Auslandsentsendung und Rückkehr von Expats: Kulturschock überwinden

Eine Auslandsentsendung ist zu Beginn nicht nur mit viel Organisationsstress verbunden, sondern vor allem mit Aufregung. Doch wie sieht es mit dem Gefühlsleben aus, wenn man ein oder mehrere Jahre in einem anderen Land lebt und sich in eine andere Kultur integriert? Schnell wir einem dann klar, dass man früher oder später einen Kulturschock erleidet – kann man den Kulturschock aber überhaupt überwinden?

Die sogenannte „W-Kurve“ ist ein bekanntes Kulturschock-Modell, welches die verschiedenen Phasen eines Expatriates oder eines Auswanderers zeigt, wenn dieser ins Ausland und eventuell zurück in die Heimat geht. Das Living Institute hat die Höhen und Tiefen der Expat-Kurve wunderbar in einem Video dargestellt:


Fast jeder hat schon einmal einen Kulturschock erlebt, doch ist dieser schnell wieder vergessen, wenn man nach dem Urlaub Zuhause in seiner gewohnten Umgebung ist. Wenn man hingegen als Expat für mehrere Jahre ins Ausland geht, dann hat dies viel intensivere Auswirkungen auf das Gefühlsleben.

Das W-Modell besagt, dass sich die verschiedenen Emotions-Phasen während einer Auslandsentsendung schlagartig verändern können. Das Gefühlsleben fährt sozusagen Achterbahn und wenn man die ganzen Ups & Downs graphisch darstellen würde, dann würden diese Höhen und Tiefen ein W formen.

Auslandsentsendung und Rückkehr: Die Phasen des Kulturschocks:

1. Honeymoon Phase

Der Anfang einer Auslandsentsendung wird als aufregend und interessant angesehen. Man fühlt sich fast wie ein Tourist und möchte das Land und seine Kultur entdecken.  Die Euphorie am Neuen lässt einen das alte Umfeld schnell vergessen und man macht freudig Pläne im neuen Land, um schnellstmöglich alles zu sehen.

2. Der anfängliche Kulturschock

Es sind die kleinen Dinge im Leben, die zählen. So sieht es auch in der ersten Zeit nach der Honeymoon Phase aus. Kleinere Missverständnise, Streitigkeiten mit dem neuen Boss oder Unzufriedenheit mit dem neuen Lebensstandard können zu Frustrationen führen. Der Alltag ist eingetreten und man hat keine Lust mehr Touristenattraktionen zu besuchen und das Land zu entdecken.

3. Oberflächliche Anpassung

In dieser Phase lernt man mit den kleinen Unterschieden und Missverständnissen im neuen Land umzugehen. Gefühlstechnisch geht es auch wieder bergauf und man weiß sich besser anzupassen.

4. Der komplette und unausweichliche Kulturschock

Man hat es ja versucht. Die Missverständnisse, die einen zu Anfang geärgert haben, hat man versucht zu tolerieren, aber jetzt wird alles einfach zu viel. Es sind auch nicht mehr bloß die kleinen Missverständnisse, die einen stören; in dieser Phasen fallen einem die verschiedenen Werte und Normen der anderen Kultur auf. In dieser Phase fühlt man sich fremd. Die Menschen im neuen Land scheinen nicht nach den selben Werten zu leben und man möchte sich am liebsten verkriechen. In dieser Phase ist es allerdings wichtig, dass man sich nicht isoliert und mit den Einheimischen in Kontakt bleibt.

5. Integration

Integration bedeutet nicht, dass man seine eigenen Werte gegen die der neuen Kultur austauschen muss. In dieser Phase lernt man die andersartigen Werte und Regeln zu akzeptieren. Je mehr Sie über das neue Land, die Kultur oder sogar die Sprache lernen, desto eher werden Sie diese verstehen und auch akzeptieren und tolerieren.

