Eigenes Buch selbst verlegen im Selbstverlag: Tipps und Tools

Die Möglichkeit, ein Buch herausbringen zu können, ohne vorab einen Verlag zu überzeugen, Absagen zu kassieren, Korrekturen vornehmen zu müssen und unter Umständen eine Vertragsbindung einzugehen, das ist eine wunderbare Sache. Und dank einer Vielzahl von Self-Publishing-Plattformen auch ganz leicht.

Akzeptiert werden auf den meisten Portalen Bücher aller Art und aller Sprachen, solange du der Rechteinhaber der Werke bist, und die Bücher den jeweiligen Richtlinien entsprechen. Die Inhalte dürfen nicht beleidigend sein oder pornografische, rechtswidrige und gemeinfreie Themen enthalten. Ob du Krimis, Liebesromane oder Comics veröffentlichst beziehungsweise nur deine Studienarbeiten einer breiten Masse zugänglich machen möchtest, möglich ist alles.

Und das Beste ist, die veröffentlichten Büchern und E-Books bringen selbstverständlich auch Geld ein. Die Self-Publishing-Portale behalten einen Teil der Bucherlöse, der Rest geht an dich. Wie hoch der Verdienst ist, richtet sich je nach Plattform nach verschiedenen Kriterien. Der Autor erhält in der Regel zwischen 35% und 70% des Gewinns, was mehr ist, als klassische Verlage gegebenenfalls zahlen würden.

Direktanbieter oder Distributor?

Ist der Entschluss gefasst, ein Buch oder E-Book im Selbstverlag herauszubringen, gilt es, einen passenden Anbieter und eine geeignete Plattform dafür zu finden.

Direktanbieter mit eigenen Self-Publishing-Portalen wie beispielsweise Amazons Kindle Direct Publishing (KDP), Apples iBooks Author oder Kobos Writing Life stellen E-Books direkt in die eigenen Buchshops ein. Das heißt, Autoren fertigen und vertreiben ihre digitalen Werke direkt für das Publikum der Verkaufsplattform.

Distributoren wie BookRix, BoD (Books on Demand), XinXii, epubli oder neobooks halten dir zwar die Plattform für die Bucherstellung bereit, haben aber keine eigenen Shops. Sie beliefern Amazon, Apple, Kobo, Thalia, Buch.de und viele andere Buchanbieter mit den Büchern ihrer Autoren.

Der Vorteil von Distributoren besteht darin, dass eine große Anzahl von Buchläden beliefert werden. Somit musst du das E-Book nur einmal über eine Plattform einstellen. Bei Direktanbietern hingegen konfigurierst du das Buch speziell für diese eine Verkaufsplattform. Du kannst es zwar auch bei anderen Buchläden anbieten, musst das Manuskript dafür jedoch möglicherweise neu formatieren und mehrere Nutzerprofile und Buchbeschreibungen bei zusätzlichen Portalen anlegen.

Gedrucktes Buch oder E-Book oder beides?

Es macht Sinn, sich schon im Vorfeld zu überlegen, ob man sein Buch vorerst nur als digitale oder auch als gedruckte Version herausbringen möchte – oder ob man sich beide Optionen offen halten möchte. Einige Anbieter legen dein Angebot ganz auf den E-Book-Markt aus, so dass es mit einigem Aufwand (und wiederum mehreren Nutzerprofilen) verbunden ist, wenn du als Autor später noch eine Printausgabe hinzufügen möchtest.

Amazon Kindle Direct Publishing (KDP), neobooks, BoD (Books on Demand) und epubli machen es einfach, eine digitale und eine gedruckte Version auf einen Schwung zu veröffentlichen. Sie geben den Autoren Werkzeuge für beides an die Hand.

Andere Portale wie beispielsweise Apples iBooks Author oder BookRix spezialisieren sich nur auf den digitalen Markt. So geht es:

Formatierung

Wenn du deine Buchidee verwirklichst und das Manuskript fertiggestellt hast, musst du dein Werk formatieren. Hier ist zu beachten, dass verschiedene Anbieter unterschiedliche Formatvorgaben haben. Das PDF-Format ist bei vielen Self-Publishing-Plattformen die populärste Ausgabe. Word-Fassungen werden ebenfalls oft akzeptiert und dann von der Plattform selber in eine entsprechende firmenkompatible Dimension umgewandelt. Es empfiehlt sich jedoch, sich ganz genau beim entsprechenden Portal zu erkundigen, welche Ausführungen die besten optischen Resultate erzielen. Beachten solltest du ebenfalls, dass E-Books bestimmte Formate aufweisen, die jedoch beispielsweise aus Word generiert werden können. Oft kann man geschriebene Inhalte direkt in einem Editor auf der Self-Publishing-Plattform ins E-Book-Format (gängige Formate sind ePub oder MOBI) umwandeln.

