Auswandern, Leben, Arbeiten und Jobsuche in Südafrika

Leben und arbeiten, wo andere Urlaub machen: Wer sich traut, für den kann dieser Traum im schönen Südafrika wahr werden. Das Alltagsleben in der atemberaubenden Landschaft am südlichsten Zipfel des afrikanischen Kontinents hat jedoch auch seine Schattenseiten: So besteht nach wie vor eine große Kluft zwischen sehr reichen, hauptsächlich weißen, und sehr armen, überwiegend schwarzen Bewohnern. Die Kriminalitätsrate ist im Vergleich zu anderen Ländern seit eh und je hoch. Doch wer sich davon nicht abschrecken lässt und sich auf das Abenteuer Südafrika einlässt, den erwarten gute Jobaussichten und ein relativ hoher Lebensstandard. Selbst wer hier umgerechnet weniger als in seinem Heimatland verdient, kann in der Regel mit seinem Auskommen gut leben.

Jobs für Deutsche in Südafrika

In Südafrika haben zurzeit 26,6 Prozent der Bevölkerung keine Arbeit. Diese Arbeitslosenquote ist für deutsche Verhältnisse astronomisch hoch. Kaum verwunderlich, dass freie Stellen, wann immer möglich, laut Regierungsanweisung zunächst mit heimischen Kräften besetzt werden sollen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass ausländische Arbeitskräfte es in Südafrika besonders schwer haben – in einigen Industrien ist Gegenteiliges der Fall. Da der Bildungsstand großer Teile der Bevölkerung niedrig ist und den Bedarf an Fachkräften nicht abdecken kann, werden stets ausländische Arbeitnehmer gesucht. Das südafrikanische Arbeitsministerium hat in Zusammenarbeit mit der Handelskammer zuletzt 2014 eine Liste sogenannter „Critical Skills“ veröffentlicht, in denen Berufe aufgeführt sind, bei denen dringender Bedarf an ausländischen Mitarbeitern besteht.

Der Bedarf an Deutschsprachigen Arbeitern in Südafrika ist vor allem in der Kundenservice-Industrie und im Tourismus-Bereich hoch. Ein Job in diesen Bereichen kann problemlos gefunden werden, und das Beherrschen der deutschen Sprache ist meist Qualifikation genug. Architekten Ingenieure und IT-Fachkräfte werden ebenfalls gesucht. Die „Critical Skill“-Liste ist lang und online abrufbar. Eine attraktive Möglichkeit für Schul- und Studienabgänger ist, Praktika in Südafrika zu absolvieren. Oft müssen diese selber getragen werden, bereichern jedoch den Erfahrungsschatz und machen sich gut in jedem Lebenslauf.

Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis in Südafrika

Wer in Südafrika leben und arbeiten möchte, benötigt eine Aufenthaltserlaubnis und ein Arbeitsvisum. Ein Arbeitsvisum zu erhalten bedeutet, dass man sich auch im Land aufhalten darf. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, ein solches Arbeitsvisum zu erhalten.

Ein generelles Arbeitsvisum kann ausgestellt werden, wenn die Firma, bei der man angestellt ist, nachweisen kann, dass die Position mit einem heimischen Arbeitsnehmer nicht gefüllt werden kann. Eine Prüfung der Qualifikationen erfolgt von der südafrikanischen Qualifikationsbehörde (SAQA).

Ein Critical Skills Visum kann von jedem erlangt werden, dessen neuer Beruf auf der oben bereits erwähnten „Critical Skills“-Liste aufgeführt ist. Wer eine Anstellung in einem der aufgelisteten Bereiche gefunden hat, dem sind die Arbeitgeber oft beim Beschaffen des Visums behilflich. Häufig werden sogar die Kosten dafür übernommen. Der Prozess wird in den meisten Fällen von gut funktionierenden Immigrationsagenturen begleitet, kann jedoch dennoch langwierig und holprig sein, da die Mühlen der südafrikanische Behörden langsam und unbeständig mahlen. Das Visum gilt maximal 5 Jahre, kann jedoch verlängert werden.

Visumsmöglichkeiten bestehen ebenfalls für Einwanderer, die Kapital in das Land bringen, eine Firma aufbauen und Einheimische einstellen und für Arbeitnehmer, die als Angestellte globaler Firmen zeitweise in einer südafrikanischen Zweigstelle arbeiten. Die Bestimmungen für die Ausstellung der verschiedenen Visa können sich von Zeit zu Zeit ändern, und Prüfungsprozesse können sich mitunter langwierig gestalten.

