Auswandern: Leben und Arbeiten in Dubai

Gastbeitrag

Dubai ist eines von sieben Emiraten, die gemeinsam den föderalen Staat der VAE bilden. Das Emirat ist aufgrund atemberaubender Projekte wie dem Burj Khalifa oder der Palm Jumeirah mittlerweile weltbekannt und dabei gleichzeitig – besonders im Okzident – in vielerlei Hinsicht missverstanden und klischeebehaftet.

Ursprünglich nur eine kleine Siedlung von Seefahrern, Händlern und Perlentauchern, entwickelte sich Dubai nach der Entdeckung des schwarzen Goldes in den 1960er Jahren rasant. Zunächst getrieben von purem Ölreichtum, erkannten die in Dubai herrschenden Al Maktoums weitsichtig, dass eine nachhaltige Entwicklung des Emirats auf mehreren, zukunftsfähigen Standbeinen stehen müsse.

Die Gründung der Emirates Airline – heute größter internationaler Carrier – bedeutete den Startschuss der Entwicklung zur Tourismusdestination. Das in 2004 eröffnete Dubai International Financial Centre (DIFC) zählt mittlerweile zu den zehn wichtigsten Finanzzentren weltweit. Aktuell versucht man, im Bereich digitaler Technologien (insbesondere Blockchain), sowie im verarbeitenden Gewerbe Investitionen und Know-how anzuziehen.

Jobsuche, Aufenthaltsrecht in Dubai

Das oben beschriebene Wachstum schafft insbesondere in den High-Tech- und Dienstleistungsbereichen enorme Nachfrage nach qualifizierten und hochqualifizierten Arbeitskräften. Aufgrund dieser Situation ist es im Gegensatz zu anderen Einwanderungsländern nicht notwendig, den besonderen Bedarf an einer ausländischen Arbeitskraft nachzuweisen – ein Jobangebot genügt für die Erteilung eines Daueraufenthaltsrechts. Gleichwohl muss man wissen, dass es in den VAE, anders als in typischen Einwanderungsländern, derzeit keinen Pfad zur Einbürgerung (außer Heirat) gibt.

Für Deutsche attraktive Jobs gibt es in Dubai insbesondere in der Baubranche, im Tourismussektor sowie in der IT. Teilweise liegen die Gehälter oberhalb des deutschen Niveaus und sind steuerfrei, hingegen sind die Lebenshaltungskosten – besonders für Familien – nicht zu unterschätzen.

Bei der Erledigung der Visa- und sonstigen Formalitäten helfen Arbeitgeber üblicherweise, so dass man diese typischen Hürden von Neubürgern meist schnell hinter sich lassen kann.

Startpunkte für die Suche nach Jobs für Deutsche sind z.B. die Deutsche Außenhandelskammer sowie die Jobwebseite Naukrigulf.

Selbständigkeit in Dubai

Da das Aufenthaltsrecht für Arbeitnehmer strikt an das Arbeitsverhältnis gebunden ist, kommt für Vermögende, Selbständige und solche, die es werden wollen, der Erwerb einer Immobilie oder die Gründung einer eigenen Firma in Betracht, um über diese Wege ein dauerhaft gültiges Visum – unabhängig vom Arbeitgeber – zu erhalten. Die Gründung einer Firma, die die Erteilung von Visa beinhaltet, bedarf eines Eigenkapitals von rund 25.000 Euro, wobei in der Folge generierte Erträge in den VAE sowohl körperschaft- wie auch einkommensteuerfrei sind. Eine zur dauerhaften Gewährung des Residence Status berechtigende Immobilie muss den Wert von 1.000.000 AED (rund 240.000 Euro) überschreiten.

Für Europäer wird ein 90 Tage gültiges Touristenvisum „on arrival“ und ohne weitere Formalitäten genehmigt – mehr als ausreichend für Jobsuche oder Bewerbungsgespräche. Die Attestierung von für im Job oder die Visaerteilung notwendige Urkunden oder Zeugnisse nimmt die Botschaft der VAE in Berlin vor. Vorher sind die Dokumente ins Portal des VAE Außenministeriums hochzuladen und die Gebühren zu entrichten.

Gesellschaft, Religion, Lebensqualität

Da Expats aus aller Herren Länder über 80% der rund drei Millionen Einwohner ausmachen, ist Dubai das Paradebeispiel eines Schmelztiegels. Sprachliche Fähigkeiten sowie interkulturelle Kompetenz sind somit im Job wie auch privat wertvoll bzw. unerlässlich. Amtssprachen sind Englisch und Arabisch, wobei Englisch mit Abstand die meistgesprochene Sprache darstellt und im Alltag absolut ausreicht.

Dubai ist tolerant, modern und weltoffen. Im Gegensatz zu manch anderem arabischen Land ist hier übermäßig konservative Kleidung kein Thema. Alkohol ist vergleichsweise teuer, aber verfügbar und legal und die freie Ausübung der Religion ist erlaubt.

