Was beim Auslandsaufenthalt beachten: 4 Dinge, die ich gerne vorher gewusst hätte

Auslandsaufenthalte bilden weiter, jedoch ist nicht alles immer so wie man es sich erhofft hat. (Foto: Shutterstock)
Bei dem Gedanken daran einige Zeit im Ausland zu leben, kommen einem viele Ideen, wie bereichernd so eine Erfahrung sein würde und wie sie einen verändern könnte. Doch Hand aufs Herz: Sind viel dieser Einfälle nicht ziemlich romantisiert? Beim Auslandsaufenthalt muss man nämlich so einiges beachten.

Zwar war die Entscheidung einige Jahre im Ausland zu leben, eine der besten meines Lebens, allerdings haben sich einige meiner Vorstellungen, die ich anfänglich hatte, als unwahr herausgestellt.

1Eine neue Sprache lernst du während dem Auslandsaufenthalt nicht auf der Straße

Eine dieser romantisierten Vorstellungen, die ich vom Leben im Ausland hatte, war es die Landessprache wie von ganz allein zu lernen. Dabei verließ ich mich auf mein Sprachentalent, dass man mir in der Schule zugesprochen hatte. Schließlich waren Englisch und Französisch meine stärksten Fächer in der Schule. Also würde mir auch das Erlernen einer dritten Fremdsprache leicht fallen – dachte ich zumindest.

Nun muss ich einsehen, dass mein „Sprachentalent“ zu einem großen Teil darauf zurückzuführen ist, dass ich eine sehr fleißige Schülerin war. Eine Eigenschaft, auf die ich während meines Auslandsaufenthalts nicht immer Lust hatte. Lieber wollte ich abenteuerlustig, unbesorgt und neugierig sein. Lieber wollte ich meine Zeit damit verbringen, Land und Leute kennenzulernen, anstatt einen Sprachkurs zu besuchen. Ich wollte die Sprache lernen, indem ich mit den Einheimischen mit Händen und Füßen kommuniziere. Oder wie ich es auch oft sagte: Die Sprache auf der Straße lernen.

Ein wenig hat das auch geklappt. Essen bestellen, nach dem Weg fragen und ein bisschen Small Talk schnappt man schnell auf, lässt sich schnell online nachsehen und verinnerlichen. Dieser Prozess macht unheimlich viel Spaß. Aber die Grenze von dem Bisschen, was man „auf der Straße“ lernt, ist schnell erreicht und oft musste ich meinem Gegenüber dann doch fragen, ob er nicht vielleicht auch Englisch verstehen würde.

Denn Grammatik und Verben konjugieren lernst du nicht einfach auf der Straße und auch nicht bei zehn Minuten Duolingo abends vorm Schlafengehen. Im Nachhinein hätte ich doch lieber meiner FOMO die Stirn geboten und einige Stunden im professionellen Sprachkurs verbracht. Klar, kann ich das auch jetzt noch nachholen, wo ich wieder in Deutschland lebe. Aber damals im Ausland war ich vor Ort und hätte mein Neugelerntes direkt auf der Straße ausprobieren können.

2Vergiss nicht, Tourist zu sein

Ein Auslandsaufenthalt verlangt eine Menge Planung und Organisation, die nicht damit enden, dass man im angestrebten Land ankommt. Besonders anfänglich müssen noch viele Dinge geregelt werden, wie der Einzug in die Unterkunft, Termine bei lokalen Ämtern, das Beschaffen einer Handynummer und ein Ticket für den öffentlichen Nahverkehr. Bald darauf beginnt der Job oder die Uni, was wieder eine Menge Zeit und Arbeit einnimmt und ganz nebenbei soll man ja noch Freunde finden und die Stadt erkunden.

Während man so damit beschäftigt ist, sich der neuen Kultur anzupassen und sich einen Alltag aufzubauen, vergisst man manchmal Tourist zu sein. Die meiste Zeit bleibt man nur in seiner Stadt hängen und beschränkt das Auslandsabenteuer auf die vielen Dinge in nächster Nähe. Dabei ist man doch nicht ins Ausland gekommen, um nur eine Stadt kennenzulernen, sondern um zu reisen. Und ja, in diese Stadt bist du gereist, aber nur in dieser abzuhängen hat weniger mit Reisen zu tun.