Bildung in Südafrika

Das öffentliche Bildungssystem in Südafrika ist schwach. Staatliche Schulen sind vor allem in ländlichen Gegenden in einem zum Teil desaströsen Zustand. Es mangelt an sanitären Einrichtungen, Lehrmaterial und gut ausgebildeten Lehrern. Dem gegenüber stehen circa 1.600 private und unabhängige Schulen, die eine gute, bisweilen exzellente Ausbildung ermöglichen und eine Alternative für alle darstellen, die sich die Schulgebühren leisten können. Deutsche und internationale Schulen existieren in Kapstadt, Johannesburg, Pretoria und Durban.

Dass Südafrika ein Land der Gegensätze ist, macht sich auch daran bemerkbar, dass trotz eines generell schlechten Bildungssystems beispielsweise die Universität in Stellenbosch in Bezug auf 18 Fächer zu einer der besten der Welt gehört. Deutsche können sich für bestimmte Fächer einschreiben und müssen für die Bewerbung auf Englisch übersetzte, beglaubigte Dokumente Ihrer bisherigen Qualifikationen einreichen.

Sprache und Gesellschaft

Obwohl offiziell elf Landessprachen kommuniziert werden und knapp 23% der Bevölkerung Zulu sprechen, ist Englisch vor allem in urbanen Zentren die dominante Sprache. Medien, Universitäten und Regierung operieren ebenfalls in Englisch.

1994 fanden in Südafrika die ersten demokratischen Wahlen statt, und die schwarze Bevölkerung konnte sich von den Fesseln der Apartheid befreien. Optimistisch nennen einige die bunte Zusammensetzung der verschiedenen Gesellschaftsmitglieder unterschiedlicher Hautfarben, Religionen, Sprachen und Regeln „Regenbogennation“. Die Folgen der Apartheid sind indessen nach wie vor im Alltag spürbar. Viele irritiert die große Klassen-, Verdienst- und Kluft zwischen Schwarz und Weiß zunächst.
Verbindende Elemente gibt es jedoch auch, und Grillen (südafrikanisch „Braai“) ist ein beliebter Zeitvertreib durch die Schichten hinweg. Eine Einladung zu einem Braai sollte man auf keinen Fall ausschlagen, denn dort werden bei Wurst und Bier die besten Verbindungen geknüpft. Ein mitgebrachter, leckerer deutscher Kartoffelsalat könnte Pluspunkte bringen.

Wohnen und Gesundheit

Wohnraum in der Stadtmitte der zwei populärsten Städten des Landes, Kapstadt und Johannesburg, ist knapp, begehrt und dementsprechend teuer. Täglich strömen zudem Menschen aus den ländlichen Gegenden in die Städte, um dort Ihr Glück zu finden. Unter Studenten und Young Professionals sind Wohngemeinschaften üblich und eine Alternative, sollte man im pulsierenden Zentrum und nicht in den Vororten leben wollen. In der Innenstadt zu leben hat immense Vorteile in einem Land, in dem öffentliche Verkehrsmittel nach 18:00 Uhr nur spärlich oder gar nicht verkehren.

Eine Einzimmer-Wohnung in Kapstadt City kostet zur Zeit zwischen 6.500 und 8.000 Rand (440-540 EUR). Ein recht gut bezahlter Job im mittleren Segment bringt um die 15.000 Rand netto pro Monat ein. Bei vielen Mietagenturen muss man vor Abschluss des Mietvertrags jedoch nachweisen, dass man das Dreifache der monatlichen Mietkosten verdient.

Für eine Krankenversicherung muss jeder Südafrikaner selbst aufkommen. Einige wenige Firmen steuern jedoch einen gewissen Prozentsatz zu den Krankenversicherungskosten bei. Dabei kann man zwischen günstigen, sehr spärlichen Grundpaketen oder All-Inklusive-Angeboten verschiedener Versicherungsanbieter wählen. Die Gesundheitsversorgung ist gut, wenn man über ein entsprechendes Krankenversicherungspaket verfügt.

Deutsche in Südafrika

In Südafrika leben schätzungsweise 100.000 Deutsche, mehr als die Hälfte davon hat sich in Kapstadt niedergelassen. In den größeren Städten gibt es deutsche Vereine, deutsche Geschäfte, deutsche Schulen und Buchhandlungen. Wer Kontakt mit gleichgesinnten Muttersprachlern sucht, findet ihn in Südafrika ganz bestimmt. Das Onlineportal kapstadtmagazin.de ist nicht nur erste Anlaufstelle für deutsche Touristen, sondern auch eine hilfreiche Quelle für deutsche Auswanderer.