Auswandern: Leben und Arbeiten in Spanien

Gastartikel

Spanien ist eins der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen. Alleine im Jahr 2018 zog es 6,84 Millionen Deutsche in den Spanien-Urlaub. Sonne pur, Siesta-Mentalität, atemberaubende Landschaften, frisches Obst und Gemüse und außerdem nur eine kurze Flugstrecke von Deutschland entfernt, machen das Land so attraktiv. Der ein oder andere hat sich während dem Urlaub anscheinend so in das Land verliebt, dass er gar nicht mehr weg wollte, denn das Land zieht viele Auswanderer an. In diesem Gastartikel berichtet Mike Lippoldt, was er in den letzten 15 Jahren in Spanien gelernt hat und was er heute anderes machen würde.

Wo in Spanien leben und arbeiten?

Wer nach Spanien auswandern möchte, sollte zunächst abwägen, wo die Reise hingehen soll. Spanien gliedert sich in siebzehn autonome Regionen. Fünfzehn autonome Regionen liegen auf der iberischen Halbinsel und zwei befinden sich auf den Inselgruppen der Balearen und auf den Kanarischen Inseln. Hinzu kommen die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in Marokko.

Jede autonome Region in Spanien hat ihren ganz besonderen Charme und abhängig von persönlichen Präferenzen in Bezug auf Klima, Kultur und Geografie kann für den Einzelnen Nordspanien, Südspanien oder auch eine spanische Insel ein ideales Auswanderungsziel darstellen. Ich entschied mich für Andalusien. Jedoch hatte ich zuvor bereits viele der autonomen Regionen Spaniens bereist und wußte schnell, dass Andalusien zu meinen persönlichen Favoriten gehört.

Grundlegende Anforderungen für das Arbeiten in Spanien

Basierend auf eigenen Erfahrungen kann ich heute sagen, dass die beste Möglichkeit der finanziellen Grundlagenschaffung im Ausland ein selbständiges Business ist. Auf das Wie gehen wir später noch genauer ein, denn der Aufbau eines selbständigen Business kann eine langwierige Herausforderung darstellen. Vor allem im Ausland.

Die Zwischenzeit bis zu den ersten nennenswerten Einkünften aus dem eigenen Geschäftsmodell muss durch andere finanzielle Quellen überbrückt werden. Wer es so wie ich eilig mit dem Auswandern hat, der kann sich auch durch verschiedene Jobs in ausländischen Unternehmen seine Brötchen verdienen.

Grundlegende Anforderungen für einen Job als Deutscher in einem spanischen Unternehmen:

  • NIE-Nummer (Número de Identificación de Extranjeros): Kann durch Vorlage des Reisepasses innerhalb eines Tages auf der zuständigen Polizeibehörde beantragt werden.
  • Beherrschen der Sprache: Spanisch oder im Falle eines Jobs in einem internationalen Unternehmen ggf. auch Englisch.
  • Eröffnung eines eigenen Konto: Kann mit dem Arbeitsvertrag und der NIE-Nummer in jeder spanischen Bank eröffnet werden.

NIE-Nummer: Die NIE-Nummer ist absolut notwendig und sollte direkt nach Ankunft beantragt werden. Die Ausstellung dauert im Normalfall nicht länger als einen Vormittag. Die NIE-Nummer wird für alle möglichen bürokratischen Angelegenheiten für das Leben in Spanien benötigt wie Arbeitsvertrag, Kontoeröffnung, Autokauf, Wohnungskauf, Hauskauf, etc. Für die Beantragung muss ein gültiger Reisepass vorgelegt werden.

Krankenversicherung: Wer einen Arbeitsvertrag in Spanien besitzt, der ist automatisch über die Sozialversicherung auch krankenversichert. Wer noch keinen Job in Spanien hat, der kann eine private Krankenversicherung abschließen.

Kontoeröffnung: Beim Abschließen eines offiziellen Arbeitsvertrag ist eine Kontonummer notwendig. Auf diese Kontonummer wird das Gehalt überwiesen. Wer noch kein Konto hat, der kann ein Konto über den Arbeitgeber bei der Bank des Arbeitgebers eröffnen. Notwendig hierfür ist die NIE-Nummer, die ja sowieso grundlegend für den Abschluss eines Arbeitsverhältnis in Spanien ist.

