch immer noch realistischer, als in Japan oder Taiwan.

Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis

Für ein reguläres Arbeitsvisum muss ein bisschen Sisiphus-Arbeit verrichtet werden. Zunächst gilt es, eine Arbeit zu finden. Dann schickt der zukünftige Arbeitgeber den Arbeitsvertrag zum Unterschreiben an dich. Du unterschreibst und retournierst den Vertrag (behältst eine Kopie) zusammen mit Unizeugnissen und Strafregisterauszug – jeweils im Original und mit Apostille. Dein auserwählter Arbeitgeber geht nach Empfang der Unterlagen zum Immigration Office Korea und beantragt ein „Certificate of Visa Issuance“. Die Bearbeitungsdauer beträgt dort etwa zwei Wochen. Nach der Bearbeitung gibt das Immigration Office alle nötigen Infos an den Arbeitgeber und dieser leitet wiederum alles an dich weiter (dieser Teil erfolgt rein elektronisch). Nach Empfang des Visa-Zertifikats kannst du zur koreanischen Vertretung in deinem Land gehen und das Visum beantragen. Die Wartezeit beträgt nochmals etwa ein bis zwei Wochen. Die Kosten für die Visaausstellung (nicht in jedem Land gleich) betragen zwischen 30 und 60 Euro und müssten manchmal in bar entrichtet werden.

Achtung: Koreanische Behörden gehen offenbar davon aus, dass die Originaldokumente für die Apostille dupliziert werden, dass also die Apostille auf ein offizielles Duplikat und nicht auf das einzige Original kommt. Zumindest in Österreich wird immer nur bei Verlust eines Dokuments ein Duplikat angefertigt, das heißt eine Apostille kommt auf das Originaldokument. Es könnte eventuell Probleme geben, wenn du nach der Einreise in Korea diese Originale wieder zurück haben möchtest. Manche Sachbearbeiter des koreanischen Immigration Office würden diese Dokumente gerne bis zum Ablauf des Visums behalten! Am besten dem zukünftigen Arbeitgeber gleich mitteilen, dass dieser schon bei der Beantragung des „Certificate of Visa Issuance“ darauf hinweisen möge, dass die Originaldokumente wieder rausgerückt werden sollen.

Fremdsprachenlehrkräfte benötigen ein E-2 Visum. Gerade darüber gibt es allerdings kaum Informationen über die Botschaften, weil das meiste vor Ort in Korea passiert.

Nochmals Achtung: Die Aufregung ist nach erfolgreicher Einreise noch nicht vorbei. Nach Einreise muss man innerhalb von 90 Tagen eine „Alien Registration Card“ beantragen. Für diesen Antrag braucht man das Visum, den Arbeitsvertrag, einen unterschriebenen Mietvertrag, eine Telefonnummer, und den versiegelten Befund eines „Medical Checks“. Letzteres ist eigentlich nicht der Rede wert, es handelt sich um eine normale Vorsorgeuntersuchung. Sie muss allerdings in einer von der Regierung genehmigten Klinik erfolgen. Dein Arbeitgeber sollte hier etwas empfehlen können. Wichtig ist nur, dass du das Kuvert (den Briefumschlag) mit dem Befund NICHT öffnest. Der Befund muss versiegelt bleiben.

Beim Medical Check werden Blut und Urinproben genommen. Das heißt man muss nüchtern und möglichst mit voller Blase erscheinen. Weiters ist der Pass und separat ein Passfoto mitzunehmen. Die Kosten betragen rund 100.000 Won (etwa 80 Euro). Offizielle englischssprachige Seite der koreanischen Regierung.

Gesundheit

Südkorea bietet ein spezielles Visum für medizinische Behandlungen an. Das zeugt von einem gewissen Vertrauen in das eigene Gesundheitswesen und dieses ist auch gerechtfertigt. In meinen sechs Monaten in Korea musste ich einmal in ein Krankenhaus (für den Medical Check, s.o.) und für eine Wurzelbehandlung mehrmals zum Zahnarzt. Ich hatte nie erwähnenswerte Wartezeiten (maximal zwanzig Minuten), es wurde immer sorgfältig gearbeitet (fast übervorsichtig) und darauf geachtet, dass ich weiß was mit mir passiert. Die Englischkenntnisse der älteren Ärzte sind meistens schlecht, aber die Jüngeren sprechen fast immer passabel Englisch. Jetzt liegt’s nur an euch, so gut Englisch zu lernen, dass ihr mit Ärzten kommunizieren könnt :-). Die deutsche Botschaft in Seoul hat mehrere Vertrauensärzte (darunter auch zwei Zahnärzte), die Deutsch sprechen. Wenn man zu einem dieser Ärzte geht, aber zufälliger Weise am anderen Ende der Stadt wohnt, hat man vielleicht zwei Mal neunzig Minuten Wegzeit. Das zehrt an den Nerven, wenn man fünf oder sechs Termine benötigt. Aus diesem Grund habe ich mich für den Zahnarzt aus der Nachbarschaft entschieden und vorab nur von einer koreanischen Bekannten fragen lassen, ob dieser Englisch kann. Die Behandlung läuft gerade, also kann ich noch kein Resümee ziehen. Sie waren sehr nett zu mir, die Kommunikation hat gut funktioniert, jedoch sind wir mittlerweile beim siebten Termin – für eine Wurzelbehandlung mit Krone (die erste Krone hat nicht gepasst) ist das schon exzessiv.