Nutzerkonto erstellen

Sofern nicht schon erledigt, muss ein Nutzerkonto beim entsprechenden Anbieter angelegt werden, indem auch Bankdetails hinterlegt sind. Dies ist wichtig, damit Tantiemen ausgezahlt werden können.

Buchmetadaten eingeben

Dein Buch benötigt eine Buchbeschreibung, Suchstichwörter, Angaben zum Autor und andere beschreibende Attribute, damit es in relevanten Suchergebnissen erscheint und von den richtigen Lesern gefunden werden kann. Bei Kinderbüchern ist beispielsweise die Angabe eines geeigneten Lesealters wichtig.

Coverbild hochladen

Ein ansprechendes Coverbild kann entweder eine auf der Basis einer Vorlage generierte Darstellung, ein von dir gänzlich selbst erstelltes Bild, oder ein voll professionell gestaltetes Werk darstellen. Da das Cover dem Leser einen ersten Eindruck von der Qualität deines Buchs vermittelt und der erste Eindruck bekanntlich zählt, sollte hier keine laienhaft wirkende Grafik verwendet werden. Möglicherweise zahlt es sich später aus, ein wenig Geld in die Hand zu nehmen und das Coverbild von einem Profi kreieren zu lassen.

Preis festlegen

Die meisten Self-Publishing-Portale lassen dir bei der Preisgestaltung deiner geschriebenen Werke freie Hand – solange sich diese in einem gewissen Rahmen bewegt. Die Höhe der Tantiemen ist manchmal am Preis orientiert, so dass im Vorhinein genau kalkuliert werden sollte, wie viel ein Buch kostet. Eine kleine Marktanalyse Bücher ähnlichen Genres gibt Aufschluss über marktfähige Preise. Laut Studien verkaufen sich E-Books im Bereich 2,99 bis 5,99 Euro am besten.

Steuerformular ausfüllen

Achtung, wenn du dich für einen amerikanisches Publishing-Portal wie Amazon Kindle Direct Publishing (KDP) oder Apple iBook Author entscheidest, musst du ein Steuerformular ausfüllen, das an die amerikanische Steuerbehörde geschickt wird. Der Fragebogen soll ermitteln, ob deine Einnahmen in den USA versteuert werden müssen. Dieses Steuerformular ist nicht immer selbsterklärend, aber du findest im Netz ausreichende Hilfen.

Marketing betreiben

Bücher verkaufen sich nicht komplett von selber. Ist dein Buch veröffentlicht, bist du noch nicht fertig mit der Arbeit, denn du musst Leser gewinnen. Mittlerweile zählen Preisaktionen, Gewinnspiele, Leserunden, Newsletter oder Facebook-Seiten zu den Werbemaßnahmen, die erfolgreiche Self-Publisher regelmäßig durchführen. Die Self-Publishing-Portale geben deinen Nutzen allesamt Tipps dafür an die Hand und stellen teilweise sogar Werkzeuge dafür zur Verfügung.

Tools zum Bücher veröffentlichen

Eine Vielzahl von frei zugänglichen und kostenpflichtigen Tools hilft Self-Publishern dabei, ein großartiges Produkt zu gestalten.

Scrivener stellt ein Management-System bereit, um Dokumente, Notizen, Recherchen und Metadaten zu verwalten.

Papyrus Autor ist ein Schreibprogramm für Schriftsteller, das Autoren in allen Phasen der Bucherstellung unterstützt: bei der Planung, beim Schreiben, bei der Überarbeitung und der Veröffentlichung.

Mit der iBooks Author App lassen sich Galerien, Videos, Diagramme und mathematische Formeln in E-Books einfügen. Die App enthält ferner optisch hochwertige Buchvorlagen.

Jutoh ist eine kostenpflichtige Software, mit der man E-Books im ePub und MOBI-Format aus Texten aller Art erzeugen kann.

Das Gratis-Programmpaket von Calibre ist ein nützliches Werkzeug bei der Verarbeitung, Konvertierung und Verwaltung von E-Books.

Mit Canva lassen sich im Handumdrehen schöne Coverbilder gestalten. Es funktioniert nach dem Drag and Drop-Prinzip und hält hunderte von Vorlagen bereit, und das alles kostenlos.