Erlernen der spanischen Sprache

Als ich nach Spanien auswanderte, kannte ich nur wenige Brocken auf Spanisch. Die Sprache lernte ich dann autodidaktisch während der Arbeit im spanischen Unternehmen, wo ich meinen ersten Job bekam. Hierfür hatte ich stets ein Wörterbuch mit dabei. Abends lernte ich dann die grundlegenden Grammatikkenntnisse im Selbststudium.

Wer in einem spanischen Unternehmen arbeiten möchte, der sollte auch die Sprache beherrschen. In den meisten spanischen Unternehmen ist das sowieso Voraussetzung (außer in internationalen und mehrsprachigen Unternehmen).

Wer jetzt schon weiß, dass er nach Spanien auswandern möchte, sollte so früh wie möglich damit beginnen, die spanische Sprache zu studieren. Auf diese Weise steigen die Chancen eines schnellen Berufseinstieges in Spanien enorm.

Beste Möglichkeiten einen Job in Spanien zu bekommen?

Meinen ersten Job in Spanien fand ich durch intensive Suche vor Ort. Über den Zeitraum mehrerer Wochen klapperte ich sämtliche Unternehmen in meiner neuen Wahlstadt Marbella (Andalusien) ab und meine Hartnäckigkeit wurde schließlich vom Erfolg gekrönt.

Ich bin überzeugt, dass diese Form der Arbeitssuche auch heute noch die erfolgsversprechendste ist. Meinen zweiten Job in Marbella bekam ich dann über einen Kontakt in meinem vorangegangenen Unternehmen in Marbella.

Wer finanzielle Rücklagen hat oder so wie ich das Abenteuer liebt, der kann direkt nach Spanien gehen und dort auf gut Glück versuchen, eine Arbeitsanstellung zu finden. Wer weniger auf sein Glück und auf sein Durchhaltevermögen bei der Jobsuche setzen möchte, der sollte bereits vor der Auswanderung damit beginnen, über entsprechende Kontaktaufnahmen mit Unternehmen, durch Bewerbungen und durch internationale Jobvermittlungen eine Anstellung zu bekommen.

Alltagsleben in Spanien?

In vielen Aspekten unterscheidet sich die spanische Lebensart von der deutschen Lebensart. Neben dem angenehmen mediterranen Klima, den netten Menschen, der kulturellen Vielfalt und den geografischen Besonderheiten (Gebirge, Mittelmeer, Atlantik) ist es vor allem die Lebensart, die mich schon immer an Spanien fasziniert hat.

In Deutschland fahren viele Menschen morgens auf Arbeit, kommen nachmittags oder abends wieder nachhause, verbringen ihre freie Zeit vor dem Fernseher und beginnen am nächsten Tag wieder mit dem gleichen Trott. Einmal im Jahr oder auch mehrere Male im Jahr fliegen sie in den Urlaub. Im Prinzip arbeiten sie aber das ganze Jahr dafür, dass sie sich dann von dem erarbeiteten Geld einmal im Jahr ihren Urlaub leisten können.

In Spanien arbeiten die Menschen natürlich auch. Und viele arbeiten sehr hart, da das soziale System hier weniger gut ausgebaut ist wie in Deutschland. So bekommt man in Spanien zwar auch Arbeitslosengeld, aber eben nur eine bestimmte Zeit lang. Dann ist man wieder auf sich selbst angewiesen. Sozialhilfe wie in Deutschland gibt es in Spanien nicht. Die Zeit zwischen, vor und nach der Arbeit gestalten die Spanier im Gegensatz zu vielen Deutschen jedoch sehr gesellig und kreativ.

Das Leben in Spanien spielt sich tatsächlich auf der Straße ab. Die Menschen treffen sich kaum zuhause sondern vorzugsweise in Restaurants, Bars, Pubs oder in Terrassenbars. Hier wird oft stundenlang Kaffee getrunken, es werden Tapas gegessen und nicht selten gesellen sich dann weitere Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder dazu. Mittags und abends wird kurzfristig Essen gegangen und zwar nicht nur an Sonn- und Feiertagen, sondern an jedem beliebigen Tag in der Woche.

