Im Ausland leben und arbeiten: Das Beste daran, das Schlechteste & alles dazwischen

Keine Frage, Auswandern ist großartig. Für längere Zeit ins Ausland gehen, davon träumt mehr als die Hälfte der Deutschen. In der Realität verwirklicht jedoch nur ein kleiner Prozentsatz den Wunsch nach einem Leben in der Ferne. Denn dies hat eben auch seine Schattenseiten. Im folgenden nennt Auslandskarriere die Glanzpunkte, die Kehrseiten und alles dazwischen.

Das Beste am Leben im Ausland

Die Welt aus einer ganz anderen Perspektive betrachten

Es ist unheimlich bereichernd, in eine andere Kultur einzutauchen. Vielen Auswanderern öffnet es die Augen dafür, dass auf der Welt andere Lebensweisen und Alltagsbräuche existieren, die das aufbrechen, was sie seither gewohnt waren. Andere klimatische Verhältnisse und gesellschaftliche Systeme beeinflussen das Leben der Menschen. Die einen essen abends erst ab 21 Uhr, die anderen ziehen sich beim Betreten einer Wohnung stets die Schuhe aus. In einigen Ländern geht zwischen 14 und 17 Uhr gar nichts, da Siesta gehalten wird. Ein Erleben völlig anderer Lebensarten erweitert den Horizont enorm und ordnet das eigene Leben in seinen Platz in der Welt ein.

Ein Gefühl der Unabhängigkeit erlangen

Sich in einer fremden Umgebung zurecht zu finden, möglicherweise sogar ohne perfekte Sprachkenntnisse, erfordert Selbstvertrauen. Ein Bankkonto eröffnen, ein Arbeitsvisum besorgen, mit Vermietern verhandeln und sich im Job gut machen, das ist vergleichsweise einfach Zuhause. Dies kann woanders jedoch eine echte Herausforderung darstellen. Wenn diese gemeistert und der Start in der neuen Heimat gelungen ist, setzt ein ungeheures Gefühl der Unabhängigkeit ein. Dies geht einher mit dem Gefühl, es überall schaffen zu können, egal wo, unabhängig von anderen Menschen oder günstigen Umständen.

Freunde aus der ganzen Welt gewinnen

Frisch im Wunschland angekommen, treffen Auswanderer meist schnell auf Gleichgesinnte aus anderen Ländern. Über den Job oder die Uni entstehen Kontakte zu anderen Neulingen, für die ebenfalls alles unbekannt ist. Wenn man zusammen die anfänglichen Hürden nimmt und sich über die ersten Erfahrungen im neuen Wohnort austauscht, wird die Anbandelung mitunter innig. Generell erfordert das Leben im Ausland, sehr viel offener für die unterschiedlichsten Menschen zu sein – was sich als Bereicherung herausstellen kann. Wer in größeren Städten lebt und sich mit dem Kennenlernen schwer tut, kann direkt zu Treffen mit anderen Expats zum Beispiel über Internations gehen.

Die Familie zu Hause mehr zu schätzen wissen

Ein Sprichwort sagt, dass man allgemeinhin oft nicht zu schätzen weiß was man hat, bis man es verliert. So merkt man bisweilen erst in der Ferne, wie großartig die eigene Familie ist. Wer daheim nur sporadisch mit der Verwandtschaft telefoniert hat, ertappt sich weit weg dabei, sehnsüchtig auf Skype-Anrufe mit Eltern oder Geschwistern hin zu fiebern. Und auf den Urlaub in der Heimat freut man sich schon Monate vorher gehörig. Das Bedürfnis, in Kontakt zu bleiben, vergrößert sich generell immens. Und das ist eine gute Sache, denn es erzeugt Dankbarkeit.

Appetit bekommen, die Welt noch weiter zu erkunden

Die meisten Menschen tragen eine kleine Portion Fernweh in sich. Nach dem ersten Auslandsaufenthalt dringt die Reiselust jedoch häufig erst so richtig durch. Wer einmal infiziert ist, möchte mehr. Andere Kulturen zu erleben ist so erfrischend und aufregend, dass im Ausland Lebende nun erst recht weitere Teile der Welt sehen möchten.

Materielle Werte gewinnen an Bedeutungslosigkeit

Wenn ein neues Leben mit zwei Koffern möglich ist, verliert Materielles an Bedeutung. In vielen Fällen verkaufen Auswanderer ihr Hab und Gut vor dem Neustart und besitzen zu Anfang im Traumland wenig. Dies ist belebend, da sie trotz weniger Habseligkeiten nichts vermissen und nun wissen, dass sie zur Not auch auf einer Luftmatratze in einem winzigen Apartment ganz weit weg glücklich sein können.