Zur Information: Der Medical Check an einer Uniklinik in Itaewon kostete etwa 80 Euro. Eine komplette Wurzelbehandlung mit weißer Zahnkrone kostete in meinem Fall etwa 500 Euro, das inkludiert allerdings knapp 300 Euro für die Krone. Die koreanische Sozialversicherung übernimmt im Normalfall 50-70 Prozent der Behandlungskosten. Zahnkronen sind allerdings reine Privatleistungen.

Anders als in Österreich ist Mundhygiene in Korea eine Kassenleistung. Für Privatpatienten würde sie etwa 40 Euro kosten.

Ein Unterschied zu Europa ist die mangelnde Privatsphäre. Beim Zahnarzt kommt man in kein abgetrenntes Behandlungszimmer und auch im Spital sind die einzelnen Abschnitte der Vorsorgeuntersuchung in einem großen Raum nebeneinander untergebracht.

Koreanische Sprache & Gesellschaft

Korea ist eine Gesellschaft, in der man das Gesicht wahren muss. Das heißt beispielsweise, dass jemand auf eine in Englisch gestellte Frage nicht antwortet, weil er nichts (grammatikalisch) Falsches sagen will. Vereinzelt sieht man auch Verkäufer, die sich mehr oder weniger gekonnt vor ausländischen Kunden verbergen, um so eine Situation gar nicht heraufzubeschwören. Zumindest in Seoul ist das jedoch eher eine Ausnahme. Fakt ist aber: dieses Land ist nicht mit begnadeten Englischsprechern gesegnet. Das gilt insbesondere für Dienstleistungen von Trockenreinigung bis Gastgewerbe. Und ebenso gilt das – leider – auch für das Seoul Immigration Office. Für den (notwenigen) Besuch dort, sollte man sich eine Koreanisch sprechende Unterstützung mitnehmen.

Andererseits erkennen Koreaner schon an, wenn Ausländer ein paar Worte Koreanisch sprechen. Meine Schüler brechen manchmal in spontanen Applaus aus, wenn ich nur einen halben Satz auf Koreanisch sage (vielleicht wollen sie sich nur das Lachen verkneifen). Ein besonders schönes Erlebnis hatte ich wenige Wochen nach m

einer Ankunft. Ich hatte erst drei oder vier Koreanischklassen besucht, aber konnte zumindest schon unfallfrei den Satz „Ein Stück, bitte“ hervorbringen. Als ich das beim Einkaufen zu einer Marktfrau sagte, war sie ganz aus dem Häuschen und richtete einen endlosen aber herzlichen Schwall Koreanisch in meine Richtung. Leider konnte ich den nur mit einem verwirrten Nicken beantorten.

Besonders schwer zu lernen ist Koreanisch nicht. Natürlich hat es seine Macken und Fallen, aber als agglutinierende Sprache ist es grammatikalisch eher logischer als das flektierende Deutsch. Ein großes Problem beim Vokabellernen ist allerdings, dass es kaum Referenzmöglichkeiten zu europäischen Sprachen gibt. Dass beispielsweise Milch jetzt Uju heißt, muss man einfach in seinen Schädel hineinhämmern. Auch die Satzstruktur ist für Deutschsprachige etwas ungewohnt: statt „Ich möchte ein Stück x bitte.“, heißt es nun „X ein Stück bitte möchte.“

Es ist immer schwierig, neben Vollzeitbeschäftigung und Hobbys auch noch eine Sprache von Grund auf zu lernen. Vielleicht ist es sogar unmöglich. Alle fließend Koreanisch sprechenden Ausländer, die ich hier getroffen habe, haben bereits während Schulzeit oder Studium,oder mit einem „Sprachurlaub“ eine gute Basis zum Weiterlernen geschaffen. Wenn man nur einmal pro Woche zu einem Kurs gehen kann (oder seltener) und in der Arbeit nur Englisch oder Deutsch spricht potenzieren sich die Probleme. Koreaner die man in Lokalen vielleicht trifft, wollen auch eher ihr Englisch trainieren, als minutenlang gebrochenes Koreanisch entschlüsseln. Einen Zwang, Koreanisch über Supermarkt und Restaurant-Vokabeln hinaus zu lernen, gibt es nicht wirklich. Auch wenn die Mühe von den Locals sicherlich anerkannt würde.