Wie kann ich mich am besten in Spanien selbständig machen?

Für die Selbständigkeit in Spanien gelten prinzipiell die gleichen Grundvoraussetzungen wie für die Jobannahme. Absolut grundlegend sind NIE-Nummer und eigenes Konto. Die Anmeldung zur Selbständigkeit (Autónomo) kann an einem Tag erledigt werden. Hierzu sollte eine Gestoría(Agentur) zur Hilfe genommen werden. Auch ich ließ meine Selbständigkeit über eine Gestoríaanmelden.

Abhängig von der Agentur und vom monatlichen Einkommen des Selbständigen fallen monatliche Agenturgebühren zwischen 40 bis mehrere hundert Euro an. Die Agentur erledigt die Anmeldung auf dem Finanzamt und bietet Hilfestellung in allen bürokratischen Angelegenheiten in Bezug auf die Selbständigkeit.

Alle drei Monate müssen Rechnungen, Quittungen und Bankbelege über die Einkünfte bei der Gestoría eingereicht werden, die diese einordnet und an das Finanzamt übermittelt. Abhängig vom Einkommen und von der Art des Einkommens müssen dann die Steuern bezahlt werden.

Als Selbständiger muss ein monatlicher Grundbetrag für die Sozialversicherung abgeführt werden. Somit ist jeder Selbständige in Spanien automatisch auch krankenversichert. Der monatliche Grundbetrag für die Sozialversicherung als Selbständiger liegt bei um die 300 Euro.

Seit 2017 können neue Selbständige mit einem geringeren Prozentsatz dieser Grundgebühr ihre Selbständigkeit beginnen. Die Einstiegsgebühren liegen momentan bei um die 50 Euro, die sich dann nach Beendigung des ersten Jahres langsam bis zum vollen Sozialversicherungsbetrag steigern.

Schritt für Schritt zur Selbständigkeit in Spanien:

  1. NIE-Nummer
  2. Eröffnung eines eigenen Konto
  3. Anmeldung auf Finanzamt und Sozialversicherung als Selbständiger: Hierfür empfiehlt sich die Beauftragung einer Agentur (Gestoría)

Mit welchen Geschäftsmodellen kann man sich am besten in Spanien selbständig machen?

Wer finanzielle Rücklagen hat, der kann sich auf viele Arten in Spanien selbständig machen. Nicht wenige Deutsche Ausländer eröffnen in Spanien ein eigenes Lokal, betreiben eine Ferienunterkunft oder beteiligen sich an Gaststätten- oder Hotelgewerben. Es gibt Deutsche, die eine eigene KFZ-Werkstatt an der Küste eröffnen, es gibt deutsche Bäcker und deutsche IT-Unternehmer.

Ich habe mich für ein ortsunabhängiges Business als Internet-Unternehmer entschieden. Auch dieser Weg war nicht einfach, aber für mich stellt diese Form des Business die attraktivsten Möglichkeiten als Selbständiger in Spanien dar. Ich bin nicht ortsgebunden und kann verreisen, wann immer ich will.

Wie ich es schaffte, mein Business aufzubauen, darauf möchte ich jetzt nicht noch ausführlicher eingehen, da es den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Mit einer guten Idee, Willensstärke und vor allem mit ausreichend Ausdauer wirst aber auch du ganz sicher deinen Traum vom Auswandern nach Spanien erreichen!

Über den Autor

Mike Lippoldt lebt seit 2003 in Andalusien, ist selbständiger Unternehmer und Gründer der Outdoor-Marke ousuca®. Nach zahlreichen teils unkonventionellen Reisen wanderte Mike vor 15 Jahren auf abenteuerliche Weise mit dem Fahrrad nach Spanien aus. Ohne finanzielle Rücklagen und die ersten Wochen am Strand von Marbella schlafend, erschuf er sich im Ausland aus eigener Kraft und von Null ein neues Leben. Die spanische Sprache eignete er sich während der Arbeit in einem spanischen Unternehmen autodidaktisch an.