6. Eigenkulturschock

Nachdem Sie sich wunderbar im Land Ihres Auslandeinsatzes eingelebt haben, müssen Sie auch schon wieder zurück. Sie werden sich wahrscheinlich wieder wie zu Beginn Ihres Auslandeinsatzes fühlen: aufgeregt. Wenn Sie zurück in Ihrer alten Heimat sind, dann werden Sie merken, dass Sie sich verändert haben. Vielleicht vermissen Sie Ihre gewohnte Expat-Umgebung, die Freunde, die Sie in der Ferne zurückgelassen haben, und den Job, den Sie jetzt erfolgreich beendet haben. Es mag komisch klingen, aber Sie werden sich fühlen, als ob Sie sich wieder in Ihre Heimat einleben müssen.

Kann man diese Phasen umgehen?Auslandsentsendung

Der ein oder andere mag sich jetzt fragen, ob wirklich jeder durch diese Phasen während einer Auslandsentsendung geht und ob es nicht einfach einen Trick gibt, um diese Phasen einfach zu umgehen. Natürlich hilft es einem, wenn man sich bewusst macht, dass man gerade einen Kulturschock erlebt und man sich mit der Zeit einleben wird. Allerdings erleben selbst erfahrene Expats Kulturschocks. Vorbereitung und Interesse am neuen Land sind daher das A und O, wenn Sie Ihren Auslandseinsatz planen. Selbst eine gute Vorbereitung kann keinen Kulturschock oder mögliche Missverständnisse verhindern, aber es wird Sie verständnisvoller machen.

Die Tiefen im W-Modell sind nicht mit einer schweren Depression gleichzusetzen, allerdings sollten Sie wachsam sein, wenn es um Ihre psychische Gesundheit im Ausland geht. Auch wenn es manchmal einfach zu viel wird, hilft es Ihnen wenig, sich zu verkriechen. Sport und der regelmäßige Kontakt zu Einheimischen oder anderen Expats kann Ihnen helfen, die Tiefs des Alltags zu bekämpfen.

Tipps um den Kulturschock zu überwinden

Ob gerade frisch im fremden Land angekommen oder in die bekannte Heimat zurückgekehrt, der Kulturschock ist zu erwarten. Die Herausforderung ist diesen so gut wie möglich und schnell zu überwinden.

Im neuen Land

Im Vorfeld sollte man sich bereits intensiv mit dem neuen Land beschäftigen. Dadurch wird man bereits viele Aspekte identifizieren können, die einem fremd vorkommen und Probleme bereiten können. Außerdem sorgt das Wissen dafür, dass vieles einen nicht mehr so schockiert, da es nicht überraschend kommt. Ebenfalls helfen kann der Austausch mit Menschen aus dem eigenen Kulturkreis, die den Kulturschock im Zielland bereits durchlebt haben. Mit ihnen hat man auch gleich soziale Kontakte, die einem den Einstieg erleichtern. Wer in ein Land mit fremder Sprache zieht, sollte in Betracht ziehen diese (vorher) zu lernen. Mit Sprachkenntnissen fühlt sich gleich alles weniger fremd an und es ist einfacher sich in alltäglichen Situationen zurechtzufinden. Unbedingt vermeiden sollte man sich zurückzuziehen und sich den neuen Eindrücken nicht zu stellen. Die einzige Medizin gegen den Kulturschock ist die Auseinandersetzung.

Zurück in der Heimat

Das trifft auch auf den Kulturschock zu, den man nach Rückkehr in die alte, bekannte Heimat erfahren kann. Dieser kommt für viele oft unerwartet und vollkommen unvorbereitet. Besonders wer länger im Ausland gelebt hat, wird feststellen, man hat sich nicht nur selbst verändert, sondern auch das Umfeld in der Heimat und durchaus auch einiges im Land. Um sich vorzubereiten und das Einleben zu vereinfachen, sollte man sich bereits im Vorfeld Gedanken darüber machen, was einem in der Heimat erwarten wird und auch was sich zum momentanen Wohnort unterscheidet. Auch in diesem Fall wird der Austausch mit anderen Rückkehrern helfen, sowie soziale Kontakte im Allgemeinen, die dabei helfen, sich wieder einzugewöhnen und sich nicht fremd in der ehemaligen und neuen Heimat zu fühlen.