Sabbatical und Karriere-Tipps aus Eat Pray Love

Eat Pray Love ist mittlerweile ein Synonym für ein erfolgreiches Sabbatical. Elizabeth Gilberts autobiographisches Buch verarbeitet ihre gescheiterte Ehe und handelt von ihrem einjährigen Sabbatical um die Welt. Elizabeth reiste zuerst nach Italien, um das Leben wieder genießen zu können (Eat), danach reist sie nach Indien, um sich spirituell wiederzufinden (Pray) und anschließend beendete sie ihre Sabbatical-Reise in Indonesien, um die Balance zwischen den beiden zu finden und verliebte sich dort schließlich in einen Mitreisenden (Love).

Ihr Buch wurde in 30 Sprachen übersetzt und weltweit über 7 Millionen Mal verkauft. Das Thema Sabbatical hat durch das Buch, sowie die Verfilmung eine neue Bedeutung erhalten. Jeder kannte den Begriff “Gap Year” – dieser wurde allerdings eher mit Abiturienten, die ein Jahr als Au-pair arbeiten oder Work and Travel, machen in Verbindung gebracht. Dass man ein ganzes Jahr aus seinem sicheren Job aussteigt, um auf Reisen zu gehen und um sich selbst zu finden war für viele neu.

Und hier hagelt es auch schon Kritiken. Vor kurzen stolperte ich über einen älteren Online-Artikel der Daily Mail, indem es darum ging warum Eat Pray Love eine Beleidigung für Frauen mit echten Problemen sei. Elizabeth Gilbert habe keine Auszeit für ein ganzes Jahr genommen, um sich selbst zu finden, sondern um ein Buch zu schreiben. Sie sei auch kein großes Risiko eingegangen, da sie die Idee fürs Buch vorab ihrem Verleger vorschlug und daraufhin einen Vorschuss von 200.000 US-Dollar erhielt. Über die beleidigten Frauen mit den “echten Problemen” wird allerdings nichts geschrieben. Nun stellt sich die Frage, ob normale Frauen tatsächlich nicht dieselben Möglichkeiten haben.

Das Buch und der Film zu Eat Pray Love sind nicht als Rezeptvorlage zu sehen, sondern als Inspiration und Ansporn, um mal aus dem Alltagsleben rauszukommen. Je mehr man sich jedoch mit dem Thema Sabbatical beschäftigt, desto mehr fällt auf, dass die Ansätze für ein Sabbatical aus Eat Pray Love auch für „Normalos“ ein Gewinn für die Karriere sein können.

Erkennen, wann es Zeit ist, sich zu verändern

Nicht nur der klassische Burn-out kann ein Auslöser sein, um ein Sabbatical machen zu wollen. Wenn Sie bei Ihrem jetzigen Job nichts mehr dazulernen, nur im Autopilot arbeiten, sich nicht wertgeschätzt fühlen oder Ihrem Job nur nachgehen, um die anfallenden Rechnungen zu bezahlen, dann ist es höchste Zeit, sich zu verändern. Bei Elizabeth war es ihre Ehe und der Drang danach, sich selbst zu entdecken und zu verwirklichen.

Im Voraus planen und konkrete Ziele setzen

Ein Sabbatical mit der Aussicht „einfach mal nichts zu tun“ wird Sie wahrscheinlich nach zwei Wochen langweilen. Auch wenn Sie sich selbst finden möchten, sollten Sie dies als Ziel klar definieren.