3Freunde finden während dem Auslandsaufenthalt ist richtig schwierig

Eines der ersten Dinge, die es auf der To-Do Liste abzuhaken gilt, sobald du an deinem Traumort angekommen bist, ist es Freunde zu finden. Mit Sicherheit ist das auch der schönste aller Punkte auf der To-Do Liste eines jeden Auslandaufenthalts. Aber wenn das doch mal so einfach wäre! Denn Leute treffen ist nicht das gleiche wie Freunde finden.

Das digitale Zeitalter macht es zwar leicht, sich online über Meetup, Couchsurfing und Co. zu vernetzen, doch genauso schnell, wie man sich mit neuen Leuten zusammenfindet, genauso schnell verliert man sich wieder. Besonders in Großstädten wartet am nächsten Tag bereits ein neues Event, auf dem man neue Leute kennen lernen wird. Wieso dann die Mühe machen, die Bekanntschaft von heute morgen noch zu pflegen?

Dazu kommt, dass bei solchen „International Meetups“, viele Teilnehmer nur auf der Durchreise sind oder nur wenige Monate in der Stadt bleiben werden. Klar kann man auch mit Backpackern und City-Hoppern großartige Freundschaften schließen. Jedoch sind das meist nicht die Leute, die man sucht, wenn man sich nach einem beständigen Freundeskreis umschaut, der für mehr da sein soll, als nur zum Feierabendbier.

Vor allem im Ausland fernab von den Liebsten aus der Heimat ist es wertvoll, wenn man sich Freunde findet, die zur zweiten Familie werden oder wie man auf englisch sagt, zum „Support System“. Beim Auslandsaufenthalt ist es nämlich umso wichtiger, dass man sich im Notfall auf jemanden verlassen kann.

Manchmal hat man ja Glück: Man kennt vielleicht bereits jemanden in der neuen Stadt oder kennt jemanden, der wen kennt. Oder man hat tolle Mitbewohner, tolle Kommilitonen oder tolle Kollegen. Aber leider will das nicht immer auf Anhieb klappen mit dem Freunde finden. Dann kann das beklemmend werden. Man fängt an sich unter Druck zu setzen bei einer Sache, die mit Druck leider gar nicht funktioniert. Wer sich in dieser Lage befindet, der findet in unserem Artikel „15 Tipps, wie man Freunde im Ausland findet“ Ratschläge, wie man sich einen Freundeskreis finden kann.

4Zu Hause ist nicht immer gleich da, wo du bist

Auch wenn du bereits einige Zeit an einem neuen aufregenden Ort lebst und deinen Auslandsaufenthalt in vollen Zügen genießt. Wenn du eine Unterkunft gefunden hast, in der du dich gemütlich einrichten konntest. Wenn du bereits deinen Alltag und herzliche Freunde gefunden hast. Zudem auch bereits weißt, was du in welchem Supermarkt erhältst und das Metronetz auswendig kennst, Es kann eine ganze Weile dauern, bis du dich im Ausland zu Hause fühlst.

Weniger lange braucht es bis zu dem Punkt, an dem du sagst: „Ich bin angekommen“. Das ist das Gefühl zu verstehen, ob du auch mal bei rot über die Straße laufen kannst, ohne dich in Lebensgefahr zu bringen oder dich darin sicher zu fühlen, wen du mit wie vielen Küsschen und Händeschütteln richtig begrüßt. Aber das Gefühl zu Hause zu sein, ist ein anderes.

Klar hängt das auch stark von der jeweiligen Person ab. Aber fern von dort zu sein, wo man herkommt, weckt ein Verständnis dafür, wie sich zu Hause überhaupt anfühlt. Auch wenn es gut läuft im Ausland, gibt es immer irgendetwas, das sich fremd anfühlt oder das dazu führt, dass man sich selbst fremd fühlt. Das können ganz kleine Dinge sein, wie der Geruch der Bodylotion, die du im Ausland verwendest und in dir eine Sehnsucht nach scheinbar banalen Dingen weckt, wie nach der Marke deiner heimischen Bodylotion. Während der gleiche Auslöser an einem anderen Tag Abenteuerlust in dir weckt und die Freude darüber, neue Gerüche und Welten zu entdecken, löst sie an einem anderen Tag Heimweh aus.

Anastasia Langer hat in den Niederlanden Media & Entertainment Management an einer internationalen Universität studiert. Erasmus-Semester und Praktikum führten sie nach Spanien an die Costa Brava. Zurzeit lebt sie in Berlin und arbeitet als Filmproducerin.