Was die Auswanderer von „Goodbye Deutschland!“ falsch machen

Neu in einem anderen Land anzufangen ist der Traum von vielen Deutschen. Diejenigen, die diesen Traum (noch) nicht in die Realität umgesetzt haben, können beim Fernsehsender Vox jede Woche dabei mitfiebern, wie andere das Projekt „Auswandern“ meistern. Die Doku-Soap „Goodbye Deutschland!“ begleitet Auswanderer schon bei den Umzugsvorbereitungen und schildert, wie die Neuankömmlinge mit den alltäglichen Herausforderungen in der Wahlheimat zurecht kommen. Oft werden die Protagonisten über Jahre hinweg vom Kamerateam begleitet – und weitaus nicht allen gelingt der Neustart. Das Leben, von dem sie geträumt haben, deckt sich oft nicht mit dem Alltag im vermeintlichen Traumland. Und Pleiten, Pech und Pannen sind häufiger an der Tagesordnung als ein reibungsloser Beginn eines glücklichen Daseins. Was machen gescheiterte Auswanderer also falsch?

Sie beherrschen die Landessprache nicht

Im Urlaub kommt man mit Deutsch in vielen Ländern weiter. Häufig haben sich Hotellerie und Gastronomie auf deutsche Gäste eingestellt, und die Angestellten beherrschen die gängigsten deutschen Phrasen. Einige Auswanderer nehmen daher an, die Landessprache ihres Wunschlandes zu sprechen sei gar nicht nötig, denn beim letzten Aufenthalt hat es doch auch geklappt, den Djuvec-Reis auf Deutsch zu bestellen. Doch nur weil sie in den Ferien mit Deutsch ganz gut durchkommen, heißt es nicht, dass sich der Alltag im Zielland auch ohne entsprechende Sprachkenntnisse bestreiten lässt. Denn wer in ein anderes Land umsiedelt, muss Behördengänge durchführen, Formulare ausfüllen, Gesetzestexte verstehen und sich mit zukünftigen Arbeitskollegen oder Geschäftspartnern auseinandersetzen können. Wer sich nicht in der Landessprache verständigen kann, ist auch nicht in der Lage, einen Standpunkt zu vertreten oder bei Ungereimtheiten eine Debatte zu führen. Vor der Auswanderung ist es unbedingt ratsam, einen ausführlichen Sprachkurs zu besuchen.

Sie informieren sich vorab nicht genügend über behördliche Bestimmungen

Immer wieder portraitiert “Goodbye Deutschland” Aussiedler, die erst am Zielort darauf stoßen, dass sie die geplante Tätigkeit aufgrund vorherrschender Gesetze gar nicht ausführen können. So stellte vor kurzem ein Auswandererpaar aus der Serie erst im Ausland fest, dass es sich erst nach 5 Jahren Daueraufenthalt als Touranbieter selbständig machen kann. Einen Alternativplan hatten die beiden nicht. Um überhaupt arbeiten zu können, braucht man in vielen Ländern ein Arbeitsvisum. Dieses bekommt man manchmal nur für bestimmte Berufssparten. Wer im Auswandererland gleich ein eigenes Business eröffnen möchte, für den gelten wiederum ganz bestimmte Regeln. Manchmal müssen finanzielle Polster nachgewiesen werden, in anderen Ländern darf nur selbständig sein, wer auch über entsprechende Qualifikationen verfügt (und möglicherweise noch eine Prüfung im Wunschland ablegt). Wer es wirklich ernst meint mit der Auswanderung, erkundigt sich vorher im Internet und entsprechenden Foren darüber, wie es sich verhält mit den behördlichen Vorgaben der Arbeit, die man ausführen möchte.

Sie unterschätzen bürokratische Hürden

Das Geldpolster reicht nur für 3 Monate, die Behörden im Traumland brauchen aber ein Dreivierteljahr, um eine Arbeitserlaubnis auszustellen? Der Umbau des Friseursalons, den Sie ins Auge gefasst haben, sollte nur 2 Wochen dauern, doch die Stadt braucht 4 Wochen, um diesen zu genehmigen? Solche Verzögerungen passieren. In einigen Ländern mahlen die bürokratischen Mühlen um einiges langsamer als in Deutschland. Darauf muss man gefasst sein, und man muss dies finanziell auffangen können. Manchmal bekommt einen Mietvertrag nur, wer eine Arbeit besitzt. Und nur wer einen festen Wohnsitz vorweisen kann, kann ein Bankkonto eröffnen. Wenn ein Glied aus der Kette nicht vorliegt, fallen oft gesamte Lebenspläne in sich zusammen – oder sie kommen für unbestimmte Zeit zum Halten.