„No gos“ sind insbesondere Alkohol am Steuer, jegliche Art von physischer Gewalt oder Beleidigungen. Übertretungen in diesen Bereichen werden üblicherweise mit der Ausweisung geahndet. Dementsprechend ist Kriminalität nichts, worüber man sich in Dubai Gedanken machen muss.

Zwar zahlt man in Dubai keine Steuern auf Einkommen, gleichzeitig sollte man die vergleichsweise hohen Lebenshaltungskosten nicht unterschätzen. Insbesondere bei Familien spielen hier Schulgeld und Miete typischerweise die Hauptrollen und sollten bei der Gehaltsverhandlung einkalkuliert werden. Oftmals bieten Arbeitgeber für Miete und Schulgeld zusätzliche pauschale Gehaltsbestandteile, um diese Kosten zu decken. Immerhin sind die Mieten in den vergangenen Jahren zurückgegangen, so dass diese sich – je nach Qualität und Lage – vom Niveau deutscher Großstädte nicht mehr unterscheiden. Eine umfassende FAQ zur Miete, wie auch zum Kauf von Immobilien in Dubai sowie aktuelle Angebote speziell auf Deutsche spezialisierten Anbieter, findet man auf Property Dubai.

So vielfältig wie die Bevölkerung ist auch das schulische Angebot. Neben der deutschen Schule (DISD) bieten eine Vielzahl von englischen (International Baccalaureat oder UK Curriculum) sowie weiteren Schulen ihre Dienste an.

Freizeit

Aufgrund seines schnellen Wachstums ist das Emirat dynamisch und stetigem Wandel unterliegend. Sollten Sie versuchen wollen, im Hinblick auf Restaurants, Bars und Nightclubs auf dem Laufenden zu bleiben, werden Sie ihre Mühe haben.

Wer gerne gut isst, kommt in Dubai voll auf seine Kosten. Da mittlerweile auch die weltweit besten Köche in Dubais Gastronomie berufliche Station machen, bewegt sich die Qualität oftmals auf herausragendem Niveau.

Im Hinblick auf das Kulturangebot ist die vor wenigen Jahren eröffnete, in der Großregion einzige Oper zu nennen. Weiterhin verfügt Dubai neuerdings über eine kleine, junge, auch von Locals geprägte Künstlerszene.

Aufgrund seiner vergleichsweise kurzen Historie bietet Dubai wenig Gewachsenes, Authentisches, punktet dafür aber umso mehr beim Freizeitwert. Ob Kitesurfing, Segeln, Fallschirmspringen oder Sandboarding – es gibt fast nichts, was es nicht gibt.

Darüber hinaus wird oft die umliegende Natur unterschätzt. Sowohl die in wenigen Minuten erreichbare Wüste als auch die nahen Hatta-Berge sind gut für unvergessliche Outdoorerlebnisse (Camping, 4WD, Wandern, Klettern etc.).

Was man beachten sollte

Der Wechselkurs des Euro zum VAE Dirham ist recht stabil, da der Dirham fest an den US-Dollar gebunden ist. Kapitalverkehrskontrollen existieren nicht. Der Nachweis einer Krankenversicherung ist mittlerweile Pflicht. Da die lokalen Angebote meist nur Basisleistungen beinhalten, bietet sich der Abschluss einer internationalen Auslandskrankenversicherung der großen Anbieter an.

Viele künftige Expats sehen Probleme in der Anpassung an das Klima, vor allem die heißen Sommer. Unangenehm sind tatsächlich drei Monate zwischen Juli bis September. Da in diesen Zeitraum meist der Jahresurlaub fällt, halten sich die meisten Expats tatsächlich nur zwei Monate des Jahres in gekühlten Räumen auf. Besonders die Übergangszeiten (Herbst/Frühjahr), aber auch der Winter mit ausreichend Licht und Sonne haben ihre Reize.

Vorteilhaft für den Standort Dubai ist auch die außergewöhnlich gute Verkehrsanbindung. Allein Emirates fliegt Frankfurt dreimal täglich an, dazu mehrmals täglich Hamburg, München und Düsseldorf. Der Flug nach Deutschland dauert erträgliche sechs Stunden, dabei ist die Zeitverschiebung so gering (zwei bzw. drei Stunden), dass der Jetlag keine Chance hat. Das Streckennetz von Emirates umfasst 161 Destinationen weltweit und besonders Fernost und Südostasien sind von hier vergleichsweise schnell für Business oder Urlaub zu erreichen.

Über den Gastautor: Christian Atzert ist seit 2006 als selbständiger Berater in der Immobilienbranche in Dubai tätig und in 2014 dorthin ausgewandert. Er betreibt unter anderem die Webseite Property-blog-dubai.com und schreibt für Fachmagazine im Finanzbereich.

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