Alle Universitäten bieten Sprachkurse in unterschiedlicher Intensität (und Qualität) an, jedoch sind diese für Berufstätige zeitlich nicht zu schaffen. Einige Institutionen (bspw. die Global Center, die Sookmyung’s Women’s University, und das Gal Wol Community Center) bieten einmal pro Woche kostenlose Koreanischkurse an.

Reinlichkeit ist ein wichtiges Thema in Korea. In allen Wohnungen und in manchen Restaurants müssen die Schuhe ausgezogen werden. In allen Fitnesscentern und Schwimmbädern hat man VOR dem Schwimmen/Trainieren zu duschen. Der in Österreich und Deutschland beliebte Trick mit der Kurzdusche in Schwimmkluft ist in Korea nicht drinnen. Garderobe und Dusche sind normaler weise Nackt-Bereiche. Einfach beobachten, was die Koreaner machen. Ansonsten aber bitte auch n

icht zu viel grübeln, ob man alles richtig macht. Koreaner können manchmal etwas stürmisch werden, wenn man einen Blödsinn fabriziert, aber das heißt nicht, dass man später nicht mal einen Soju trinken könnte. Nachtragend sind sie nicht :-).

Die Arbeitskultur in Korea ist auch sehr speziell. Da ich für ein Deutsches Unternehmen arbeite, bin ich  allerdings nicht in einem völlig authentischen Umfeld. Ich verweise deshalb hier an einen genialen Artikel des Magazins BRAND eins mit dem Titel „Aufwachen!“.

Wohnen

Korea hat eines der komplexesten (und teuersten) Mietsystem der Welt. Man zahlt Monatsmiete aber auch eine einmalige Kaution (die bekommt man wieder zurück). Letztere kann in astronomische Höhen hinaufgehen und bei einer mittelgroßen Wohnung in guter Lage schon mal 100 Millionen Won betragen (ca. 80.000 Euro). Positiv ist: je höher die Kaution, desto niedriger die Monatsmiete.

Für Normalsterbliche, die sich maximal fünf bis zehn Millionen Won Kaution leisten können (4.000-8.000 Euro) gibt es drei Möglichkeiten: schlechte Qualität, wenig Platz oder ab in die Peripherie. Ich wohne in Seoul sehr zentral, aber nur auf zwanzig Quadratmetern. Das kostet knapp 500 Euro Miete plus 10 Millionen Kaution (Vertrag für ein Jahr). Immerhin bewohne ich sie alleine, aber gar nicht so viele Miniwohnungen sind von Paaren bewohnt oder fungieren sogar als Zweier-WG. Die teuren Wohnungen sind auch ein Grund, warum so viele jüngere Koreaner noch bei ihren Eltern wohnen.

Die gute Seite: man kann SEHR schnell eine Wohnung bekommen. Wenn man ein bisschen Glück mit dem Makler hat, sogar innerhalb eines Tages. Für den Maklerbesuch sollte man aber definitiv jemanden mitnehmen, der gut Koreanisch spricht. Es gibt eine offizielle Liste der Stadtregierung Seoul mit englischsprachigen Maklern, das Wort englischssprachig bedeutet aber nicht automatisch fließende Kenntnisse. Die komplette Liste gibt es auf der Homepage der Stadtregierung.

Die wichtigsten Immobilienkategorien sind Oneroom (Studio in normalem Wohnhaus), Officetel (Studio im Hochhaus), Villa (Familienwohnung im Wohnhaus) und Appartment (Familienwohnung im Hochhaus).

Wer sich absolut keine Kaution leisten kann, muss sich an ein Goshiwon halten. Das sind studentenheimartige Unterkünfte mit mikrosopisch kleinen Räumen und dünnen Wänden. Auf YouTube gibt es einige schöne Videos über Goshiwon-Zimmer.

Deutsch sprechen in Seoul

Ich wage zu behaupten, dass Deutschssprachige in Korea eher auf der Suche nach Koreanischen Gesprächspartnern sein werden, aber es gibt natürlich auch Zusammenkünfte zum Deutsch sprechen.

Für Österreicher gibt es einen monatlichen Stammtisch der Austrian-Korean Society

  • Zuletzt haben Österreich, Deutschland UND die Schweiz noch authentische Restaurants in Seoul: das „Deutsche Haus“ serviert hauptsächlich Würste, der „Heuriger Seoul“ serviert traditionelle österreichische Heurigenkost von Fritattensuppe über Kümmelbraten bis Serviettenknödel und das „Alt Swiss Chalet“ serviert Steak und Fondue.

Über den Gastautor:

Anfang 2018 zog die Abenteuerlust Reinhard Mayerhofer als Deutschlehrer nach Seoul, Südkorea. Seitdem marschiert er freudig und tapfer durch Bürokratie-, Großstadt-, Kultur- und Sprachdschungel und genießt seine großartige neue Heimat. Er berichtet wöchentlich auf deutschinkorea.blog