Abraham Lincoln sagte: “The best way to predict the future is to create it”. Elizabeths Ziel war es, ein Buch über ihre Selbstfindungsreise zu schreiben. Ein Sabbatical bietet sich gerade zu an, um die lang gehegte Buchidee zu verwirklichen – auch ohne Vertrag und Vorschuss. Elizabeth war bereits Schriftstellerin und hat seit ihrer Jugend viel Zeit und Energie ins Schreiben gesteckt. Niemand hält Sie davon ab mit Ihrer Leidenschaft Geld zu verdienen. Es muss natürlich nicht gleich eine radikale Karriereveränderung sein. Wenn Sie zum Beispiel als Berater für eine Firma arbeiten und Ihnen die Arbeit in der Regel Spaß macht – das Umfeld allerdings nicht, dann sollten Sie natürlich nur das Umfeld ändern. Es war noch nie so einfach sich selbstständig zu machen, wie heute. Eine Webseite ist schnell erstellt und vielleicht verfügen Sie bereits über den ein oder anderen Kontakte in Ihrer Industrie. Sie werden überrascht sein wie viele Berufe man nur mit Hilfe eines Laptops und einer stabilen Internetverbindung verrichten kann. Eine freiberufliche Tätigkeit während dem Sabbatical kann Sie nicht nur finanziell auf Ihrer Reise unterstützen, sondern Ihnen vielleicht ein neues Standbein ermöglichen.

Nutzen Sie die Geoarbitrage Vorteile

Geoarbitrage bedeutet, dass man die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten zwischen verschiedenen geographischen Orten nutzt, während man in einer stärkeren Währung Geld verdient. Elizabeth verdiente ihr Geld in US-Dollar und suchte sich zwei Orte mit niedrigen Lebenshaltungskosten (Indien und Indonesien) und einen Ort mit vergleichbaren Lebenshaltungskosten (Italien) aus. Diese Aufteilung ist nicht nur wegen der geringeren Lebenshaltungskosten sehr schlau gewählt, sondern auch, weil Elizabeth sich dazu entschied, ihr Sabbatical in „nur“ drei Ländern zu machen. Damit konnte sie sich besser in dem jeweiligen Land einleben und hatte auch genügend Zeit, sich dem Schreiben zu widmen. Zudem verringern sich die Kosten, wenn man eine Wohnung für einen längeren Zeitraum mietet, anstatt von Hostel zu Hostel zu tingeln. Viele Leute planen eine Weltreise und sind sich der Reisekosten und Dauer, die es bedarf, an einen Ort zu kommen, nicht bewusst. Touristenattraktionen abzuklappern macht auf Dauer müde und lenkt Sie von Ihren eigentlichen Zielen ab.

Packen Sie keine finanziellen Sorgen in Ihr Gepäck

Analysieren Sie Ihre momentane finanzielle Lage: Wieviel verdienen Sie? Welche Ausgaben haben Sie? Wie sieht es mit Erspartem aus? Am einfachsten bekommen Sie einen Überblick, wenn Sie Ihre monatlichen Ein- und Ausgaben, sowie jährliche Ausgaben in einem Haushaltsbuch festhalten. Wo können Sie sparen? Kleinere Ausgaben wie der tägliche Kaffee oder das Mittagessen beim teuren Italiener summieren sich sehr schnell. Überprüfen Sie Ihre Versicherungen, Handy-Verträge, Zeitungsabonnements und alles, bei dem Sie eine Einsparmöglichkeit sehen. Vielleicht haben Sie bereits eine Wohnung, die Sie in der Zeit des Sabbatical vermieten könnten.

Der nächste Schritt: Informieren Sie sich über die Lebenshaltungskosten in Ihren Zielländern oder Ihrem Zielland und berechnen Sie diese zusammen mit allen anfallenden Reisekosten, Versicherungen und natürlich Notfallrücklagen.

Networking

Nehmen Sie Kontakt zu den Einheimischen und Mitreisenden auf. Elizabeth hat in jedem der drei Länder Leute kennengelernt, die ihr bei ihrer Selbstverwirklichungsreise weitergeholfen haben. Scheuen Sie auch nicht davor zurück, die Landessprache ein wenig zu lernen. Dies wird Ihnen helfen, sich besser zu verständigen und das Land selbst besser kennenzulernen. Leute kann man überall kennenlernen – zum Beispiel wie Elizabeth in einem Café oder gezielter bei einem Treffen für Expats. Internations.org bietet in den meisten größeren Städten regelmäßige Treffen für Expats an. Dort können Sie sich mit Leuten, die sozusagen im selben Boot sitzen, austauschen.