Sie kennen nur das „Urlaubsleben“ im Zielland, nicht aber das Alltagsleben

Einige Auswanderer treffen die Entscheidung, Deutschland zu verlassen aufgrund der schönen Zeit, die sie im Urlaub im Wunschland verbracht haben. War bei der letzten Reise das Wetter schön, man selber relaxt und die Menschen freundlich, so kann das ganz normale Arbeitsleben im Traumland ein wenig anders aussehen. Auch in Ländern, in denen meistens die Sonne scheint, gibt es trübe Tage, Unwetter gar und lange Wintermonate. Im Winter sind Touristendestinationen oft menschenleer, und man muss diese Zeit zu überbrücken wissen. Waren doch beim letzten Mal alle so nett, so kann sich das tägliche Miteinander mit Einheimischen im Traumland aufgrund von Mentalitätsunterschieden schwierig gestalten. Der Grad der Verlässlichkeit variiert, und je nach Branche kann der Ton in der Arbeitswelt ein anderer sein als in Deutschland. Zieht es einen in bestimmte Länder, so muss ferner mit temporären Internet- oder Stromausfällen gerechnet werden. Mag das im Urlaub noch ganz lustig sein, können längere Stromausfälle ein ernsthaftes Hindernis oder gar das Aus bedeuten, wenn man sich gerade frisch selbständig gemacht hat.

Sie investieren zu schnell zu viel Geld und erstellen keinen Businessplan und keine Marktanalyse

Wer bei „Goodbye Deutschland!“ scheitert, muss nicht nur gesunkenen Hauptes nach Deutschland zurückkehren, sondern hat oft dazu noch viel Geld in den Sand gesetzt. Viele Auswanderer investieren in ihren Traum, ohne gründlich erhoben zu haben, ob die Eisdiele auf Mauritius oder die Bar in Brasilien wirklich eine profitable Idee darstellen. Sie haben keinen Businessplan erstellt, der ihnen aufzeigt, wie sie die täglichen Ausgaben decken können und wie viel sie erwirtschaften müssen, um einen Gewinn zu erzielen. Ferner haben die Unglücksraben manchmal nur eine ungefähre Idee, wie ihre Zielgruppe und ihr Markt aussehen. Ob wirklich eine Nachfrage und ein Bedarf an den angebotenen Services oder Produkten besteht, das sollte in jedem Fall recherchiert werden, bevor sämtliche Ersparnisse in die neue Geschäftsidee fließen. Im Internet existieren wunderbare Ratgeber, die einem dabei helfen, Businesspläne und Marktanalysen anzufertigen.

Sie sind für ihr Jobvorhaben nicht qualifiziert

Es gibt Berufe, von denen denken viele, jeder könne sie machen. Es sind oft gerade diese Berufe, die gescheiterte Auswanderer im Zielland anpeilen. So möchte der Maler nun Touristenführer werden, und die Versicherungskauffrau ein Restaurant eröffnen. Denn ein Restaurant führen, das kann doch nicht so schwer sein? Weit gefehlt. Man muss ein Team aus Köchen, Serviceangestellten und Managern führen können, die Buchführung in Ordnung zu halten erfordert auch einiges an Talent, und um sich aus der Masse abzuheben, benötigen gute Gastronomen ein gewisses Gespür für kulinarische Trends. Ferner muss ein Konzept für den Laden erstellt werden. All dies und mehr gehört dazu, um erfolgreich zu sein. Sich aus dem Blauen heraus und ohne Qualifikation und Arbeitserfahrung in ein neues Arbeitsfeld zu stürzen ist nicht ratsam (und geht meistens schief). Als Alternative kann man anfangs in einem Restaurant im Traumland als Angestellter arbeiten, um zu sehen, wie der Hase läuft.

Sie haben keinen Plan für Flauten im „Saisongeschäft“

Wer von geschäftlichen und saisonalen Haupt- und Nebenzeiten abhängig ist, sollte sich darüber Gedanken machen, wie er in Zeiten der Flaute über die Runden kommt. Ein Plan B, der bedeuten kann, in der Nebensaison einen “Work-from-Home”-Job am PC auszuüben, hilft dabei, dass auch dann entsprechendes Einkommen generiert wird.

Sie unterschätzen, wie hart man für eine gelungene Auswanderung arbeiten muss

Oft denken Auswanderer, im Zielland müsse man weniger arbeiten als in Deutschland. Dabei können viele erfolgreiche Auswanderer bestätigen, dass sie erst recht zu Beginn sogar mehr als in Deutschland malochen. Es kostet Anstrengung, Durchhaltevermögen und Fleiß, um eine Auswanderung gelingen zu lassen. Zur alltäglichen Berufsausübung kommen oft noch Sprachkurse, Aufbau von Beziehung mit Einheimischen, Renovierungen, Behörden- und Papierkram. Die Tage und Wochen können so ganz schön lang werden, zumal in einigen Ländern die Anzahl an gesetzlich vorgeschriebenen Urlaubstagen geringer als in Deutschland ist.

Das Fazit

Wenn eine gründliche Einarbeitung und Vorbereitung in das neue Leben in der Ferne nicht stattfinden, ist der Misserfolg vorprogrammiert. Und im Gegenzug erhöht eine gute Planung die Erfolgschancen enorm. Wer gut gewappnet startet, dem blühen rosige Aussichten auf das Leben, was er sich erträumt hat.