Die schlechten Seiten

Nicht alles ist so, wie man es sich vorgestellt hat

Die meisten Auswanderer leben zu Anfang nicht in einer Villa am Strand und legen einen Hollywood-ähnlichen Neustart hin, bei dem eventuell sogar noch die große Liebe im neuen Land wartet. Nein, viel wahrscheinlicher ist es die Luftmatratze oder das stickige Hostel, mit dem man vorlieb nehmen muss. Wurde die neue Anstellung als “Top-Chance in einem internationalen Team” angepriesen, kann sie sich auch als Tretmühlen-Job in einer mickerigen Schreibtisch-Box entpuppen. Doch dies gehört zum Prozess und stärkt den Charakter.

Die bürokratischen Hürden für vieles sind sehr groß

Leider kann man nicht einfach in ein Flugzeug steigen und sich woanders permanent niederlassen. Eine Auswanderung geht immer mit einer Menge Papierkram einher. Ein Arbeitsvisum in einem anderen Land zu bekommen (und regelmäßig zu verlängern) kann zu einem totalen Alptraum werden. Es kostet je nach Land Nerven, Zeit und unter Umständen Geld, alle erforderlichen Dokumente zu besorgen. Vielmals bedingt eine Bescheinigung die andere. Zum Beispiel muss für die Eröffnung eines Bankkontos häufig ein regelmäßiges Einkommen nachgewiesen werden. Arbeitgeber benötigen bei der Einstellung aber ein lokales Bankkonto, auf das sie den Lohn überweisen können. Vermieter möchten Einkommens- und Banknachweise sehen. Und wenn der Prozess dann schon beim Arbeitsvisum ins Stocken kommt, kann die Zeit im stickigen Hostel sich um Wochen und Monate ausdehnen. Geduld und Ausdauer sind hier gefordert, und das in großen Mengen.

Das Leben zu Hause geht ohne einen weiter

Während der jüngst Ausgewanderte sich noch mit Behördenwahnsinn herumschlägt, geht das Leben für die Daheimgebliebenen ohne ihn weiter. Freunde heiraten, Verwandte kriegen Kinder, die Großeltern sterben. Bilder von Weihnachts- und Geburtstagsfeiern oder ohne einen zu sehen, das kann schmerzen. Darauf sollte man vorbereitet sein.

Notfälle können sehr teuer werden

Halten Fotos her, um an den kleinen Ereignissen aus der Ferne teilhaben zu können, gibt es Umstände, da muss man vor Ort sein. Wenn ein Familienmitglied etwa ernsthaft krank wird oder einen Unfall hat, erfordert dies prompte Reaktion. Und Last-Minute-Flüge, die schnell passieren müssen, können richtig teuer werden. Hat man kein Budget dafür, kommt noch der Stress dazu, dieses Geld irgendwo aufbringen zu müssen. Als Auswanderer hat man ferner kontinuierlich Schuldgefühle, dass man sich um Angehörige in schwierigen Situationen nicht entsprechend kümmern kann.

Alles dazwischen

Vor der Auswanderung Geldpolster anlegen

Auswandern ist schön, mit ein wenig finanzieller Sicherheit im Rücken jedoch noch schöner. Es wäre schade, wenn die Auswanderung schlichtweg daran scheitert, dass einem das Geld ausgeht, während man auf Visum, Job oder Wohnung wartet. Ebenso tragisch ist es, wenn keine finanziellen Mittel für einen möglichen plötzlichen Heim- und Rückflug vorliegen.

Dokumente vor der Abreise auf aktuellen Stand bringen

Es ist unbedingt ratsam, Pass und Führerschein schon vor der Abreise in Deutschland zu verlängern, sollte einer von beiden während des Auslandsaufenthalts ablaufen. Es kann je nach Land eine umständliche Angelegenheit sein, dies über das deutsche Konsulat bewerkstelligen zu müssen. Möglicherweise ist man dann sogar für eine Zeit ganz ohne Pass und kann im Notfall das Land nicht verlassen.

Wichtiges mitnehmen

Nicht alles ist überall auf der Welt einfach erhältlich. Bestimmte Medikamente beispielsweise nimmt man lieber auf Vorrat mit. Auch das Lieblingsshampoo oder Kosmetika sollten Auswanderer einpacken, wenn sie im Traumland nicht darauf verzichten möchten.

Also, wohin darf es gehen?